Ray Rice (M.) hat seine 2008 durch Läufe schon über 4500 Yards erzielt © getty

Die Ravens sinnen gegen das Vollmer-Team auf Revanche für das AFC-Finale. Manning wird für seinen Lieblingsgegner zum Härtetest".

Von Eric Böhm

München - Der folgenschwere Fehlschuss hat die Baltimore Ravens noch nicht losgelassen.

Zwar wurde Kicker Billy Cundiff nach dem vergebenen Last-Minute-Ausgleich im vergangenen AFC-Finale gefeuert, aber vergessen ist die Niederlage nicht.

Am 3. Spieltag kommt es nun vor heimischer Kulisse zum Rematch mit den New England Patriots, die ihr eigenes Kicker-Trauma überwinden müssen (Der 3. Spieltag, So., ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

"Der Stachel sitzt natürlich tief, aber es ist auch eine Möglichkeit. Es treibt dich an, noch härter zu arbeiten. Das ist die menschliche Natur", sagt Ravens-Coach John Harbaugh.

Verkehrte Welt

Nachdem der Super Bowl im Januar nur hauchdünn verpasst wurde, sollte in der neuen Saison der Einzug ins NFL-Endspiel nachgeholt werden.

Die oftmals gescholtene Offensive um Quarterback Joe Flacco präsentierte sich in den ersten Partien auch deutlich verbessert, plötzlich hakt es aber in der hochgelobten Abwehr.

Bei der Niederlage am 2. Spieltag gestatteten Ray Lewis und Co. Philadelphia fast 500 Yards - das war bei einer Pleite seit 1998 nicht mehr passiert.

Suggs-Ausfall noch nicht kompensiert

"Wir haben einige neue Spieler und gewöhnen uns erst aneinander. Der Prozess dauert noch", erklärt Lineman Haloti Ngata.

Der Achillessehnenriss bei Linebacker Terrell Suggs konnte bisher nicht kompensiert werden.

Dafür überzeugt Cundiffs Nachfolger Justin Tucker. Der Rookie-Kicker verwandelte bisher all seine sechs Field-Goal-Versuche ( 614948 DIASHOW: Die Bilder des 3. Spieltages ).

Patriots knabbern an Kicker-Panne

Die Patriots mit Sebastian Vollmer in der Offensive Line kassierten dagegen zuletzt eine überraschende 18:20-Niederlage gegen Arizona, weil Stephen Gostkowski am Ende nicht traf.

Der sonst so zuverlässige Kicker versagte in den Schlusssekunden. Deshalb laufen die Pats Gefahr, zum ersten Mal seit 2001 mit nur einem Sieg aus drei Spielen zu starten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Winslow vor Debüt

Analog zu den Ravens ist darüber hinaus auch in New England die Welt auf den Kopf gestellt.

Während die 2011 noch so belächelte Abwehr auftrumpft, macht der explosive Angriff um Tom Brady Probleme.

Zudem verletzte sich Tight End Aaron Hernandez am Knöchel. Deshalb wurde kurzfristig Kellen Winslow verpflichtet und Receiver Deion Branch zurückgeholt - nur 18 Tage nach seiner Entlassung.

"Ich habe Kellen jetzt erst kennengelernt. Wir müssen abwarten, wie es ohne Aaron läuft. Wir müssen effizienter werden", fordert Brady.

Pollard als New Englands Schreck

Der Quarterback hofft gegen seine persönlichen Angstgegner auf die Wende. Gegen kein Team hat der 35-Jährige ein schwächeres Karriere-Rating.

Die Ravens bangen um den Einsatz des angeschlagenen Safetys Bernard Pollard (Rippenprellung). Sein Hit kostete Brady 2008 die gesamte Saison, als sich der Quarterback gegen die Kansas City Chiefs einen Kreuzbandriss zuzog.

Im AFC-Finale sorgte Pollard zudem für die Knöchelverletzung, die Touchdown-Spezialist Rob Gronkowski im Super Bowl behinderte.

SPORT1 blickt auf zwei weitere Partien des 3. Spieltages der NFL:

Denver Broncos - Houston Texans

Nach der Abreibung in Atlanta (Bericht) wartet auf Peyton Manning der nächste harte Brocken.

Super-Bowl-Mitfavorit Houston Texans tritt bei den Denver Broncos (So., ab 22.20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) an und kennt den viermaligen MVP aus den Divisionsduellen mit Indianapolis.

Einige schwache Würfe haben die Diskussionen über Mannings Fitness wieder angeheizt, da kommt ihm die aktuell beste Abwehr der Liga gerade recht.

"Gegen die Falcons waren es schlechte Entscheidungen von mir. Es hatte nichts mit Wurfstärke zu tun", betont Manning, der bisher 16 seiner 18 Partien gegen Houston gewinnen konnte.

Texans-Coach bleibt vorsichtig

Die Texans wollen ihren Lauf nach zwei Kantersiegen auch in der "Mile High City" fortsetzen.

Die Balance zwischen dem Laufspiel um Arian Foster und dem Passangriff mit Spielmacher Matt Schaub und Receiver Andre Johnson stimmt.

"Wir spielen offensiv und defensiv aktuell sehr gut. Denver wird aber unser erster richtiger Härtetest", warnt Coach Gary Kubiak.

San Diego Chargers - Atlanta Falcons

Nur sechs Mannschaften sind nach zwei Spieltagen noch ungeschlagen. In San Diego treffen zwei davon aufeinander.

Die erstmals unter Coach Norv Turner mit zwei Siegen gestarteten Chargers empfangen die Atlanta Falcons. Ein Offensivspektakel scheint garantiert.

Denn die beiden Quarterbacks Philip Rivers und Matt Ryan brachten beide bisher über 70 Prozent ihrer Pässe für mehr als 500 Yards an den Mann.

"Es ist eine Liga, die auf Pässe ausgerichtet ist. Das wird in diesem Spiel nicht anders sein", vermutet Atlantas Cheftrainer Mike Smith.

Kann Turner spielen?

Beide Teams plagen vor dem Kracher aber Personalsorgen. Die Falcons bangen aufgrund seiner Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer um Ex-Charger Michael Turner.

Auf der anderen Seite sind Tight End Antonio Gates (Rippenverletzung) und Running Back Ryan Mathews (Schlüsselbeinbruch) fraglich.

Für Mathews sprang zuletzt Jackie Battle mit zwei Touchdowns in die Bresche. San Diegos bis dato einziger Erfolg gegen Atlanta gelang 1998.

"Wir sind ein sehr selbstloses Team. Bei uns denkt jeder Spieler nur daran, wie er helfen kann, um Siege einzufahren", lobt Rivers.

Weiterlesen