Steve Ballmer wird wohl der neue Boss der L.A. Clippers. Die teuersten Teams im US-Sport ZUM DURCHKLICKEN © getty

Steve Ballmer gewinnt das Wettbieten um die L.A. Clippers. Shelly Sterling ist happy. Lässt Donald Sterling den Deal platzen?

Von Eric Böhm

München - Einen Pferdekopf hatte Shelly Sterling nicht im Bett.

Das Angebot für die Los Angeles Clippers war aber auch ohne Mafia-Überredungsmethode wie im Kino-Klassiker "Der Pate" überzeugend.

Die Ehefrau des Eigners Donald Sterling hat bereits eine Vereinbarung über den Verkauf an den früheren Microsoft-Boss Steve Ballmer unterschrieben. Demnach zahlt Ballmer zwei Milliarden Dollar (ca. 1,47 Milliarden Euro) für das Team.

"Ich bin glücklich, dass wir das Team an Steve verkaufen. Er wird ein fantastischer Besitzer. Wir haben 33 Jahre dran gearbeitet, die Clippers zu einem Topteam der NBA zu machen. Steve wird sie auf das nächste Level heben", sagte Shelly Sterling. (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Einen kleinen Haken gibt es jedoch.

Magic Johnson gratuliert

Der Einigung hat die NBA bereits zugestimmt, Ballmer fühlt sich "geehrt", wie er in einem Statement mitteilte (SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen).

Dodgers-Mitbesitzer Magic Johnson gratulierte per Twitter:

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Neben der Zustimmung durch 75 Prozent der anderen NBA-Eigentümer, ist das Verwirrspiel um Donald Sterling die letzte Hürde für den zweitgrößten Deal in der Historie des US-Sports.

Die teuersten Teams der vier großen Ligen:

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Donald Sterling gibt Rätsel auf

Wegen des Rassismus-Skandals um ein mitgeschnittenes Gespräch wurde Donald Sterling von der Liga lebenslang gesperrt und beauftragte seine in Trennung lebenden Frau Shelly mit dem Verkauf.

Zuletzt hatte der 80-Jährige dann aber überraschend angekündigt, bis zum "blutigen Ende" kämpfen zu wollen, wie sein Anwalt bestellen ließ.

Wie "ESPN" berichtet kann Shelly Sterling den Kauf aber allein abwickeln, da Experten ihren Mann unlängst für "mental unfähig" erklärt hätten, die Geschicke der Sterling-Stiftung zu leiten.

Anwalt widerspricht Verkauf

Diese Organisation ist der formelle Eigentümer der Clippers und sieht auch im Falle einer faktischen Entmündigung keine Anhörung vor Gericht vor.

Deshalb konnte Shelly Sterling mit Ballmer und der Liga verhandeln. Von Donald Sterling gab es bisher noch keine Reaktion.

Inzwischen bestätigte die Familie, dass der 80-Jährige schon seit "drei bis fünf Jahren" an Alzheimer leidet. Ursprünglich sollte die Erkrankung nicht als Verkaufsgrund herangezogen werden.

"Ohne Donalds Unterschrift gibt es keinen Verkauf", sagte aber einer seiner Anwälte Bobby Samini der "L.A. Times" (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Gewaltige Steuern

Die Aussicht, nach der Anhörung am 3. Juni keine Kontrolle über den Verkauf zu haben, beschleunigte das Handeln von Shelly Sterling. Die riesige Summe dürfte nicht unerheblich dazu beigetragen haben.

Donald Sterling hatte die Clippers 1981 für 12,5 Millionen Dollar gekauft, deshalb würden bei diesem Deal etwa 660 Millionen an Kapitalertragssteuer fällig werden.

Am Ziel seiner Träume

Der reine Wert der Clippers wird auf 550 Millionen Dollar taxiert. Für Ballmer ist der Coup aber wesentlich wertvoller.

Schon während seiner Zeit an der renomierten Harvard Universität zeigte der heute 58-Jährige seine Begeisterung für Sport und arbeitete als Zeugwart des Football-Teams.

1980 wurde er unter Bill Gates der 30. Mitarbeiter von Microsoft und war entscheidend am Aufstieg des Unternehmens zum Software-Giganten beteiligt. Seit 2000 war er der Boss, verpasste aber am Ende einige wichtige Trends (mobile Musik, Tablets) und hörte im Februar auf.

Geffen und Hill distanziert

Sein Vermögen wird auf 20,3 Milliarden Dollar geschätzt. Im vergangenen Jahr wollte er mit einigen Partnern bereits die Sacramento Kings erwerben und nach Seattle umsiedeln.

Sein Gebot für die Clippers lag deutlich über jenen des Musikmoguls David Geffen (1,6) und der Gruppe um den ehemaligen NBA-Star Grant Hill (1,2).

Die NBA würde sich damit einen potenziellen Rechtsstreit ersparen, nicht zuletzt deshalb werden die anderen Eigner wohl zustimmen.

Ballmer will "große Siege"

Ballmer hat schon angekündigt, das Team in L.A. belassen zu wollen und dürfte mit seinem Temperament und der Begeisterungsfähigkeit eine Bereicherung für die Liga werden.

Sein Engagement für das gescheiterte Seattle-Projekt beweist, Ballmer hat keine Angst zu investieren. Er will "große Siege" einfahren. Wenn diesen Worten auch Taten folgen, braucht er auch bei Coach Doc Rivers sowie den Topstars Blake Griffin und Chris Paul keinen Pferdekopf.

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