Kobe Bryant trainiert seit November wieder mit den Lakers © getty

Die Lakers fiebern Bryants Comeback entgegen. Der 35-Jährige macht aus der Not eine Tugend und soll D'Antonis ICE steuern.

Von Eric Böhm

München - Es ist soweit! Nach 240 Tagen Zwangspause ist Kobe Bryant wieder da.

Bei allem Respekt für LeBron James, Dirk Nowitzki, Kevin Durant und Co.: die NBA war ohne das Musterexemplar eines Superstars einfach nicht die NBA.

Gegen die Toronto Raptors (ab 3.30 Uhr LIVESCORES) streift Bryant das weiße Sonntagstrikot der L.A. Lakers über und betritt erstmals seit seinem Achillessehnenriss am 12. April wieder die Bühne (Die NBA 3 x wöchentlich LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Ich habe auf diesen Moment hingearbeitet. Ihr werdet einen ganz neuen Kobe erleben", verspricht die "Black Mamba".

Wie fit ist er?

Während Coach Mike D'Antoni die Erwartungen bremst ("er wird nicht über dem Korb unterwegs sein"), heizt die Marketing-Abteilung die Erwartungen an.

Als die Rückkehr feststand, wurde ein hollywoodreifes Video veröffentlicht, das mit der Botschaft "die Legende geht am 8. Dezember weiter" endete.

Nach harten Trainingseinheiten "rund um die Uhr" fragen sich die Fans und nicht zuletzt Bryant selbst, welches Niveau der 35-Jährige bringen kann.

Mit Trotz gegen Zweifler

Die alte Sprungkraft und Dynamik wird er vielleicht nie wieder erreichen. "Neu" muss in diesem Zusammenhang aber nicht zwangsläufig schlechter heißen.

Wer den fünfmaligen Champion kennt, weiß um seinen unbändigen Ehrgeiz. Er will es sich und dem Rest der Welt beweisen. Die Herausforderung der ersten schweren Verletzung seiner Karriere scheint ihn noch heißer zu machen.

"Ich springe nicht durch die Halle, aber das muss ich auch nicht, um ein großartiger Spieler zu sein", betont Bryant fast schon trotzig.

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Historische Marken

Der neue Spitzname "Vino" ist bewusst gewählt. Er will im fortgeschrittenen Alter besser werden und noch einmal, alle Grenzen sprengen ( 816473 DIASHOW: Die Bilder der 6. NBA-Woche ).

In der vergangenen Saison markierte er im Schnitt 27,3 Punkte pro Spiel, fast vier Punkte mehr als der bis dato beste 34-Jährige - Kareem Abdul-Jabbar in der Saison 1985/86.

Den Rekord für 35-Jährige hält Karl Malone (20,6). Außerdem fehlen dem 15-maligen All-Star nur 676 Punkte um Idol Michael Jordan von Rang drei der ewigen Bestenliste zu verdrängen.

"Er ist bereit, aber wir werden seine Minuten genau beobachten. Es gibt keine magische Zahl, aber ich wäre überrascht, wenn er sich deutlich jenseits der 20 Minuten bewegen würde", sagt D'Antoni.

Passt D'Antonis Stil?

Er weiß aber nur zu genau, dass sich Bryant nicht an die Leine legen lässt, stattdessen hofft er auf eine natürliche Regulierung durch Müdigkeit im neuen Spielstil der Lakers.

Ohne Bryant, den nach wie vor verletzten Steve Nash und Abwanderer Dwight Howard hat D'Antoni nämlich seinen Hochgeschwindigkeitsstil etabliert.

Mit durchschnittlich mehr als 100 Angriffen pro Partie liegt L.A. ligaweit auf Rang vier und verwandelt die meisten Dreier (10,3).

Neun Spieler liegen zwischen 8,3 und 14,3 Punkten pro Spiel. In vielerlei Hinsicht steht das Team (10 Siege - 9 Niederlagen) besser da als befürchtet. Die Playoffs sind ein realistisches Ziel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Rückkehr als Point Guard

Um sich an diese Geschwindigkeit zu gewöhnen und das Fehlen von Nash zu kompensieren, soll Bryant mehr Point Guard spielen und die Kollegen einsetzen.

"Er wird den Ball haben, und wenn du ihn hast, bist du der Point Guard", bestätigt D'Antoni. Bryant sieht "keinen Unterschied zum letzten Jahr. Da habe ich auch den Ball verteilt."

Tatsächlich gab der zweimalige Finals-MVP im Schnitt 6,0 Assists - besser war er 16 NBA-Jahren zuvor nie. Gleich 23 Mal hatte er zweistellige Vorlagen.

Das Vertrauen des Teams ist grenzenlos und wird auch durch den neuen Zweijahresvertrag über 48,5 Millionen Dollar dokumentiert, der den Spielraum für den Sommer 2014 beschneidet.

"Wir reden über Kobe Bryant"

Die Zukunft des Teams - nur drei Spieler stehen über diese Saison hinaus unter Vertrag - ist aktuell aber kein Thema, wenn der Held der Vergangenheit die recht triste Gegenwart wieder interessant macht.

"Er wird sicher Aufs und Abs haben, das würde jedem Spieler in dieser Situation so gehen. Andererseits, reden wir über Kobe Bryant", hofft D'Antoni auf die Qualitäten des alten Bryant.

Der neue Kobe muss erst noch beweisen, ob er diesem Legendenstatus immer noch gerecht werden kann.

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