Ndamukong Suh (v.) wurde 2010 zum NFL-Rookie des Jahres gewählt © getty

Die Lions wollen nach ihrer Playoff-Teilnahme weitere Horror-Serien beenden. Die 49ers haben die NFC West im Würgegriff.

Von Eric Böhm

München - Eine Durststrecke haben die Detroit Lions schon beendet, nun soll eine weitere Marke gelöscht werden (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+).

In der vergangenen Saison erreichte die einstige Lachnummer der NFL erstmals seit zwölf Jahren die Playoffs und kam bei der Niederlage gegen die New Orleans Saints auf den Geschmack.

"Wir sind ein wilder Haufen. Es macht viel Spaß, in diesem Team zu spielen. Mit einer Playoff-Teilnahme geben wir uns nicht mehr zufrieden", kündigt Quarterback Matt Stafford an.

Im Januar 1992 gelang der bis dato letzte Sieg in der K.o.-Runde. In ein NFL-Endspiel zog Detroit zuletzt vor 54 Jahren ein - der Super Bowl wurde erst neun Jahre später eingeführt.

Stafford trumpft auf

Grund für Optimismus gibt in der "Motor City" vor allem der explosive Angriff. In seiner ersten verletzungsfreien Saison feierte Stafford den Durchbruch.

Der 24-Jährige stellte 2011 mit 5038 Yards durch Pässe einen Lions-Rekord auf, führte sein Team als zweitjüngster Spielmacher aller Zeiten in die Playoffs und wurde für den Pro Bowl nominiert.

"Matt ist ein herausragendes Talent. Er hat sich durch die vielen Verletzungen zu Beginn seiner Karriere nicht entmutigen lassen. Er ist ein Gewinner", lobt Calvin Johnson.

"Megatron" als Faustpfand

Der Receiver ist aktuell der beste Passfänger der NFL und für jede Verteidigung ein wandelnder Albtraum. Die großartige vergangene Spielzeit zu toppen, dürfte aber selbst für "Megatron" extrem schwierig werden.

Mit 1681 Yards führte er die Liga an und stellt durch mindestens zwei Touchdowns in den ersten vier Partien eine NFL-Bestmarke auf.

Topfavorit der NFC North sind die Green Bay Packers, aber den talentierten Lions wird eine große Zukunft vorhergesagt (VORSCHAU: AFC North und AFC West).

Im Westen der NFC deutet sich der nächste Alleingang der San Francisco 49ers an. Vor dem Saisonstart blickt SPORT1 auf die Divisionen NFC North und NFC West.

NFC North

Die Packers gelten in der NFC als aussichtsreichster Anwärter auf den Super-Bowl-Einzug. 2011 schnupperten sie als Titelverteidiger an der perfekten Saison und verloren dann überraschend ihr Playoff-Heimspiel gegen die New York Giants.

Die eingespielte Mannschaft um MVP Aaron Rodgers blieb weitestgehend zusammen. Ähnlich wie bei Detroit liegt die Stärke im Angriff (VORSCHAU: Green Bay zurück auf dem Packers-Weg).

Rodgers hat in Greg Jennings, Jordi Nelson, Donald Driver oder Jermichael Finely reihenweise exzellente Anspielstationen. Cedric Benson soll das Laufspiel verstärken.

Die Schwäche in der Passverteidigung soll der von einer Schulterverletzung genesene Tramon Williams beheben.

Leshoure ist fit

Die Lions sind dem viermaligen Super-Bowl-Champion aber auf den Fersen.

Running Back Mikel Leshoure, der seine Rookie-Saison wegen eines Achillessehnenrisses verpasste, könnte zum X-Faktor werden.

Fünf neue Cornerbacks soll die Abwehr von Coach Jim Schwartz um den umstrittenen Tackle-Koloss Ndamukong Suh verstärken.

Denver-Duo weckt Hoffnungen

Die Chicago Bears haben sich auf dem Transfermarkt einen der größten Fische geangelt.

Receiver Brandon Marshall kam aus Miami und wurde in der "Windy City" wieder mit Quarterback Jay Cutler vereint.

Gemeinsam schafften sie in Denver ihren Durchbruch. Nach der Trennung wurde keiner der beiden ehemaligen Jungstars richtig glücklich (VORSCHAU: AFC East und AFC South).

Sorgen um Urlacher

Schon in der vergangenen Saison mischte Chicago an der Spitze mit, bis das Verletzungspech Star-Running-Back Matt Forte und Cutler erwischte. Das Duo ist nun wieder fit.

Die Defensive ist in Chicago traditionell stark. Brian Urlachers andauernde Knieprobleme sorgen für leichte Kopfschmerzen.

Peterson kämpft sich zurück

Bei den Minnesota Vikings von einem Neuaufbau zu sprechen, wäre vermessen. Schließlich gibt es nach nur drei Siegen 2011 kein echtes Fundament.

Adrian Peterson ist der einzige Starspieler, sucht aber nach seinem Kreuzbandriss noch den Anschluss. Ob er seine alte Klasse jemals wieder erreicht, ist fraglich.

Top-Receiver Percy Harvin plagen seit Jahren Migräneanfälle. In der Offensive Line ruhen die Hoffnungen auf dem unerfahrenen Rookie Matt Kalil.

Jung-Quarterback Christian Ponder ist vor diesem Hintergrund nicht unbedingt zu beneiden. Im vergangenen Jahr sprang kein einziger Erfolg gegen einen Divisionskonkurrenten heraus - das könnte sich 2012 wiederholen.

NFC West

Während im Norden starke Quarterbacks ihr Unwesen treiben, ist an der Westküste eher Defensive Trumpf.

Die San Francisco 49ers marschierten 2011 mit dem soliden Alex Smith bis ins NFC-Finale und sollten auch in dieser Saison ihre Division dominieren (VORSCHAU: 49ers schaffen Trendwende)

Die gefürchtete Abwehr, die den Konkurrenten kaum Luft zum Atmen ließ, kann die bekannten elf Starter um Linebacker Patrick Willis weiterhin aufbieten.

Im Angriff rangeln trotz des aktuell verletzten Neuzugangs Brandon Jacobs noch Starter Frank Gore, Kendall Hunter und der pfeilschnelle Rookie LaMichael James um Läufe.

Moss überzeugt in Tests

Smith sollte von den neuen Anlaufstellen A.J. Jenkins, Mario Manningham - sein spektakulärer Catch entschied Super Bowl XLVI - und Randy Moss profitieren.

Routinier Moss will seine große Karriere an der Küste wiederbeleben und machte in der Vorbereitung einen guten Eindruck.

"Er ist ein selbstloser Teamkollege. Er gibt mir Tipps und lebt eine tolle Einstellung vor. Er arbeitet immer weiter an sich", lobt Tight End Vernon Davis.

Wilson sticht Flynn aus

Die Seattle Seahawks nahmen in der Offseason richtig Geld in die Hand, um Rodgers-Backup Matt Flynn aus Green Bay loszueisen (VORSCHAU: NFC East und NFC South)

In den Tests spielte sich jedoch der mobile Quarterback Russell Wilson derartig in den Vordergrund, dass der Neuling von Coach Pete Carroll kurzerhand zum Starter befördert wurde.

Neuzugang Braylon Edwards bildet mit Sidney Rice und Golden Tate ein gutes Receiver-Trio. Dazu kommt Geheimtipp Robert Turbin, der Platzhirsch Marshawn Lynch im Laufspiel unterstützen soll.

Der schwere Spielplan, mangelnde Erfahrung und die für gegnerische Spielmacher ungefährliche Verteidigung sprechen gegen die Seahawks.

Alles hängt an Skelton

Die Arizona Cardinals gewannen vor einem Jahr sieben ihrer letzten neun Spiele und weckten mit ihrer aggressiven Defense Hoffnungen.

Die Running Backs Beanie Wells und Ryan Williams sowie die Receiver Larry Fitzgerald, Michael Floyd und Early Ducet können sich ebenfalls sehen lassen.

Die große Schwachstelle ist die Spielmacherposition. Wenn John Skelton überzeugt, sind die Playoffs möglich.

Fisher übernimmt

Jeff Fisher, der neue Cheftrainer der St. Louis Rams, hat einen extrem jungen Kader mit einigen etablierten Kräften wie Running Back Steven Jackson geerbt.

Die Receiver um Danny Amendola und viele talentierte Verteidiger versprechen eine aussichtsreiche Zukunft.

Bei so viel Jugend sind Fehler in der Gegenwart aber programmiert. Mehr als die zwei Erfolge in der vergangenen Saison sind das erklärte Ziel.

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