Kyrie Irving (r.) wurde in Melbourne geboren und spielte ein College-Jahr für Duke © getty

Wird Cleveland die Überraschung der Saison? Coach Brown nennt das P-Wort. Irving will der Beste sein. Kniefälle machen Sorgen.

Von Eric Böhm

München - Die Trauerzeit ist vorbei, der Schleier abgelegt: Die Cleveland Cavaliers haben das Trauma LeBron James endlich überwunden.

Erstmals seit dem freiwilligen Abdanken des alten Königs im Sommer 2010 macht sich Aufbruchsstimmung an den Ufern des Cuyahoga-Flusses breit. (Die NBA ab 30. Oktober LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Beim Media Day zum Start der Vorbereitung war der Optimismus beim zurückgekehrten Coach Mike Brown und seinen Spielern deutlich zu spüren - selbst das "P-Wort" wurde mehr als einmal ausgesprochen.

"Ich denke, die Playoffs sind ein realistisches Ziel. Wir haben nicht nur Pferde, sondern Vollblüter für die Schlacht im Osten", tönte Point Guard Kyrie Irving.

Irving ehrgeizig

Der 21-Jährige ist der Hauptgrund dafür, dass die Cavs als eines der Überraschungsteams der bevorstehenden Saison gelten.

Nach der Auszeichnung zum Rookie des Jahres 2012 und seiner ersten All-Star-Nominierung in der vergangenen Saison steht Irving an der Schwelle zum NBA-Superstar.

"Ich will der beste Spieler der Liga werden. Um das zu schaffen, muss ich dem Team zu viel mehr Siegen verhelfen. Dieser Verantwortung stelle ich mich. Ich hatte vor einer Saison nie ein besseres Gefühl", betonte Irving.

Gilbert schaut nach vorn

James' Schatten wird er zwar noch lange spüren, aber zum ersten Mal seit Jahren blicken sie in Cleveland nach vorn.

Selbst der von LBJ persönlich enttäuschte Eigentümer Dan Gilbert nutzt nicht mehr jede Gelegenheit gegen den ehemaligen Liebling nachzutreten.

Stattdessen schwärmt er von dem "großartigen Kader mit Playoff-Potenzial", den Manager Chris Grant um seinen neuen Schlüsselspieler Irving formiert hat.

Viele Talente

In der Tat erblüht auf LeBrons verbrannter Erde ein zartes Pflänzchen mit vielen hochtalentierten Youngstern.

Neben Irving sind das vor allem der exzellente Scoring-Guard Dion Waiters, der russische Teenager Sergei Karasew, Big Man Tristan Thompson oder Top-Draftpick Anthony Bennett.

"Wir können über Jahre eine Hausnummer im Osten werden, wenn wir weiter konzentriert an uns arbeiten. Wenn es geht, soll die Zukunft aber schon jetzt beginnen", sagte Waiters.

Jack und Bynum sind neu

Das Durchschnittsalter beträgt nur 25 Jahre, entsprechend ist vor allem Cheftrainer Brown nach seinem letztlich missglückten Engagement bei den L.A. Lakers gefragt.

Wie einst bei James-Finalmannschaft von 2007 soll er nun auch dieser Truppe vor allem defensive Disziplin vermitteln. Im Angriff gibt der in Australien geborene Irving den Takt vor.

Außerdem wurden in Aufbauspieler Jarrett Jack und Center Andrew Bynum erfahrene Kräfte verpflichtet. Nicht nur für Brown wurde so "ein zukünftiges Siegerteam" gebaut. (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan)

Großes Risiko

Am Beispiel Bynums lässt sich aber auch das große Risiko erkennen. Der Zugang aus Philadelphia hat seit eineinhalb Jahren nicht gespielt und plagt sich seit Jahren mit Knieproblemen herum.

Mit Aktionen wie seinem berüchtigten Bowling-Unfall beweist er zudem immer wieder, nicht gerade ein Musterprofi mit vorbildlicher Einstellung zu sein.

Immerhin kann der 25-Jährige All-Star von 2012 inzwischen in Drei-gegen-Drei-Spielchen mitwirken und steht vor der Rückkehr ins volle Training.

Auch Rookie-Forward Bennett kommt mit Knie-Vorbelastung vom College und wurde im Mai an der Schulter operiert.

Verletzungs-Historie

Damit nicht genug, denn auch die gestandenen Profis sind alles andere als robust. Der Brasilianer Anderson Varejao absolvierte in den vergangenen drei Jahren ganze 81 Spiele. Irving verpasste bereits 38 Partien verletzungsbedingt.

"Wenn wir gesund sind, kommen wir in die Playoffs. Ich werde bald zurückkehren und sehe keinen Grund, dann nicht auf All-Star-Level zu spielen", erklärte Bynum, der unter Brown in L.A. sein mit Abstand bestes Jahr hatte (2011/2012).

Auf dem Papier bleibt neben den dynamischen Guard und der potenziell starken Frontline um Varejao und Bynum nur eine Problemposition: Small Forward.

Eine Problemposition

Aktuell ist dort der offensiv limitierte Earl Clark der Starter. Alternativen gibt es abgesehen vom gelernten Power Forward Bennett oder Alonzo Gee kaum.

"Wir haben hier eine große Chance. Wir wollen eine Meisterschaft gewinnen", sagte Varejao - das letzte Mitglied der Ost-Meister von 2007.

Eine Playoff-Teilnahme wäre ein erster Schritt. Im Sommer 2014 kommt zudem womöglich ein ganz guter Small Forward auf den Markt: LeBron James.

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