Quarterback Jay Cutler (l.) wurde 2008 für den Pro Bowl nominiert © getty

Topfavorit Green Bay steht vor dem 185. Duell mit den Bears schon unter Druck. Cutler und Marshall drohen der löchrigen Abwehr.

Von Eric Böhm

München - Die älteste Rivalität der NFL geht in die 185. Runde.

Die Green Bay Packers eröffnen den 2. Spieltag gegen die Chicago Bears (ab 2.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) und stehen im zweiten Heimspiel bereits unter Druck.

Nach der Heimpleite im Topspiel gegen San Francisco (Bericht) muss für den Topfavoriten unbedingt ein Sieg her, um den ungeliebten Kontrahenten in der NFC North nicht enteilen zu lassen.

"Mit zwei Niederlagen zu starten, wäre natürlich alles andere als optimal. Andererseits hilft uns die kurze Woche, denn wir sind heiß darauf, uns zu rehabilitieren", sagt Quarterback Aaron Rodgers.

Packers gegen Statistik

Statistisch gesehen geht es für die Mannschaft des MVPs gegen Chicago schon um die Super-Bowl-Hoffnungen.

Nur ein Team gewann noch das Endspiel, wenn es mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet war - den Dallas Cowboys gelang das Kunststück 1993.

"Diese Zahlenspiele interessieren uns nicht. Wir schauen noch nicht auf den Super Bowl. Unser Fokus liegt auf den Bears", wiegelt Cheftrainer Mike McCarthy ab.

Jennings ist fraglich

Trotzdem könnte es bei einer Pleite ungemütlich werden, denn in den Köpfen der Fans stecken immer noch die brillanten Leistungen der fast perfekten Saison 2011.

Ohne nennenswerte Abgänge waren die Hoffnungen vor der Spielzeit enorm hoch. Die Ernüchterung gegen starke 49ers wurde am Ende schon mit Unmutsäußerungen quittiert ( 608962 DIASHOW: Die Bilder des 1. Spieltages ).

Eine weitere Hiobsbotschaft ist die Leistenverletzung des besten Receivers Greg Jennings. Zu Beginn der Woche konnte er nicht trainieren und fühlte sich laut McCarthy "nicht gut".

Die Zahlen sprechen aber für sein Team. Sechs der vergangenen sieben Duelle mit Chicago wurden gewonnen.

Abwehr bleibt Sorgenkind

Mehr als die gegen die Niners etwas stotternde Offensive macht die unverändert schwache Verteidigung Kopfschmerzen.

Eine entscheidende Verbesserung war trotz aller Bekenntnisse im Vergleich zur vergangenen Saison nicht feststellbar.

Fast 400 Yards gestattete sie den Gästen aus Kalifornien und präsentierte sich löchriger als der berühmte Käse aus Wisconsin.

Der auf Safety gewechselte Charles Woodson macht sich keine Sorgen: "Wir spielen uns noch aufeinander ein, wir werden unser Niveau steigern."

Cutler hat Marshall wieder

Ob das gegen Chicago gelingt, darf bezweifelt werden. Immerhin deuteten die Bears gegen überforderte Indianapolis Colts ihre neue Explosivität an.

Vor allem die Wiedervereinigung von Quarterback Jay Cutler mit Receiver Brandon Marshall bringt eine neue Qualität und gibt jederzeit die Möglichkeit zu einem Big Play.

Das Duo wirbelte einst in Denver und will nach für beide enttäuschenden Jahren nun die "Windy City" erobern. Gegen Indy fing Marshall neun Cutler-Pässe für 119 Yards.

"Die Chemie stimmt bei uns einfach. Brandon ist ein hervorragender Receiver. Wir brauchten nicht lange, um wieder aufeinander abgestimmt zu sein. Wir werden in den nächsten Wochen noch gefährlicher werden", tönt Cutler.

Gute Verstärkungen

Dazu kommt der große, athletische Rookie Alshon Jeffery, der besonders kurz vor der Endzone zu einer Waffe werden könnte.

Das ohnehin schon gute Laufspiel um Matt Forte wurde mit Michael Bush verstärkt. Gegen die Colts klappte das Wechselspiel schon sehr gut.

"Es war ein guter Auftakt. Jetzt müssen wir nachlegen. Die Offense sieht sehr gut aus", sagt Linebacker Brian Urlacher, der weiter versucht, seine Knieprobleme in den Griff zu bekommen.

Bears zuversichtlich

Die kurze Trainingswoche sehen die Bears positiv und stellen ihr normales Programm nur unwesentlich um.

"Sonst trainieren wir nach einem Spiel nie vor Mittwoch, diesmal ziehen wir alles einen Tag vor. Es wird nicht viel Kontakt geben. Dass wir Green Bay sehr gut kennen, hilft bei der Vorbereitung", betont Coach Lovie Smith.

Da sie am 1. Spieltag früher dran waren, nahmen sie die Packers danach intensiv unter die Lupe. "Die 49ers haben gezeigt, dass es möglich ist, dort zu siegen", sagt Defensive Tackle Henry Melton.

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