Dirk Nowitzki (r.) ist bedient, seine Mavs finden vor allem gegen Tony Parker keine Mittel © getty

Parker nutzt seinen Adrenalin-Rausch, Duncan nennt den Franzosen eine "Drama-Queen". Nowitzkis Gala verpufft im Abwehr-Chaos.

[kaltura id="0_62xbpvhe" class="full_size" title=""]

Von Florian Pertsch

München - Adrenalin ist etwas ganz Feines.

Das im Nebennierenmark produzierte Stresshormon ist in Extremsituation dafür zuständig, zusätzliche Energiereserven bereitzustellen, Müdigkeit auszublenden und die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen.

Ursprünglich zum Einsatz gekommen im Kampf Mensch gegen Natur, hilft Adrenalin zum Beispiel auch in einer NBA-Playoffs-Serie gegen die Dallas Mavericks ganz vorzüglich (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Parker läuft zu Hochform auf

Spurs-Aufbauspieler Tony Parker profitierte in Spiel fünf vom körpereigenen Aufputschmittel und führte San Antonio im Adrenalin-Rausch mit 23 Punkten zum 109:103-Erfolg gegen Dirk Nowitzkis Mavs.

Ausgelöst wurde der Effekt durch die Geburt von Parkers erstem Kind vor Spiel fünf.

Sohn Josh hielt den französischen Nationalspieler die ganze Nacht wach und ließ den Aufbauspieler sogar die lästige Knöchelverletzung ausblenden.

"Ich bin ein sehr glücklicher Mann. Ich habe nicht geschlafen, Josh kam sehr, sehr spät in der Nacht. Ich habe die komplette Partie auf Adrenalin gespielt", erklärte Parker, der sich damit als dritter Spieler der Playoff-Serie über Nachwuchs freuen darf ( 878128 DIASHOW: Die Bilder der 1. Playoff-Runde ).

Nach Spiel eins kam Manu Ginobilis drittes Kind Luca auf die Welt, kurze Zeit später flitzte Maverick Shawn Marion mit dem Privatjet von Besitzer Mark Cuban direkt nach Spiel zwei nach Chicago zu seiner Gattin.

Duncan mit speziellem Humor

Headcoach Gregg Popovich nannte Parkers Leistung "außerordentlich" und sah sich in seiner Forderung, Parker müsse in jedem Fall mindestens 25 Würfe nehmen, bestätigt.

Tim Duncan, Parkers Teamkollege und Freund seit 13 Jahren, hatte ein ganz besonderes Kompliment für den Franzosen.

"Er ist eine echte Drama-Queen", erklärte der 38-Jährige trocken: "Kein Schlaf, viel Stress - in solchen Situationen bringt er seine besten Leistungen. Ich habe das quasi von ihm erwartet."

Nach einem Spinmove und zehn Punkten im ersten Viertel waren dann auch die Sorgen über den Knöchel wie weggeblasen ( 877710 DIASHOW: Mavs vs. Spurs im Head-to-Head ).

"Nach dieser Aktion hatte ich vollstes Vertrauen, dass der Knöchel auch bei hoher Geschwindigkeit halten wird", zeigte sich Parker erleichtert.

"Das war der Killer"

Nach der Leistungsexplosion im ersten Viertel setzte der Aufbauspieler im Schlussabschnitt noch einmal zum großen Finish an.

Einen Fehlwurf Nowitzkis konterte der Franzose kurz vor dem Ende mit seinem Dreier zum 101:94 und sorgte so für die Vorentscheidung in Spiel 5.

"Das war der Killer", gab Nowitzki frustriert zu Protokoll: "Tony hat diesen gut verteidigten Wurf getroffen, damit muss ich leben. Danach war das Spiel durch."

Die Niederlage war abgesehen von der gedrehten Serie - von 2:1 auf 2:3 - doppelt ärgerlich, denn Nowitzki erzielte erstmals mehr als 20 Punkte in den Playoffs 2014.

[image id="18045952-63af-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Playoff-Bestleistung 2014

Die 26 Zähler und 15 Rebounds waren die beste Leistung des Deutschen, verpufften aber angesichts der schwachen Verteidigung der Mavericks (SERVICE: Der SPORT1 Nowitzki-Watch).

San Antonio leistete sich nur fünf Turnover, was Nowitzki komplett auf die Palme brachte.

"Das ist ein absoluter Witz bei 48 Minuten Spielzeit", ärgerte sich der NBA-Champion von 2011: "Wir müssen uns viel mehr reinhängen. Wir müssen in Spiel 6 das hungrigere Team sein, den Sieg um jeden Preis haben wollen."

Ein Spieler, der diese Eigenschaften wie kein Zweiter verkörpert ist DeJuan Blair.

Rückkehr Blairs von großer Bedeutung

Das Kraftpaket musste die fünfte Partie nach einem Tritt gegen Tiago Splitter gesperrt aussetzen, sorgte aber in den 16 Minuten vor der Dummheit mit zwölf Punkten und elf Rebounds für eine grandiose Mavericks-Aufholjagd.

Nowitzki ist sich sicher, dass Blairs Rückkehr ein wichtiger Faktor im Spiel der Mavs ist: "Er ist ein richtiger Brocken, der Duncan und Splitter die Stirn bieten kann."

Vor allem in "Pick-and-Roll"-Situationen wirkte Dallas hilflos und schenkte Splitter und Duncan leichte Korbleger.

"Sie haben sich auf uns eingestellt und spielen jetzt cleverer", zollte Nowitzki den Spurs Respekt: "Die Trainer werden sich jetzt etwas Neues ausdenken, und wir müssen mit deutlich mehr Einsatz spielen."

Hinten zusammenreißen, vorne auf eine weitere Glanzleistung Nowitzkis hoffen - das ist die Marschroute der Mavericks.

Geht der Plan schief, ist die Saison nach Spiel sechs für Dallas beendet.

Weiterlesen