Markus Kuhn (m.) ist neben Sebastian Vollmer der zweiter Deutsche in der NFL © imago

Einst tingelte Markus Kuhn mit Vater Wolfgang und Highlight-DVD auf Bewerbungstour durch die USA. Nun steht er vor dem NFL-Debüt.

New York - Es war eine gehörige Portion Unwissenheit gepaart mit einem Hauch Ahnungslosigkeit, die Markus Kuhns Football-Märchen wahr werden ließen.

2006 flog der deutsche Amateurspieler aus Weinheim ohne echten Plan mal eben über den großen Teich.

Ein Stipendium an einer US-Universität war sein großer Traum.

"Zum Glück", sagt Kuhn heute, "waren wir ignorant genug, um nicht zu verstehen, was für eine große Sache Hochschul-Football in den USA ist. Andernfalls wäre ich wohl nicht hier." (VORSCHAU: AFC North und AFC West)

Angekommen im Football-Mekka

Hier, das ist das Football-Mekka NFL. Hier, das ist die Star-Truppe des Super-Bowl-Champions New York Giants.

Wenn am Mittwoch (20.30 Uhr Ortszeit) in New York die neue NFL-Saison mit dem Duell des Titelverteidigers gegen Erzrivale Dallas Cowboys startet, wird der Defensive Tackle wohl als erst dritter deutscher Feldspieler in der besten Football-Liga der Welt debütieren.

Klinkenputzen für den Traum

Vor sechs Jahren war daran allerdings noch nicht zu denken. Sein amerikanischer Traum begann für den heute 26-Jährigen mit Klinkenputzen.

Mit einer DVD seiner besten Szenen im Gepäck und seinem Vater Wolfgang flog Markus Kuhn damals nach Washington, tingelte an der Ostküste von Hochschule zu Hochschule.

Mit den Worten "Tag, hier bin ich. Kann ich mal mit den Trainern sprechen", habe er sich an den diversen Universitäten vorgestellt. "Sehr blauäugig" seien sie damals gewesen, sagte Kuhn junior dem "Mannheimer Morgen": "Die Leute dort waren viel zu nett, um uns auszulachen."

Stipendium ergattert, im Draft gezogen

Der 140 kg- und 1,93 m-Koloss bekam schließlich an der North Carolina State University in Raleigh ein Football-Stipendium.

Im vergangenen Jahr machte Kuhn, der drei Sprachen spricht und in der German Football League für die Weinheim Longhorns spielte, seinen Abschluss in Betriebswirtschaft.

Ende April wurde er von den Giants um Star-Quarterback Eli Manning in Runde sieben gedraftet. (VORSCHAU: AFC East und AFC South)

Platz im Meister-Kader erkämpft

In der Sommer-Vorbereitung erkämpfte sich Kuhn schließlich einen Platz im endgültigen Saison-Kader des Meisters.

"Er hat erst spät mit Football begonnen und muss noch viel lernen", sagt Giants-Geschäftsführer Jerry Reese, "aber er ist ein Trainings-Fanatiker - groß, stark, zäh. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen. Er ist wie eine Kreissäge."

Kreissäge muss noch justiert werden

Die allerdings muss noch justiert werden. Talent habe Kuhn, sagt Trainer Tom Coughlin, Willen und Ehrgeiz auch. Was Kuhn fehlt, ist die Erfahrung.

Erst als Teenager fing er mit dem Football an, zuvor spielte er Fußball. Der Sinneswandel kam im Familien-Urlaub in Florida, als der damals 14-Jährige zwischen Besuchen in Disney World und am Strand im Fernsehen Football für sich entdeckte.

"Da wusste ich: Den Sport muss ich machen", sagt Kuhn. Warum, das kann sein Vater Wolfgang beantworten: "Markus war immer mehr an Zweikämpfen mit dem Gegner als am Ball interessiert."

Auf Schwarzeneggers Spuren

Bei seinen Teamkollegen hat der Neuling schon Eindruck hinterlassen. ( 530664 DIASHOW: Der NFL-Transfermarkt )

Den "Terminator" nennen sie ihn - allerdings eher wegen seines an Arnold Schwarzenegger erinnernden Akzentes.

Und sollte Markus Kuhn am Mittwoch doch noch nicht zu seinem Debüt-Einsatz kommen, wird er nicht aufgeben. Eben wie der Terminator.

Der wurde auch mit jedem Mal besser.

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