LaMarcus Aldridge erklärt bei SPORT1 den wundersamen Aufstieg der Blazers. Von einem Trade will der Forward nichts mehr wissen.

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Von Dean Walle

Portland - Mit 31 Punkten und einem Karriere-Höchstwert von 25 Rebounds sicherte LaMarcus Aldridge den Portland Trail Blazers gegen die Houston Rockets einen 111:104-Erfolg (Die NBA 3 x wöchentlich LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Die Traumsaison der Truppe aus Oregon in der NBA geht also weiter. Mit einer Bilanz von 19:4 führt Portland die Western Conference noch vor San Antonio und Oklahoma City an.

Mit seinen 23,2 Punkten und 10 Rebounds pro Spiel hat Power Forward Aldridge daran maßgeblichen Anteil.

Im Interview mit SPORT1 spricht der "L-Train" über die Gründe für die Auferstehung seines Teams, das Zusammenspiel mit Damian Lillard und seine Trade-Gedanken im vergangenen Sommer.

SPORT1: Mr. Aldridge, so einen fantastischen Start hatte dem Team niemand zugetraut. Was ist denn bloß bei den Portland Trail Blazers los?

LaMarcus Aldridge: Die Jungs spielen alle sehr gerne und gut zusammen. Alle stehen voll hinter unserem Defensivkonzept. Jeder einzelne spielt härter als letzte Saison. Wir kämpfen um jeden Rebound und jeden Loose Ball. Man kann sagen, wir spielen derzeit unseren besten Basketball.

SPORT1: Haben die Blazers die ganze Liga überrascht?

Aldridge: Niemand hätte gedacht, dass wir zu diesem Zeitpunkt in dieser Position sein würden. Aber wir als Team haben seit dem ersten Tag des Training-Camps an uns geglaubt. Wir wussten, dass wir richtig gut sein würden, wenn wir als Team auftreten, hart arbeiten und alle auf der gleichen Seite im gleichen Buch sind. So lange alle verstehen, dass die Defense immer an erster Stelle steht, die Offense von ganz alleine kommt und wir uneigennützig spielen müssen, dann ist alles möglich mit diesem Team. Und genau dieses Gefühl habe ich seit der Vorbereitung.

SPORT1: Letzte Saison wurden auch größere Führungen von 20 Punkten verspielt und unnötig verloren. Dieses Jahr passiert dies offensichtlich nicht. Woran liegt das?

Aldridge: Wir sind ruhiger geworden. Am Ende des Spiels sucht das Team Damian Lillard und mich und das hat bisher hervorragend funktioniert. Wenn ich in Korbnähe gedoppelt werde, dann passe ich den Ball auf den frei stehenden Mann. Und dieses Jahr versenken meine Teammates diese freien Würfe. Wir spielen einfach mit wesentlich mehr Selbstvertrauen. Außerdem sieht man, dass alle jüngeren Führungsspieler Damian Lillard, Nicolas Batum und Wes Matthews mittlerweile mehr Erfahrung haben und abgezockter sind.

SPORT1: Wodurch ist das Selbstvertrauen so enorm gestiegen?

Aldridge: Wir haben diese Saison enorm viel Selbstbewusstsein getankt. Wir glauben, dass wir mit jedem in dieser Liga mithalten können. Vielleicht liegt es daran, dass wir diese Saison schon einige gute Teams geschlagen haben. Wenn wir weiter auf Kurs bleiben - hart verteidigen und als Team auftreten - dann ist alles drin.

SPORT1: Und das war letzte Saison noch nicht da?

Aldridge: Nein, war es nicht. Wir waren als Team zu unerfahren und es fehlte genau dieses Selbstvertrauen. Unsere Bank ist nun viel produktiver. Wir haben mehr Spieler, die Würfe für sich und andere kreieren können. Das ist super wichtig.

SPORT1: Hat dieses Team einfach gerade nur einen Lauf oder können die Blazers wirklich schon ganz oben angreifen?

Aldridge: Definitiv mehr als ein Lauf. Wir zeigen genau das, was ein Topteam ausmacht. Gute Verteidigung. Uneigennützigkeit. Bedingungsloser Kampf. Und die nötige Qualität im Team mit Spielern, die hohes Niveau haben. Wir haben uns jedes bisschen unseres aktuellen Erfolges verdient.

SPORT1: Viele hatten Damian Lillard bereits als verlorenen Draft Pick 2012 abgekanzelt. Und nun dreht er richtig auf.

Aldridge: Damian ist ein großartiger Spieler. Ein Point Guard der Extraklasse. Er kann von außen werfen und zum Korb ziehen. Defensiv spielt er mit hoher Intensität. Er kann die gegnerischen Point Guards unter Druck setzen. Er ist einer der Gründe, warum wir jetzt da stehen, wo wir stehen.

SPORT1: Können Sie gemeinsam mit ihm zu einem gefürchteten One-Two-Punch werden?

Aldridge: Wir haben hart daran gearbeitet. Und diese Saison läuft es auch schon wesentlich besser. Mal übernimmt er das Kommando und dann komme ich zum Zug. Ich mache ihn besser und er mich. Wir schaffen uns gegenseitig Freiräume, die dem anderen helfen. Aber es muss noch besser werden.

SPORT1: Sie spielen diese Saison wieder auf All-Star-Level. War es für Sie ein Ziel, wieder ins All-Star-Team zu kommen?

Aldridge: Wenn wir eine Chance haben wollen, oben mitzuspielen, dann muss ich auf All-Star-Level spielen. Umgekehrt bedeutet das, wenn ich nicht auf All-Star-Level spiele, dann haben wir keine Chance. Wenn ich auf dem Court das zeige, wofür ich bezahlt werde, dann sollte ich im All-Star-Team stehen.

SPORT1: Wer von den Spielern auf Ihrer Position in der Western Conference spielt auf Ihrem Niveau?

Aldridge: Da gibt es einige. Dirk Nowitzki spielt wieder auf sehr hohem Niveau. Er trifft die spielentscheidenden Würfe und haut unglaubliche Dinger rein. Kevin Love trägt das Team der Minnesota Timberwolves auf seinen Schultern. Blake Griffin spielt großartig für seine Los Angeles Clippers. All diese Jungs haben es verdient, beim All-Star-Game 2014 dabei zu sein.

SPORT1: Sie hatten im Sommer davon gesprochen, die Blazers zu verlassen, wenn das Team nicht erfolgreich ist. Ist das durch den Saisonstart vom Tisch?

Aldridge: Ich glaube, alle wissen, was letzten Sommer passiert ist. Ich hatte angedroht, den Verein zu verlassen, wenn sich nicht schnell etwas ändert. Das sprudelte aus mir heraus, weil ich von der letzten Saison so schwer enttäuscht war. Da habe ich vielleicht etwas zu emotional reagiert, aber diesen Punkt haben wir definitiv hinter uns gelassen. Wir haben neue Spieler dazu bekommen, die unser Team verstärkt haben. Jetzt bin ich wieder happy.

SPORT1: Also hat sich Ihre Geduld ausgezahlt?

Aldridge: Geduld zahlt sich immer aus. Es war sicher nicht immer leicht, aber durch die Verpflichtung unseres neuen General Managers Neil Olshey habe ich wieder Vertrauen in das Management des Vereins. Es ist nun zehn Mal besser als letzte Saison.

SPORT1: Das Fußball-Team aus Portland hat es Ihnen vorgemacht. Sie sind in die Western Conference Finals eingezogen. Können die Blazers nachziehen?

Aldridge: Das ist natürlich unser Ziel. Und wenn wir so weitermachen, dann können wir es auch schaffen.

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