Erneut werden die L.A. Clippers in den Playoffs benachteiligt. Rivers redet sich in Rage. Die NBA-Transparenz wird zum Boomerang.

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Von Eric Böhm

München - Doc Rivers ist eigentlich ein ausgeglichener Mensch.

Der Stress der emotional auszehrenden Wochen um seine Los Angeles Clippers hat em Nervenkostüm des Coaches jedoch arg zugesetzt, wie die wilde Endphase des verlorenen West-Halbfinals 5 in Oklahoma City (Bericht) zeigte.

Gleich drei extrem fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen gegen sein Team in den letzten elf Sekunden ließen den Vulkan Rivers explodieren (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Ihr wisst, dass es totaler Mist war. Wir wurden beraubt. Jeder weiß, das wäre unser Ball gewesen. Dieser Pfiff kann die gesamte Serie entscheiden", polterte Rivers auf der Pressekonferenz.

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Rivers: "Videobeweis abschaffen"

Als hätten die Clippers zuletzt mit dem Fiasko um die rassistischen Beleidigungen ihres lebenslang gesperrten Eigentümers Donald Sterling nicht schon genug ertragen müssen.SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen

Die beste Saison der Teamgeschichte ist durch den peinlichen Privatfeldzug Sterlings gegen Magic Johnson ohnehin schon mit einem Schatten belegt.

Dass sich jetzt aber auch noch die NBA-Referees gegen seine Jungs verschworen haben, war für den Meistertrainer von 2008 schlicht zu viel. Der Frust musste raus.

"Dann können wir den Videobeweis auch wieder abschaffen. Das war eine brutal schlechte Entscheidung. Es hat uns das Spiel gekostet, und es war nicht das erste Mal", redete sich Rivers in Rage. Eine empfindliche Geldstrafe droht ihm für die verbotene Kritik.

Klare Fehlentscheidung gegen Clippers

Aber was war überhaupt passiert? Ein nicht gegebenes Foul des Clippers Matt Barnes an Oklahomas Reggie Jackson beim Stand von 104:102 für die Gäste war der Auslöser (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Die Schiedsrichter übersahen das Foul, gaben aber Einwurf für OKC, obwohl ganz klar Jackson als letzter Mann am Ball war. Auch nach Betrachtung der Zeitlupe blieben die Schiris bei ihrer Ansicht.

"Es war klar zu sehen. Aber sie haben gemerkt, dass es eigentlich ein Foul war, was sie aber nicht zurücknehmen können", vermutete Rivers eine Konzessionsentscheidung.

"Aus unseren Winkeln in der Wiederholung konnten wir es nicht zweifelsfrei entscheiden. Deshalb blieb es bei dem auf dem Feld gemachten Call", sagte Schiedsrichter Tony Brothers.

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Paul zweimal Leidtragender

Kurz darauf bekam Chris Paul ein kleinliches Foul an Russell Westbrook, der von der Freiwurflinie zum Endstand traf - auch weil Paul in der letzten Aktion des Spiels ein Foul verweigert wurde ( 887073 DIASHOW: Die Bilder der 2. Playoff-Runde ).

"Natürlich haben wir vorher eine Komödie voller Fehler aufgeführt, aber wir hatten trotzdem das Recht auf den Sieg", bezog sich Rivers auf den zuvor verspielten Vorsprung.

Nicht zum ersten Mal wurde sein Team in den Playoffs in den Schlusssekunden einer Partie benachteiligt.

Wieder Clippers benachteiligt

In Spiel 1 der ersten Runde gegen die Golden State Warriors gab es eine ähnliche Aktion mit für die Clippers vertauschten Rollen.

Damals bekamen die Clippers bei einem nicht gegebenen Foul an Paul auch nicht den Ball und verloren. Später gab die NBA dann ihren Fehler offiziell zu.

Darauf angesprochen wurde Rivers nur noch wütender: "Ich werde für die Liga die Mitteilung schreiben. Es war eine Fehlentscheidung. Das wird die Mitteilung sein."

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Neue Linie bringt wenig

Genau diese vom neuen NBA-Boss Adam Silver verfolgte Linie der "größeren Transparenz" bei Schiedsrichterentscheidungen wird allmählich zum Boomerang.

In den Playoffs gab die Liga bereits mehrfach - unter anderem zweimal zwischen Portland und Houston - falsche Pfiffe im Nachhinein zu und schwächt damit die Position ihrer Referees, die in einen Teufelskreis geraten.

"Sie wissen doch, dass sie mit jeder öffentlich breitgetretenen Entschuldigung der Liga von Spiel zu Spiel mehr unter Druck stehen. Dann machst du genau wie ein Spieler mehr Fehler", sagte Ex-Profi und TV-Experte Tim Legler schon während Runde 1.

Trotzreaktion oder Aus?

Die Leitung eines Playoff-Spiels ist sowieso kein Traumjob, aber diese gutgemeinte Offenheit der NBA hat den Leistungen eher geschadet als genutzt - ganz zu schweigen von noch mehr Beschwerden durch Spieler, Coaches und Fans.

Die Situation der Clippers ist angesichts de sensiblen Sterling-Themas noch heikler. In diesem Rampenlicht wollen die Schiris alles noch genauer machen und tendieren vielleicht unterbewusst zu Entscheidungen gegen L.A., um Neutralität zu demonstrieren.

Vielleicht wenden Paul und Co. mit der in solchen Situationen gerne beschworenen Mentalität "Wir gegen den Rest der Welt" doch noch das Blatt (Spiel 6, Fr., ab 4.30 Uhr LIVESCORES).

Falls nicht, wurde einem hochtalentierten Team tatsächlich eine Chance auf den NBA-Titel geraubt.

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