Dennis Schröder absolbierte bislang elf NBA-Spiele für die Atlanta Hawks © getty

Nach Ohlbrecht und Harris verlässt auch Schröder die NBA - nicht zwingend für lange. Berater Okulaja nimmt es bei SPORT1 locker.

Von Florian Pertsch

München - Bakersfield, Kalifornien.

350.000 Einwohner, irgendwo im Nirgendwo .

Nicht das Atlanta die schönste Metropole dieser Welt gewesen wäre, aber immerhin gibt es hier ein NBA-Team (Die NBA 3 x wöchentlich LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Bis vor einem Tag auch Dennis Schröders Team, der größten deutschen NBA-Hoffnung seit Dirk Nowitzki.

Experten-Einschätzung zunächst widerlegt

An Nummer 17 gedraftet, waren sich die Experten einig, dass der Braunschweiger eine legitime Chance auf einen festen Platz in der Rotation der Atlanta Hawks hat.

Diese Einschätzung wurde nun zunächst widerlegt.

Schröder wurde von Atlanta in die Development League der NBA geschickt und muss vorerst für die Bakersfield Jam die Schuhe schnüren.

Damit ist der Sohn einer Gambierin nach Elias Harris und Tim Ohlbrecht der dritte Deutsche, der seit Oktober aus dem NBA-Kader seines Teams gestrichen wurde.

"Bei Dennis ist alles okay"

Für Schröders Berater Ademola Okulaja kein Grund zur Aufregung, vielmehr begrüßt der Ex-Nationalspieler im Gespräch mit SPORT1 die Vorgehensweise der Hawks.

"Bei Dennis ist alles okay. Das ist ein ganz normaler Schritt, den viele NBA-Teams mit vielen Spielern, auch namhaften Draft-Picks, vornehmen", beschwichtigt der "Warrior": "Wir wissen davon seit einigen Tagen, und Dennis nimmt die Lage sehr professionell auf."

Atlantas Coach Mike Budenholzer, der zu Beginn der Saison lobend von Schröders Einsatz und Lernwillen gesprochen hatte, wollte sich auch nach der vorläufigen Degradierung nicht negativ über den 20-Jährigen äußern.

Zu wenig Spielzeit für den Rookie

Hinter den Aufbauspielern Jeff Teague, dem wiedergenesenen Lou Williams und Shelvin Mack "bekommt Dennis zu wenig Spielzeit" erklärte Budenholzer seine Beweggründe (VOTING: Wählen sie Dirk Nowitzki ins All-Star Game).

Die 3,7 Punkte und 2,5 Rebounds pro Spiel reichen vorerst nicht, um sich mehr Spielzeit zu erarbeiten - ab geht es ins 3524 Kilometer entfernte Bakersfield.

"In der NBA ist während der Saison wenig Zeit zum Training, darum werden gerade junge Spieler häufig für ein, zwei oder fünf Spiele in die D-League geschickt, um im Rhythmus zu bleiben und Spielpraxis zu sammeln", erklärt Okulaja bei SPORT1.

"Hätte auch Hawaii oder Alaska sein können"

Da dürfte Bakersfield der richtige Ort sein, hier wird Schröder nur wenig vom Basketball ablenken.

Optimal ist die große Distanz zum Heimatklub nicht, aber damit muss Schröder nach Meinung von Okulaja eben leben: "So läuft es nun mal. Bakersfield ist der Kooperationspartner. Man kann sich den Klub nicht aussuchen, hätte auch Hawaii oder Alaska sein können. Damit muss der Spieler zurechtkommen."

Realistisch gesehen, ist der NBA-Traum zumindest ein kleines Stück weit in die Ferne gerückt ? der Weg zurück könnte aber sehr schnell gehen.

Spielerfahrung vor Statistiken

Für Okulaja ist Spielerfahrung wichtiger als persönliche Statistiken in der ersten Saison: "Dennis behält seine Wohnung, alles bleibt gleich. Keine Dramatik. Es macht doch mehr Sinn, in der D-League zu spielen, als auf der Bank zu sitzen."

Was bedeutet die Umstellung von der NBA auf die Entwicklungsliga für Schröder konkret?

Luxus ade, Linienflug statt Vereins-Jet sowie kleine und deutlich schlechter besuchte Hallen.

Zudem ist die D-League ein Haifischbecken, indem viele Spieler-Egos um ihre Statistiken kämpfen, um wieder auf dem NBA-Radar aufzutauchen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Gleiches System wie in Atlanta

Okulaja sieht die Lage dennoch optimistisch: "Positiv ist, dass die Farmteams meistens die gleichen Systeme spielen und auch in der Defense die gleichen Absprachen und Regeln herrschen."

In diesem Umfeld muss sich der Youngster, der unter den NBA-Rookies den viertbesten Assist-Wert hatte, jetzt zurechtfinden. Das Talent zu bestehen hat er allemal.

Was er sich aber nicht leisten kann, sind Aussetzer wie bei den Hawks.

Eine Sperre wie nach dem Schlag in DeMarcus Cousins Kronjuwelen sind mehr denn je tabu ( 816473 DIASHOW: Die Bilder der 6. NBA-Woche ).

Atlanta ist vielleicht weit weg, aber die Drähte zwischen D-League und NBA laufen regelmäßig heiß.

D-League keine Einbahnstraße

Dass die Tür zwischen den Ligen in beide Richtungen schwingt zeigen viele Beispiele.

Seine beiden Hawks-Rivalen auf der Guard-Position, Mack und Williams, liefen eine Klasse tiefer auf, und sogar aktuelle Superstars quälten sich im Hamsterrad D-League.

Houstons Jeremy Lin, dessen Stern vor zwei Spielzeiten in New York aufging und die Linsanity-Phase der NBA einläutet, spielte für die Reno Bighorns und Erie BayHawks.

Auch für Harris und Ohlbrecht gibt es gute Big-Men-Beispiele. Brooklyns Andray Blatche, Ex-BBL-MVP P.J. Tucker oder der polnische Center Marcin Gortat liefen ebenfalls in der D-League auf.

"Generell wird gerade viel zu viel Wind um die Sache gemacht", meint Okulaja: "Wenn Dennis in einem halben Jahr noch in der D-League spielt, dann sollten wir uns Gedanken machen, was da passiert."

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