J.J. Barea (2. v. r.) spielte zwischen 2006 und 2011 mit Dirk Nowitzki in Dallas © getty

Minnesotas J.J. Barea denkt oft an die 2011er Mavs. Mit SPORT1 spricht er über Tennis mit Nowitzki und lüftet ein Geheimnis.

Von Raphael Weber und Eric Böhm

München/Minneapolis - Seine Rolle in den NBA-Finals 2011 ist unvergessen: Als J.J. Barea in die Startformation der Dallas Mavericks rückte, kam der Umschwung.

Gegen die übermächtigen Miami Heat lag Dirk Nowitzkis mit 1:2 in Rückstand, ehe mit dem "Zauberzwerg" drei Siege in Folge und die Meisterschaft glückten. Auch das knüppelharte Foul von Andrew Bynum beim 4:0-Sweep über die L.A. Lakers hatte ihn nicht stoppen können.

Inzwischen wirbelt Barea bei den Minnesota Timberwolves an der Seite von Kevin Love, an das Meisterteam denkt er trotzdem "immer gern" zurück. Den aktuellen Mavericks traut er dagegen nicht viel zu. (Die NBA ab 30. Oktober LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Im SPORT1-Interview spricht der Puerto Ricaner auch über die Chancen der Timberwolves, seine Rolle, den Abschied aus Dallas, Tennis-Matches gegen Nowitzki, gibt Dennis Schröder Tipps und lüftet das Geheiminis um seine Größe.

SPORT1: Mr. Barea, viele Experten halten die erstmals komplett fitten Timberwolves für ein mögliches Überraschungsteam in der starken Western Conference. Kann Ihr Team das große Potenzial abrufen?

Jose Juan Barea: Wir haben auf jeden Fall ein sehr gutes Team. Wenn wir über die Saison verletzungsfrei bleiben, haben wir eine gute Chance, es in die Playoffs zu schaffen.

SPORT1: Meist wird über die Superstars Kevin Love und Ricky Rubio gesprochen, aber Cheftrainer Rick Adelman lobt Sie bei jeder Gelegenheit als "Energizer" von der Bank. Liegt Ihnen diese Rolle?

Barea: Keine Frage! Ich liebe das. Ich tue alles, um diesem Team zu helfen. Egal wofür der Coach mich braucht, ich bin bereit.

SPORT1: Sie haben es angesprochen, Ihre Mannschaft hatte in der vergangenen Saison unglaublich viele Verletzungen - nicht zuletzt Love und Rubio, der spät einsteigen konnte. Sind sie jetzt topfit? Was macht sie so stark?

Barea: Sie sind definitiv zurück. Besonders Kevin ist für uns wichtig. Kevin ist der Star, er muss die Hauptlast tragen. Wir brauchen seine Punkte und Rebounds. Aber Ricky macht uns erst zu einem Team. Er großartiger Point Guard und Anführer. Mit seinen Pässen nimmt Ricky die Gegner auseinander, wir anderen müssen die offenen Würfe versenken.

SPORT1: Natürlich müssen wir auch über die Meisterschaft 2011 mit Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks reden. Denken Sie ab und zu noch daran?

Barea: Ständig! Die Mavs von 2011 sind mein absolutes Lieblingsteam aller Zeiten. Die Jungs waren für mich wie eine Familie. Ich erinnere mich immer gern daran. Vor allem an Dirks Seite zu spielen, war fantastisch. Dieses Jahr werde ich nie vergessen.

SPORT1: Können Sie uns denn eine Anekdote über Nowitzki jenseits des Courts erzählen?

Barea: Wir sind über die Jahre sehr gute Freunde geworden. Er ist so ein toller und bodenständiger Typ. Dirk ist immer für einen Spaß gut. Wir haben beispielsweise oft gegeneinander Tennis gespielt und waren danach Essen. Das waren immer richtig gute Matches.

SPORT1: Wer hat gewonnen?

Barea (lacht): Meistens ging es unentschieden aus. Dirk war sehr gut, aber ich war auch nicht schlecht. In Dallas war es immer sehr heiß, also haben wir nie bis zum Ende gespielt.

SPORT1: Seit damals ließen die Mavericks fast alle Meisterspieler ziehen und verschlechterten sich stetig. War es ein Fehler, Sie und die anderen Jungs nicht zu behalten?

Barea: Ich glaube schon. Ich war sehr überrascht und enttäuscht. Wir wollten dieses Team eigentlich noch für ein, zwei Jahre zusammenhalten, aber die NBA ist ein Geschäft. Es ist leider anders gekommen. Es wird für sie schwer werden, noch einmal ein Meisterschaftsteam aufzubauen. Damit müssen wir und die Mavericks leben.

SPORT1: Würden Sie dennoch irgendwann gern zurückgehen?

Barea: Auf jeden Fall. Das war damals Mark Cubans (Eigentümer der Mavericks, Anm. der Red.) Entscheidung. Trotzdem bin ich mit allen in Dallas noch gut befreundet. Ich war fünf Jahre dort und werde ihnen immer dankbar sein, dass sie mir die Chance in der NBA gegeben haben. Ich bin in Minnesota sehr glücklich und plane, meinen Vertrag zu erfüllen. Was danach kommt, kannst du nie wissen.

SPORT1: Sie kennen Nowitzki sehr gut. Glauben sie, er kann die Mavericks wieder nach oben führen?

Barea: Ich weiß nicht, ob es noch einmal für ganz oben reicht. In die Playoffs kann er sie auf jeden Fall wieder bringen. Für die absolute Spitze bräuchte er richtig gute Spieler um sich herum, die auf seinem Level mithalten können. Das sehe ich nicht. Mal abwarten, wie es in der Saison läuft. (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan)

SPORT1: Sie sind ein Point Guard, der auf seine Schnelligkeit vertraut - ähnlich wie der der deutsche Rookie Dennis Schröder. Kann er sich in der NBA etablieren?

Barea: Ich kenne ihn noch nicht so gut, aber er muss vor allem Geduld haben. Auf dem Court muss er aggressiv bleiben, seine Chance suchen und in jedem Spiel seine Topleistung abrufen.

SPORT1: Ein Rätsel müssen wir noch aufklären. Die NBA führt Sie mit einer Körpergröße von 1,83 Meter. Anlässlich der Finals 2011 sagte Ihre Mutter Sie seien eher 1,77 Meter groß. Was stimmt?

Barea (lacht): Mama hat recht, über 1,78 Meter komme ich definitiv nicht hinaus. Das reicht mir auch. Ich weiß nicht, woher die NBA diese Zahl nimmt.

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