Tony Romo spielt seit seinem NFL-Debüt 2003 für die Dallas Cowboys © getty

Dallas' Quarterback gibt gegen die Giants eine brillante Vorstellung. Lokalheld Ogletree macht den Ex-Shooting-Star vergessen.

Von Eric Böhm

München/East Rutherford - Vor acht Monaten schlich er noch wie ein geprügelter Hund von dem Feld des MetLife Stadiums.

Beim 24:17-Auftaktsieg seiner Dallas Cowboys bei den New York Giants (Spielbericht) hat sich Tony Romo nun für die Pleite am letzten Spieltag der vergangenen Saison revanchiert.

Der Quarterback lieferte gegen eine der stärksten Abwehrreihen der NFL eine großartige Leistung, die an die Glanzzeiten seines Aufstiegs zum Superstar erinnerte (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+).

"Ich werde jetzt nicht zu euphorisch. Es ist ein wichtiger Auswärtssieg bei einem Divisionskonkurrenten. Um unsere Ziele zu erreichen, reicht er aber nicht aus. Wir müssen weiter arbeiten", betonte Romo.

Romo ist gereift

Aussagen wie diese, machen die größere Reife des 32-Jährigen deutlich. Früher ließ er sich zu sehr von den Wellen der Öffentlichkeit mitreißen ( 608962 DIASHOW: Die Bilder des 1. Spieltages ).

Auch deshalb schwankte Romo oftmals zwischen vorschneller Zufriedenheit und zu viel selbstauferlegtem Druck, die so stolzen Cowboys im Alleingang endlich wieder in den Super Bowl führen zu müssen.

Darunter litten seine Leistungen seit der letzten Pro-Bowl-Nominierung 2009. Im höheren Alter und von den Kritikern fast schon abgeschrieben fand der einstige Sunny Boy plötzlich die richtige Mischung aus Gelassenheit und Konzentration.

"Seine Körpersprache und Führungsqualität war heute ausschlaggebend. Er hat auf und neben dem Feld an seine starke Vorbereitung angeknüpft. Tony hat eine Entwicklung durchgemacht", lobte Coach Jason Garrett.

Gegen alle Widrigkeiten

Die intensive Arbeit des Offensivspezialisten mit Romo in der Offseason hat sich gleich am 1. Spieltag ausgezahlt.

Im Endspiel um die Playoff-Teilnahme im Dezember 2011 entnervten New Yorks Quarterback-Jäger den Spielmacher. Diesmal schien der dreimalige Pro Bowler ein neuer Mensch zu sein.

Trotz einer desaströsen Interception in der ersten Hälfte, trotz einer völlig umformierten Offensive Line und trotz des faktisch nicht anspielbaren Tight Ends Jason Witten brillierte Romo (VORSCHAU: NFC East und NFC South).

"Er hält durch seine Beweglichkeit Spielzüge am Leben und hat gleichzeitig seine Augen auf potenziellen Anspielstationen", schwärmte Witten, der durch seinen Milzriss noch gehandicapt war.

Lob von Manning

Im Stile des legendären Fran Tarkenton - der Hall-of-Famer bediente Receiver aus den unmöglichsten Positionen - ließ er reihenweise gefürchtete Verteidiger wie Jason Pierre-Paul aussteigen und fand seine Teamkollegen.

Am Ende sprangen 307 Yards und drei Touchdowns heraus. Nur sieben seiner 29 Anspiele kamen nicht an. "Ich habe die Giants an meinen Fersen gespürt", sagte Romo.

Der zweimalige Super-Bowl-MVP Eli Manning wurde klar in den Schatten gestellt und musste zähneknirschend zugeben, dass "Tony gut gespielt hat. Er hatte den Sieg verdient."

Ogletree trumpft auf

Die beste Anlaufstelle des erklärten Lieblings von Teameigentümer Jerry Jones - einige Experten meinen, nur deshalb sei Romo noch in Dallas - war Überraschungsmann Kevin Ogletree.

In seiner bisherigen Karriere hatte der bis dato völlig unbekannte 25-Jährige ganze 25 Bälle gefangen und nur einen Touchdown erzielt.

Gegen die Giants drehte der Lokalmatador aus dem New Yorker Stadtteil Queens plötzlich auf. Er fing acht Pässe für 114 Yards und zwei herausragende Touchdowns - allesamt persönliche Bestmarken.

"Es ist natürlich sehr emotional für mich. Ich bin einfach nur dankbar. Tony hat großartig gespielt. Es war ein tolles Erlebnis", fasste Ogletree seine Coming-Out-Party zusammen.

Ersatz für Robinson

Neben der Offensive Line und der umformierten Verteidigung war im Vorfeld der Saison die Nachfolge der letztjährigen Entdeckung Laurent Robinson (2011: 11 Touchdowns) das größte Fragezeichen.

Es scheint, als könne Ogletree seinen nach Jacksonville abgewanderten Vorgänger mehr als nur ersetzen ( 530664 DIASHOW: Der NFL-Transfermarkt ).

"Speziell bei dem ersten Touchdown hat er sich gut in den freien Raum bewegt. Ich konnte fühlen, wo er hinlaufen würde", analysierte Romo den improvisierten Spielzug, der Dallas letztlich auf die Siegerstraße brachte.

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