Paul Pierce (r.) spielte vor seinem Wechsel zu den Nets 15 Jahre für Boston © getty

Miamis Superstar spielt den Moralapostel und bekommt von Garnett und Pierce die Quittung. Beim ersten Duell geht es ruppig zu.

Von Florian Pertsch

München - Wechsel im Profisport bergen oft gehöriges Konfliktpotenzial, erst recht wenn ein Spieler zum Erzfeind überläuft.

Als Ray Allen vor der NBA-Saison 2012/13 als Free Agent von den Boston Celtics zu den Miami Heat wechselte wurde einiges an Porzellan zerschlagen (Die NBA ab 30. Oktober LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Celtics-Star Kevin Garnett erklärte nach der Entscheidung, Allens Telefonnummer verloren zu haben. Paul Pierce hat dem einstigen Mitspieler den Wechsel bis heute nicht verziehen.

GM Ainge tradet die Celtics-Wahrzeichen

Nur eine Saison später tragen auch die beiden NBA-Champions, 2008 zusammen mit Allen, nicht mehr das grüne-weiße Trikot der Celtics.

Bostons General Manager Danny Ainge tradete Garnett und Pierce zu den Brooklyn Nets und prompt tönt es vom South Beach, dass das Duo Allen wohl eine Entschuldigung schulde.

Absender der Botschaft war niemand anders als Miamis Superstar und zweimaliger NBA-Champion LeBron James.

James nimmt Allen in Schutz

"Ich habe sofort gedacht: Ray wird für seinen Wechsel fertig gemacht, und jetzt gehen die Zwei auch aus Boston weg. Für mich ist das generell kein Problem, aber Ray wurde für seinen Wechsel so angegriffen, und dann machen Garnett und Pierce genau das Gleiche", nahm "King James" seinen Teamkollegen Allen in Schutz.

Die Antwort aus Brooklyn ließ nicht lange auf sich warten.

"Sagt LeBron, er soll sich um Miami kümmern", schimpfte ein angefressener Garnett in Richtung der Heat: "Bostons Geschäfte gehen ihn nichts an."

"Ich habe Boston verlassen?"

Small Forward Pierce zeigte sich äußerst erstaunt über die Aussage des viermaligen Most Valuable Players der regulären Saison.

"Ich habe Boston verlassen?", fragte "The Truth" verdutzt und verwies darauf, dass er von Boston getradet wurde und nicht wie Allen sein Schicksal als Free Agent selbst wählen konnte.

Abgesehen von der Rivalität zwischen den Ex-Celtics und Miami spielt auch James eigene Wechselgeschichte eine gehörige Rolle bei diesem Verbalgefecht.

James sorgt 2010 selbst für Wirbel

Schließlich war es James, der den Cleveland Cavaliers im Sommer 2010 mit viel Getöse und der landesweit übertragenen "Decision" den Rücken kehrte und sein Talent nach South Beach schaffte.

"So ist das Geschäft. Keine Ahnung, welche Überlegungen bei Boston damals eine Rolle spielten, aber Ray hat das Beste für seine Familie und sich gemacht. Ich kann das sehr gut verstehen, schließlich habe ich das alles selbst durchgemacht", erklärte James unbekümmert.

Es ist also nicht zu hoch gegriffen, im Falle des Moralapostels LBJ davon zu sprechen, dass der Bock zum Gärtner gemacht wird.

Für die kommenden Duelle zwischen NBA-Champion Miami und den titelhungrigen Nets birgt dies zusätzlichen Sprengstoff.

Ruppiges Preseason-Duell in Brooklyn

Bereits beim Kräftemessen in der Preseason war die Spannung zwischen den beiden Großmächten der Eastern Conference zu spüren.

In einem Spielzug rammte Pierce seine rechte Schulter in LeBrons Brustkorb und kommentierte die überharte Aktion markig: "Das war eine Botschaft an die gesamte Liga."

Spielerisch war das potenzielle Finale der Eastern Conference im Sommer 2014 kein Leckerbissen, allein die Höhe des Brooklyn-Erfolgs sorgte für Aufsehen (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan).

Nets-Coach Kidd wird geehrt

Das Team von Trainer Jason Kidd siegte mit 86:62, wobei preseasontypisch die zweite und dritte Garde oft zum Einsatz kam.

Neben dem Sieg hatte Brooklyns neuer Coach, der nur zehn Tage nach seinem Rücktritt als Knicks-Spieler im Juni den Trainerposten jenseits des East River übernahm, noch ein persönliches Highlight zu feiern.

Die Nets platzierten Kidds ehemaliges New-Jersey-Trikot mit der Nummer fünf unter dem Hallendach, Ex-Kollege Richard Jefferson gratulierte als einer von vielen per Videobotschaft.

All-Time-Leader in vier Kategorien

"Als Athlet und Wettkämpfer träumt man davon, mit Spielern wie Magic Johnson, Steve Nash oder eben Jason Kidd auf dem Feld zu stehen. In der Geschichte des Basketballs gab es wohl nie einen Spieler, der ohne zu punkten derart dominiert hat."

Kidd, der mit New Jersey zweimal in den NBA-Finals stand, ist bei den Nets All-Time-Leader in den Kategorien Assists (4,620), Steals (950), verwandelte Dreier (813) und Triple-Doubles (61).

Zum ersten ernsthaften Duell kommt es bereits am 1. November. Es ist für beide Teams das zweite Saisonspiel und die Möglichkeit, die nächste Botschaft an die Liga zu verschicken.

Bis dahin werden die verbalen Scharmützel wohl fleißig weitergehen.

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