Das Playoff-Aus in Miami deckt die Schwächen der Nets auf. Nicht nur exorbitante Kosten lassen am Prochorow-Plan zweifeln.

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Von Eric Böhm

München - Der Machtwechsel ist ausgeblieben.

Die mit hochfliegenden Plänen und noch mehr Russen-Dollars ausgestatteten Brooklyn Nets waren ausgezogen, Meister Miami Heat das Fürchten zu lehren und sie als neues Glitzerteam der NBA abzulösen (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Das ernüchternde 1:4 in der zweiten Runde der Playoffs hat dem milliardenschweren Eigentümer Michail Prochorow aber die Realität eindrucksvoll vor Augen geführt (Bericht). Der Saison-Sweep gegen den Champ blieb brotlose Kunst.

Angesichts gigantischer Gehälter in Höhe von 189 Millionen Dollar - inklusive Luxussteuer - verkommt sein Starensemble zum Millionengrab.

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Was wird aus Garnett?

Mehr noch: Der Dreijahresplan "Titel 2015" ist akut gefährdet. Denn die letztlich ungenügende Saison des mit Abstand teuersten Teams der Liga wirft einige Fragen auf.

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Da wäre zunächst das Alter. Allein fünf Spieler der Playoff-Rotation sind über 30 Jahre alt. Vor allem Kevin Garnett und Andrei Kirilenko bewiesen, dass ihre glanzvollen NBA-Karrieren vor dem Ende stehen.

"Die Emotionen sind im Moment sehr stark. Wir müssen schwere Entscheidungen treffen", sagt Paul Pierce.

Pierce vor Absprung nach L.A.

Er hat zwar nach eigener Aussage noch "ein, zwei Jahre im Tank", würde ohne Garnett aber wohl kaum in Brooklyn bleiben.

Es wird bereits über einen Wechsel des Free Agents zu seinem alten Coach Doc Rivers und den L.A. Clippers spekuliert. Garnett hat noch ein Jahr Vertrag, dürfte aber nach seiner schwächsten Saison zum Rücktritt tendieren.

Die erhoffte Winner-Mentalität konnten beide dem Team nicht einimpfen, das nach einem desaströsen Start aber immerhin noch die Playoffs erreichte und mit Mühe und Not Toronto in Runde 1 eliminierte (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

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Williams enttäuscht

Natürlich fehlte Center Brook Lopez nach seiner erneuten Fuß-OP, aber ein solcher Kader hätte im schwachen Osten weit mehr als 44 Siege erreichen müssen.

Von Rookie-Coach Jason Kidd hatten sich Prochorow und Manager Billy King mehr versprochen. Mit seiner Spieler-Erfahrung und Aura sollte er Deron Williams zum besten Point Guard der Liga formen.

Stattdessen lieferte der All-Star seine mit Abstand schwächste Saison, seit er es 2005 als unbedarfter Neuling ins Team der Utah Jazz schaffte.

Nicht mehr unumstritten

Etwas mehr als 14 Punkte und sechs Assists im Schnitt sind für seine Ansprüche und fast 20 Millionen Dollar Jahresgehalt zu wenig. Gegen die Heat tauchte er dreimal komplett und in Spiel 5 in der Endphase ab.

"Ich habe nicht meine beste Saison oder Serie gespielt, aber wir gewinnen und verlieren als Team. Die Heat waren einfach besser. Das müssen wir akzeptieren", meint "D-Will".

Nach dreieinhalb eher holprigen Jahren, vielen Verletzungsproblemen und dem näher rückenden 30. Geburtstag ist er längst nicht unumstritten, aber wer will sich schon die noch ausstehenden 63 Millionen aufladen ( 887073 DIASHOW: Die Bilder der 2. Playoff-Runde ).

Große Sprünge sind ausgeschlossen

Über weite Strecken stellte Williams Backup Shaun Livingston in den Schatten, der allerdings im Sommer Free Agent wird.

Denn das zweite große Problem der Nets ist die Gehaltsliste. Aktuell steht sie für 2014/15 mit knapp 90 Millionen schon etwa 30 über dem prognostizierten Salary Cap. Selbst ohne Garnett sind große Sprünge ausgeschlossen.

Frisches Blut müsste über Trades in den Kader kommen. Ein Joe Johnson allein wird es mit fast 33 Jahren nicht richten können. Dass er als bester Akteur in Spiel 5 nicht einmal einen letzten Wurf losbekam, sprach Bände.

Ob Lopez nach einer weiteren längeren Zwangspause noch zum dringend benötigten "Clutch Player" für die entscheidenden Momente werden kann, ist fraglich. Zu Kidds noch recht erfolgreichem Small Ball des Frühjahrs passt er ohnehin nicht.

Draftpicks verschleudert

Ein NBA-gestählter Coach als zweiter Mann würde ihm guttun. Denn der in New York ohnehin hohe Erfolgsdruck dürfte gewaltig steigen.

Das hohe Risiko mit dem Motto "Win Now" lässt zudem die mittelfristige Zukunft düster erscheinen - nicht nur weil Prochorow einmal die Lust am Schreiben dicker Schecks verlieren könnte.

Die Draftpicks der ersten Runde gehören 2014, 2016 und 2018 den Boston Celtics, die 2017 ihr Auswahlrecht zudem mit dem der Nets tauschen können. Dieses Recht haben 2015 die Atlanta Hawks. Auch drei der nächsten vier Zweitrundenpicks sind weg.

Klappt es im kommenden Jahr nicht, könnte die Nets im schmucken Barclays Center die eigentlich in New Jersey zurückgelassene Tristesse sehr schnell wieder einholen.

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