Die New Orleans Saints gewannen nach der Saison 2009 Super Bowl XLIV © getty

Die Liga deckt in New Orleans ein minutiös geplantes Belohnungsprogramm für die Jagd auf Kontrahenten auf. Alle wissen Bescheid.

Von Eric Böhm

München - Die Katze ist aus dem Sack!

Hinter vorgehaltener Hand wurde schon lang darüber spekuliert: In der NFL erhalten Verteidiger Prämien für Verletzungen, die sie gegnerischen Spielern zufügen.

Zumindest wurde diese Praxis bei den New Orleans Saints jahrelang betrieben. Eine Untersuchung durch die Liga brachten das augeklügelte Prämiensystem von Defensive Coordinator Gregg Williams ans Licht.

"Es liegt in unserer Verantwortung, die Spieler und die Integrität unseres wunderbaren Sports zu schützen. So ein Verhalten kann nicht toleriert werden", sagte Commissioner Roger Goodell.

Bis zu 50.000 Dollar

Offenbar gab es in den vergangenen drei Jahren einen Pool aus dem bis zu 50.000 Dollar gezahlt wurden, wenn Kontrahenten ein Spiel nicht beenden konnten.

Die höchsten "Kopfgelder" wurden während der Saison 2009 unter anderem auf NFL-Legende Brett Favre ausgesetzt, wenig später gewannen die "Scheinheiligen" Super Bowl XLIV - im NFC-Finals schlugen sie Favres Minnesota Vikings.

Saints-Linebacker Jonathan Vilma habe laut "SI.com" persönlich 10.000 Dollar für Favre ausgelobt.

"Mich juckt das nicht. Das ist Football. Ich halte jetzt nicht weniger von den Jungs", sagte der ehemalige Quarterback, der damals viel einstecken musste.

Gestaffeltes System

Die Ermittler deckten eine minutiös gestaffelte Tabelle auf. Demnach brachte ein temporärer Knockout 1.500 Dollar, während es für einen sogenannten "Cart-Off" immerhin noch 1.000 Dollar "Belohnung" gab.

Wie der makabre Name schon andeutet, muss dabei der verletzte Akteur auf dem Kart vom Spielfeld transportiert werden.

Favres Berater sieht sich bestätigt

In den Playoffs wurden die Gelder sogar noch erhöht. Die Liga erklärte, dass zwischen 22 und 27 Spielern an dem Programm beteiligt waren, das von Williams eingeführt worden war.

Seine Verteidiger und Williams selbst zahlten in den gemeinsamen Pool ein, der darüber hinaus auch legale Prämien für Sacks, Interceptions und Fumbles enthielt.

"Es war damals schon ziemlich offensichtlich, dass sie Brett ausknocken wollten. Eine woche zuvor war es mit Kurt Warner dasselbe gewesen. Einige Leute hatten zu diesem Zeitpunkt schon so etwas vermutet", meinte Favres Berater Bus Cook.

Bennett ist heiß

Damals begann auch die Liga mit ihrer Untersuchung. "Wir haben daraufhin viele Spieler und Verantwortliche befragt. Alle bestritten eine solche Praxis", betonte Goodell.

"In der vergangenen Saison bekamen wir neue Hinweise und nahmen die Ermittlungen wieder auf", ergänzte der NFL-Boss ( 515732 DIASHOW: Die Bilder des Super Bowl XLVI ).

Receiver Earl Bennett von den Chicago Bears spricht gegnerischen Spielern wohl aus dem Herzen: "Ich hoffe wir treffen bald auf sie. Dann wird ausgeteilt."

Ihn hatte Saints-Safety Roman Harper am zweiten Spieltag der Saison 2011 mit einem harten Hit für fünf Wochen außer Gefecht gesetzt.

Head Coach Payton verstrickt

Als Teameigentümer Tom Benson von diesen Praktiken erfuhr, verlangte er von Manager Mickey Loomis das "Bounty Program" umgehend einzustellen.

Loomis unternahm nichts, denn auch Head Coach Sean Payton wusste von den Vorgängen und tolerierte sie.

"Ich möchte mich in aller Form für meine Beteiligung bei den Saints, Mr. Benson und der NFL entschuldigen. Es war ein furchtbarer Fehler", sagte Williams, der aktuell bei den St. Louis Rams arbeitet.

Lange Tradition

Ganz neu ist diese Enthüllung freilich nicht. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Gerüchte über Prämien für verletzte Kontrahenten.

Der notorisch anfällige Joe Montana soll einst bei vielen Teams auf der schwarzen Liste gestanden haben. 1989 warf der damalige Cowboys-Coach Jimmy Johnson den Philadelphia Eagles vor, sie hätten ein Kopfgeld auf seinen Quarterback Troy Aikman ausgesetzt.

Auch Williams ist kein Ersttäter. Der für seine aggressive Abwehrstrategie bekannte Assistenztrainer hatte ein ähnliches Programm schon bei den Washington Redskins geleitet - dort war er zwischen 2004 und 2007 tätig.

"Es gab Prämien für 'Kill Shots', aber es war immer im Kontext eines guten, harten Spiels. Er hat uns nie gesagt, wir sollten einem Spieler das Genick oder ein Bein brechen", nahm Philip Daniels seinen ehemaligen Chef bei der "Washington Post" nicht wirklich in Schutz.

Harte Sanktionen drohen

Den Saints drohen nun harte Strafen, denn Goodell hat seinen Ruf als harter Hund schon mehrfach mit empfindlichen Sanktionen untermauert.

Erschwerend kommt hinzu, dass im neuen Tarifvertrag jegliche Art von Prämien außerhalb des Spielervertrages streng verboten sind - ganz zu schweigen von der fast heiligen Prämisse, die Gesundheit der Akteure schützen zu wollen.

Goodell stellte den Saints vorab schon empfindliche Geldstrafen, Sperren und den Verlust von Draftpicks in Aussicht.

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