Die Pittsburg Steelers treffen erstmals am 18. November auf die Baltimore Ravens © getty

Die ewigen Rivalen Ravens und Steelers kämpfen erneut um die Krone der AFC North. Peyton Manning will die AFC West erobern.

Von Eric Böhm

München - Es ist angerichtet: Die nächste Runde im ewigen Duell um die Vorherrschaft in der wohl härtesten Division der NFL kann beginnen.

Erneut werden die Pittsburgh Steelers mit den Baltimore Ravens um die Krone streiten. 2011 setzten sich die Ravens durch und sind das einzige Team, das in den vergangenen vier Jahren immer die Playoffs erreichte.

Der sechsmalige Super-Bowl-Champion aus Pittsburgh will den Spieß nun wieder umdrehen. Grundlage dafür sind die traditionell beinharte Abwehr und Quarterback Ben Roethlisberger.

"Wir haben im Angriff einiges umgestellt, aber die Defense ist nach wie vor Spitze. Wir sind bereit Baltimore herauszufordern", tönt "Big Ben". (VORSCHAU: AFC East und AFC South)

Pleite gegen Tebow schmerzt

Vor allem die peinliche Overtime-Niederlage gegen Tim Tebows haushoch unterlegende Denver Broncos motivierte die stolzen Steelers in der Offseason.

Die beste Verteidigung der NFL verlor nur zwei Starter, wurde aber mit talentierten Rookies verstärkt. Die Safeties Ryan Clark und Troy Polamalu sind zudem endlich wieder beschwerdefrei.

Nachwuchs als Glücksbringer?

Ein gutes Omen ist die Geburt von Defensive End Brett Keisels drittem Kind. Als die beiden ersten Kinder zur Welt kamen, erreichte Pittsburgh danach den Super Bowl. "Der Trend wird hoffentlich weitergehen", sagt Keisel.

Die Ravens und auch die Cincinnati Bengals haben etwas dagegen. Im Westen steht die Ankunft von Peyton Manning bei den Denver Broncos im Mittelpunkt.

Vor dem Saisonstart in der Nacht auf Donnerstag blickt SPORT1 auf die Divisionen AFC North und AFC West.

AFC North

Keine andere Division stellte in der vergangenen Spielzeit drei Playoff-Teilnehmer. Das Niveau dürfte sich nicht verschlechtern.

Die Steelers-Offensive soll der neue Coordinator Todd Haley in Schwung bringen. Der Ex-Trainer der Kansas City Chiefs bringt ein neues System mit, das den Lauf stärken soll.

Genau dort liegt jedoch das Problem: Running Back Rashard Mendenhall ist nach wie vor nicht fit. Das gilt auch für seine Backups Isaac Redman und Jonathan Dwyer.

Demnach wird Roethlisberger im Mittelpunkt stehen. In Mike Wallace, Antonio Brown und Emmanuel Sanders hat er extrem schnelle Receiver zur Verfügung.

"Es ist natürlich schwierig, nach neun Jahren einen neuen Angriff zu lernen, aber es läuft schon ganz gut", betont Roethlisberger.

Wallace tritt in Streik

War es für den Quarterback endlich einmal eine ruhige Sommerpause, sorgte plötzlich seine Lieblingsanlaufstelle Wallace für Aufsehen.

Weil die Steelers seinen Vertrag nicht nachverhandeln wollten, trat er kurzerhand in den Streik ("Holdout"). ( 530664 DIASHOW: Der NFL-Transfermarkt )

Inzwischen ist der 26-Jährige zwar wieder im Training, aber die letzte Motivation und Risikobereitschaft könnten fehlen, schließlich läuft sein Kontrakt nur noch für die kommende Saison.

Defense auch ohne Suggs der Schlüssel

Dank ihrer aggressiven und konstanten Verteidigung - 2011 kamen zehn von 18 Gegnern nicht über 16 Punkte hinaus - bleiben die Ravens ein ernsthafter Konkurrent.

Der Achillessehnenriss von Terrell Suggs, dem besten Abwehrspieler der vergangenen Saison, reißt eine Lücke, die Rookie Paul Kruger stopfen soll.

Diese erzwungene Umstellung bringt der gefürchteten Einheit um Ray Lewis und Ed Reed aber auch frisches Blut.

"Paul ist ein herausragender junger Spieler. Wir werden in Zukunft viel Freude an ihm haben", lobt Linebacker-Kollege Lewis.

Flacco vor dem nächsten Schritt

Im Angriff macht Quarterback Joe Flacco einen sehr guten Eindruck und scheint bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Dazu kommt die Allzweckwaffe Ray Rice. Der Pro Bowler ist trotz seiner geringen Körpergröße ein ungeheuer dynamischer Läufer, der im Laufe eines Spiels immer besser wird.

Bengals wollen in den Super Bowl

Heimlich, still und leise schlichen sich die Bengals mit einer jungen Truppe im Vorjahr in die Playoffs.

Der Angriff um das Super-Duo Andy Dalton und A.J. Green - beide wurden als Rookies für den Pro Bowl nominiert - erhielt mit Running Back BenJarvus Green-Ellis (aus New England) Verstärkung.

Neben den ersten aufeinanderfolgenden Saisons mit positiver Bilanz seit 1982 ist ein noch viel höheres Ziel anvisiert. "Wir tragen die 'Destination New Orleans' Shirts nicht umsonst. Wir wollen in den Super Bowl", stellt Dalton klar.

Neuaufbau in Cleveland

Bei den Cleveland Browns sind solche Aussagen nicht zu erwarten. Das Traditionsteam baut neu auf und legt sein Schicksal in die Hände eines Ex-Baseballspielers.

Der 28-jährige Brandon Weeden wurde in der ersten Runde gedraftet und soll das seit Jahren bestehende Quarterback-Problem lösen.

Im Verbund mit Running Back Trent Richardson, einem der besten College-Spieler der letzten Jahre, soll er die Browns aus dem Dornröschenschlaf wecken.

AFC West

Im wilden Westen der AFC hatte zuletzt eine Regel Bestand: Die San Diego Chargers sind der Topfavorit, die Division gewinnt aber ein Außenseiter.

Mit der Ankunft des viermaligen MVPs Peyton Manning in Denver gehörten die Preseason-Schlagzeilen aber plötzlich den Broncos. (BERICHT: Mastermind Manning hofft auf zweiten Frühling)

Teampräsident- und Legende John Elway komplimentierte Fanliebling Tim Tebow nach New York und bekam endlich einen Spielmacher nach seinem Gusto.

Hilfe für Hoffnungsträger Manning

Ob der ewige Colts-Star seine Nackenprobleme voll im Griff hat, wird sich gleich zum Saisonstart gegen Pittsburgh zeigen.

Das gute Laufspiel mit Willis McGahee und Rookie-Geheimtipp Ronnie Hillman sollte ihm ebenso helfen wie die Anspielstationen Demaryius Thomas, Eric Decker und der alte Weggefährte Brandon Stokley.

Die Abwehr um den letztjährigen Top-Neuling Von Miller muss sich nicht verstecken, aber der Spielplan ist zu Beginn brutal. Sechs der ersten acht Gegner waren im vergangenen Jahr Playoff-Teams.

Chargers gegen Start-Dilemma

Für die Chargers wird es darauf ankommen, endlich einen guten Start zu erwischen. Zuletzt gehörten sie am Ende immer zu den besten Teams, konnten aber ihren Rückstand nicht mehr aufholen.

Tight End Antonio Gates und Running Back Ryan Mathews sind topfit und werden Quarterback Philip Rivers unterstützen. Der neue Receiver Robert Meacham soll Vincent Jackson ersetzen.

Fitte Chiefs als lachender Dritter?

Die Kansas City Chiefs hoffen auf das ende ihre Seuche. Bei keiner Mannschaft landeten 2011 so viele Schlüsselspieler im Lazarett.

Nun sind Safety Eric Berry, Quarterback Matt Cassel und Running Back Jamaal Charles wieder da. Der neuverpflichtete Peyton Hillis macht Charles mächtig Konkurrenz.

Mit ihrem tief besetzten Kader könnten die Chiefs der lachende Dritte werden.

Raiders auf Sparkurs

Die Oakland Raiders mussten dagegen sparen. Der neue Manager Reggie McKenzie konnte aufgrund der vielen Altlasten kaum namenhafte Neuzugänge präsentieren.

Immerhin steht Running Back Darren McFadden wieder zur Verfügung. Der einzige echte Star der "Piraten" trägt die Hauptlast. Denn Quarterback Carson Palmer schwankt regelmäßig zwischen Kreis- und Weltklasse.

"Es gibt sicher noch viel Arbeit. Wir haben einige Puzzleteile, aber dieser Aufbau braucht Zeit", warnte Dennis Allen, der mit 39 Jahren jüngste Coach der NFL.

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