Elias Harris hat seit dem Sommer einen Vertrag beim Hollywood-Klub © getty

Der deutsche NBA-Neuling spricht bei SPORT1 über seinen Vertrag bei den Lakers, sein Idol und das Leben in der Glitzerstadt.

Von Dean Walle

Los Angeles - Was für ein Sommer für Elias Harris!

Trotz vier erfolgreicher Jahre an der Gonzaga Universität im Staate Washington nahm kein NBA-Team den 24-jährigen Deutschen bei der diesjährigen Draft.

Statt erneut bei der EM für Deutschland anzutreten, entschied er sich jedoch für die Teilnahme an der Summer League in Las Vegas, zu der ihn die Los Angeles Lakers einluden.

Dort machte der Forward durch hervorragende Leistungen mit durchschnittlich 10,2 Punkten und 5,6 Rebounds pro Partie auf sich aufmerksam und verdiente sich einen teilweise garantierten Zweijahresvertrag beim Hollywood-Klub. (Die NBA ab 30. Oktober LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Im Exklusiv-Interview mit SPORT1 spricht der 2,01-Meter-Hüne über die Erfüllung seines Traums, seine Mitspieler Kobe Bryant und Chris Kaman sowie eine Rückkehr zur deutschen Nationalmannschaft.

SPORT1: Herr Harris, wie fühlt es sich an, das Trikot der Lakers zu tragen?

Elias Harris: Überragend! Ein Traum geht in Erfüllung. Es ist ganz anders als am College. Der ganze Rummel. Ich bin einfach nur überglücklich und begeistert, dabei zu sein.

SPORT1: Kobe Bryant war ja sicher eines Ihrer Idole, als Sie aufgewachsen sind. Wie ist es für Sie jetzt, mit ihm in einer Mannschaft zu spielen?

Harris: (lacht) Ich habe bis heute noch nicht so ganz realisiert, was da genau abgeht. Aber es ist natürlich eine riesige Ehre, mit einem zukünftigen Hall-of-Famer auf dem Parkett zu stehen. Ich versuche, von ihm so viel wie möglich zu lernen und alles aufzusaugen wie ein Schwamm. Es macht richtig Spaß.

SPORT1: Redet Kobe zwischendurch mal mit Ihnen und gibt Tipps?

Harris: Wir haben mal ein bisschen hier, mal ein bisschen da gequatscht - Small Talk, nichts Basketballspezifisches. Er ist ein cooler Kerl, locker drauf.

SPORT1: L.A. ist eine große Stadt, in der man leicht abgelenkt werden kann. Wie schaffen Sie es, sich da nur auf Basketball zu konzentrieren?

Harris: Ich habe so viel harte Arbeit rein gesteckt, dass ich jetzt nicht denke, ich müsste den ganzen Tag am Strand liegen und mich sonnen. Ich muss immer weiter an meinem Spiel arbeiten und dann auf das Beste hoffen.

SPORT1: Sie haben einen teilweise garantierten Zwei-Jahresvertrag von den Lakers erhalten. Was bedeutet das? (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan)

Harris: Ich kann jederzeit von heute bis zum 10. Januar entlassen werden. Und nach dem 10. Januar ist mein Vertrag dann automatisch garantiert.

SPORT1: Also auch für das zweite Jahr?

Harris: Ja, genau.

SPORT1: Sie haben gleich zu Beginn der Wechselfrist unterschrieben. Warum so schnell?

Harris: Warum nicht? Wer würde ein Angebot der Lakers ablehnen? Ich kenne niemanden. Als das Angebot kam, habe ich keinen Moment gezögert und sofort unterschrieben.

SPORT1: Was brauchen Sie noch, um den Sprung in den endgültigen Kader schaffen?

Harris: Die Lakers haben mir nicht grundlos einen Vertrag gegeben. Sie werden also nicht meine Art, zu spielen, komplett verändern wollen. Ich muss ich selbst sein und mein Spiel machen. Dem Team Energie bringen. Gut verteidigen. Nur die einfachen Dinge tun. Ich hoffe, das reicht.

SPORT1: Jetzt, wo Ihre College-Zeit vorbei ist und sie Ihren Master of Business Adminstration gemacht haben, können Sie sich nur auf Basketball konzentrieren! Macht sich das schon bemerkbar?

Harris: Ganz klar. Die Uni war cool. Aber ich bin auch froh, dass es endlich vorbei ist. Keine Hausarbeiten und Klausuren mehr! Jetzt ist Basketball mein Job. Das ist ein tolles Gefühl. Und das wird sich auch in meinem Spiel widerspiegeln.

SPORT1: Im College war der Dreierwurf nicht gerade Ihre Stärke. Und in der NBA ist die Dreierlinie ja noch um einiges weiter entfernt. Wie können Sie da stärker werden?

Harris: Ich habe in diesem Sommer unendliche Stunden an meinem Wurf gearbeitet. Seit dem Ende meiner College-Saison im März lebe ich praktisch in der Halle. Mittlerweile treffe ich besser denn je von der Dreierlinie.

SPORT1: Die vergangene Europameisterschaft fand ohne die fünf deutschen NBA-Spieler statt. Glauben Sie, dass die Nationalmannschaft mit euch fünf eine Chance hätte, um Titel mitzuspielen?

Harris: Das glaube ich schon. Wir können dann auch wieder ganz oben mitspielen. Es ist genug Talent und Qualität auf allen Positionen da. Definitiv.

SPORT1: Haben Sie schon einmal mit Dirk Nowitzki oder Dennis Schröder darüber gesprochen?

Harris: Im Detail haben wir das nicht besprochen, aber hoffentlich sind alle am Start, damit wir auch etwas erreichen können.

SPORT1: Ihr Mannschaftskollege Chris Kaman hat schon durchklingen lassen, dass Dirk und er hin und wieder über das Thema Nationalmannschaft reden. Er sagte auch, dass er sich gut vorstellen könnte, wieder im deutschen Trikot aufzulaufen, wenn Sie dabei sind. Was sagen Sie dazu?

Harris: Ich mache es nicht davon abhängig, wer da mitspielt. Es ist für mich eine Riesenehre, für die Nationalmannschaft zu spielen. Es steht außer Frage, dass ich wieder gern dabei sein würde. Nur dieses Jahr war es von der Situation her ungünstig. Das hat mir auch leid getan. Aber nächstes Jahr bin ich auf alle Fälle wieder mit von der Partie.

SPORT1: Kaman hat auch gesagt, dass er eine gute Chance für Sie sieht, diese Saison bei den Lakers eine gute Rolle im Team zu übernehmen...

Harris: (lacht) Chris ist wirklich ein lieber, herzensguter Mensch. Seit Tag eins sind wir wunderbar miteinander ausgekommen. Er hilft, wo er nur kann. Und versucht, mir den Übergang vom College in die NBA so leicht wie möglich zu machen. Von daher ist es gigantisch für mich, einen Typen wie Chris in der Mannschaft zu haben.

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