Carmelo Anthony (M.) kehrte im Februar 2011 in seine Heimatstadt zurück © getty

Außer Indy und Miami ist die Eastern Conference "eine Peinlichkeit". Vor allem Knicks und Nets darben. Der Horror hat Gründe.

Von Eric Böhm

München - Was hatten sie im Sommer für hochtrabende Pläne im "Big Apple".

Sowohl die New York Knicks als auch die Brooklyn Nets wollten mit großen Namen die NBA-Herrschaft von LeBron James und den Miami Heat beenden (Die NBA 3 x wöchentlich LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Während die Knicks um Carmelo Anthony auf ihre beste Saison seit Jahren aufbauen wollten, warf Nets-Eigentümer Michail Prochorow mit den Millionen um sich.

Nach knapp zwei Saisonmonaten ist von Glanz und Gloria aber nichts zu sehen. Stattdessen stehen die Lokalrivalen für den Verfall der Eastern Conference.

"Du kannst nicht irgendwelche Namen einkaufen und erwarten, dass es von allein läuft. Ein Team muss aufgebaut werden - wie Indiana", sagt Legende Charles Barkley.

Vernichtendes Urteil

Der heutige TV-Experte nennt die Pacers als ein Positivbeispiel. Gemeinsam mit Miami ziehen sie schon jetzt an der Tabellenspitze einsam ihre Kreise, während kein anderes Team auch nur eine positive Bilanz aufweist.

Die im Neuaufbau befindlichen Mannschaften Atlanta, Boston, Detroit oder Charlotte spielen im Rahmen ihrer Möglichkeiten, dürften aber nicht so weit vorn stehen.

"Am Ende wird es nicht so bitter aussehen, weil sie noch oft gegeneinander spielen. Zur Zeit ist die Eastern Conference aber eine einzige Peinlichkeit", betont Ex-Coach Jeff Van Gundy.

Rose wirft Bulls aus der Bahn

Cleveland konnte den Vorschusslorbeeren noch nicht gerecht werden, ist mit fünf Siegen aus sieben Partien aber im Aufwind.

Chicago hat das erneute Saisonaus ihres Superstars Derrick Rose aus der Bahn geworfen, aber Knicks und Nets sind riesige Enttäuschungen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Der Osten stinkt", legt Barkley mit einer im US-Sport gebräuchlichen Wendung nach: "Speziell in New York werden immer wieder verheerende Entscheidungen getroffen. Wie viele Egos passen in ein Team?"

Knicks zerschießen sich die Teamchemie

Nach einer guten Saison, dem ersten Divisionstitel seit 19 Jahren und einem knappen 2:4 gegen Indiana in der zweiten Playoff-Runde, schienen die Knickerbockers auf einem guten Weg.

Statt den zurückgetretenen Jason Kidd im Aufbau zu ersetzen, wurden dem Team um die Ego-Zocker Anthony und J.R. Smith aber Andrea Bargnani und Metta World Peace zugeführt.

Point Guard Ray Felton bräuchte mindestens vier Arme und acht Bälle, um jeden wilden Werfer im Team zufriedenzustellen. Tyson Chandlers Verletzung ließ das Kartenhaus schnell zusammenkrachen.

Kidd in Problemen

Der ratlose Coach Mike Woodson wird den Preis zahlen - die Knicks haben sich selbst auseinandergenommen ( 819295 DIASHOW: Die Bilder der 7. NBA-Woche ).

Doch auch Kidd hat Sorgen. Aus der an den Nagel gehängten Trainingshose heraus wurde ihm von Prochorow das Kommando über dessen Millionentruppe gegeben. Bisher zahlt der Trainer-Neuling Lehrgeld.

Ob "Becher-Gate" oder die Degradierung seines Assistenten Lawrence Frank: Brooklyn schleppt sich durch die Saison, kann aber auf die Rückkehr verletzter Stars hoffen.

"Brooklyn wird sich steigern, aber Indiana und Miami nicht gefährden. Paul Pierce und Kevin Garnett fühlen sich als Rollenspieler nicht wohl. Es ist nicht klar, wer Häuptling, wer Indianer ist", meint der frühere Scharfschütze Steve Kerr.

Bittere Bilanz

Aktuell weisen die Ost-Teams im Duell mit der Western Conference mit 33 Siegen und 83 Niederlagen eine desaströse Bilanz auf.

Seit Jahren reichen in der Eastern Conference 38,39 Erfolge für einen Playoff-Platz, während im Westen im Schnitt rund 46 nötig sind.

Fehlende Offensiv-Qualität ist ein wichtiger Faktor. Im Osten machen nur Miami und Philadelphia im Schnitt über 100 Punkte pro Partie - im Westen sind es alle bis auf drei.

Systemänderung?

Diese Diskrepanz ist kein Zufall. Teams wie Oklahoma City oder Golden State bauten weitsichtig Talente auf und erhielten sich so auch finanzielle Flexibilität.

In den Metropolen Boston, Chicago und New York werden dagegen von Eigner, Umfeld oder Medien regelmäßig teure Stars verlangt.

"Sie für diese schwachen Leistungen und Entscheidungen zu belohnen, macht keinen Sinn. Man sollte mit negativer Bilanz nicht in die Playoffs kommen. Stattdessen sollte mit guten Teams aufgefüllt werden", fordert Van Gundy. Nur ein Umdenken kann den Trend umkehren - Indiana macht es vor.

[kaltura id="0_wkqtm53v" class="full_size" title="Lillard entscheidet Thriller"]

Weiterlesen