Dennis Schröder (r.) wechselte vor der Saison aus Braunschweig in die USA © getty

Dennis Schröder enthüllt bei SPORT1, wie lange er im Farmteam der Hawks bleibt und vergleicht die D-League mit der Beko BBL.

Von Dean Walle

Los Angeles - Vom schillernden NBA-Parkett in die Knochenmühle D-League: für die meisten Profis wäre das ein Abstieg.

Dennis Schröder begreift seinen Wechsel ins Farmteam der Atlanta Hawks aber als Chance.

Denn statt auf der Bank zu versauern, kann der 20-Jährige bei den Bakersfield Jam Praxis sammeln und an seinem Spiel arbeiten (Die NBA 3 x wöchentlich LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Trotz des kleinen Leistungsabfalls nach dem guten Saisonstart ist das Vertrauen der Hawks in ihr großes Spielmachertalent ungebrochen. Die Rückkehr in die NBA "haben sie mir zugesichert", wie Schröder SPORT1 verrät.

In seinem zweiten Einsatz für die Jam gegen die Santa Cruz Warriors glänzte der ehemalige Baunschweiger mit 15 Punkten und elf Assists.

Im SPORT1-Interview spricht Schröder über seine Abstufung, Ratschläge von Nowitzki, die Erwartungen der Hawks, Freizeit in Bakersfield, Kritik aus Deutschland und vergleicht die D-League mit der Beko BBL.

SPORT1: Herr Schröder, wie geht es Ihnen in der D-League bei den Bakersfield Jam?

Dennis Schröder: Es geht mir gut, weil ich mein Selbstvertrauen wieder bekomme. Die Hawks haben mir gesagt, dass ich fünf bis sechs Spiele bei den Jam bestreiten werde. Und ich versuche, sie so gut wie möglich zu nutzen. Danach will ich wieder in der NBA durchstarten, um bei den Hawks der erste Backup auf der Position des Point Guards zu werden.

SPORT1: Inwiefern macht es denn Spaß, in der D-League zu spielen?

Schröder: Es ist toll. Es war eine harte Zeit für mich, seit ich bei den Hawks die zwei schlechten Auftritte hatte. Von außen zuzuschauen, ist nicht schön. Dass ich hier hergeschickt wurde, Spielzeit bekomme und das Team führe, war richtig gut für mich und macht mir echt Spaß.

SPORT1: Hat die Tätlichkeit gegen DeMarcus Cousins - samt folgender Sperre - dazu beigetragen, dass Sie bei den Hawks keine Spielzeit mehr bekamen?

Schröder: Nein, absolut nicht. Die Hawks wissen, dass ich kein dreckiger Spieler bin. Ich habe einfach versucht, über den Block von Cousins zu gehen. Mir wurde auch von der Vereinsführung bestätigt, dass das nichts damit zu tun hat.

SPORT1: Haben Sie ihre Familie mit nach Bakersfield genommen?

Schröder: Nein, das hätte keinen Sinn gemacht. Die Hawks haben mir gesagt, dass ich nur zwölf Tage hier bin. Coach Lamar ist mitgekommen. Neben den Spielen trainieren wir sehr viel und arbeiten an meinem Wurf. Da wäre keine Zeit für meine Familie.

SPORT1: Lässt sich das Niveau der D-League mit der Beko BBL vergleichen?

Schröder: Die D-League ist schon gut, aber die NBA ist eine Klasse für sich. Das ist eben die beste Liga der Welt. Es ist mit dem BBL-Niveau vergleichbar - etwa so wie in Braunschweig. Das hilft mir auf jeden Fall weiter.

SPORT1: Sie haben sicher auch ganz andere Freiheiten als in der NBA, oder?

Schröder: Hier kann ich das Team führen und alle vertrauen mir. Das ist ein gutes Gefühl. Am Ende des Spiels verlangen die Coaches von mir regelrecht, das Spiel in die Hand zu nehmen.

SPORT1: Bakersfield ist nach der Großstadt Atlanta ein Kultuschock, oder?

Schröder (lacht): Ich hatte mir zwar schon gedacht, dass Bakersfield ein Dorf sei, aber so etwas hatte ich nicht erwartet. Ich habe gefragt, was es hier denn noch gäbe. Die Antwort lautete kurz und knapp "gar nichts". Das einzige, was ich hier mache, ist trainieren.

SPORT1: Hat Ihnen Hawks-Coach Mike Budenholzer denn gesagt, was er von Ihnen erwartet?

Schröder: Ja, er sagte mir, ich soll das Team tragen. Bakersfield hat vier der ersten fünf Spiele verloren. Ich soll die Entscheidungen auf dem Spielfeld treffen und Siege holen. Bisher läuft es ja auch sehr gut für mich. Meine Teamkollegen haben mich allerdings auch toll aufgenommen.

SPORT1: Werten Sie den Gang in die D-League als Degradierung oder eher als einen Schritt in die richtige Richtung?

Schröder: Alle haben über Twitter gesagt, die D-League sei ein Schritt zurück und Dennis macht dies und das. Aber für mich ist es kein Schritt zurück. Es ist gut, wenn du in der NBA sechs Spiele nur draußen sitzt, 30 Minuten zu spielen. Nur so kannst du das Beste rausholen. Ich hoffe, dass ich nach zwölf Tagen wieder zurück nach Atlanta gehe und der Backup werde.

SPORT1: Haben Sie denn mit Dirk Nowitzki weiterhin Kontakt?

Schröder: Er hat gesehen, dass ich gar nicht mehr spiele und gefragt, was da los ist. Da habe ich ihm gesagt, dass es an den zwei schlechten Spielen lag. Er meinte, ich solle weiter an mir arbeiten. Genau das mache ich. Ich werde ihn auf dem Laufenden halten. Wir werden auf jeden Fall weiter Kontakt haben, und dann sagt er mir den nächsten Schritt.

SPORT1: Elias Harris und Tim Ohlbrecht sind nicht mehr in der NBA. Es sieht so aus, als würden die Deutschen die Liga wieder verlassen?

Schröder: Dirk ist ja noch da. Einige vergessen offenbar, dass ich erst 20 Jahre alt bin. Die Hawks haben mir ausdrücklich gesagt, dass ich ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft bin. Eine NBA-Saison hat 82 Spiele. Da kann noch viel passieren. Sie haben mir zugesichert, dass ich auf jeden Fall wieder dort spielen werde.

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