13. DERRICK ROSE (Chicago Bulls )- 29,5 Mio. Euro: Der verletzungsgeplagte NBA-Superstar kann sich über viel Schmerzensgeld freuen
Derrick Rose riss sich am 28. April 2012 in einem Playoff-Spiel das Kreuzband © getty

Nach 17 Monaten ist Ex-MVP Derrick Rose "aggressiver als je zuvor" zurück und will es den Kritikern mit einer neuen Waffe zeigen.

Von Eric Böhm

München - Das Warten hat endlich ein Ende: Nach 17 zermürbenden Monaten mischt Derrick Rose wieder im NBA-Geschehen mit.

Die ersten Auftritte im Trikot der Chicago seit dem Kreuzbandriss im April 2012 waren für den ehemaligen MVP vor allem eine riesige Erleichterung - die Statistiken nebensächlich. (Die NBA ab 30. Oktober LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

"Es fühlt sich großartig an. Ich habe so lange darauf hingearbeitet. Ich hätte am liebsten noch länger gespielt, aber sie wollen meine Minuten langsam steigern", sagte Rose nach dem Sieg über Memphis.

Leichte Knieprobleme

Trotzdem schrillten zuletzt schon wieder die Alarmglocken. Den Test gegen Washington in Rio de Janeiro ließ der Rückkehrer ausfallen - wegen erneuter Knieschmerzen.

Rose beeilte sich jedoch in der "Chicago Tribune" den drohenden medialen Flächenbrand im Keim zu ersticken: "Ich hätte auch spielen können. Es ist kein Problem, ich werde im nächsten Spiel wieder dabei sein."

Die Verantwortlichen um Coach Tom Thibodeau wollen ihren wertvollsten Baustein mit so wenig Risiko wie möglich wieder in das Mannschaftsgebilde einsetzen.

Konzentration wieder auf das Spiel

Aufgeblüht ist Rose schon mit Beginn der Vorbereitung. Einem der introvertiertesten NBA-Stars ist dieser Tage richtig anzumerken, wie wohl er sich auf dem Court fühlt.

Die Hängepartie um das ständig verschobene Comeback im Frühjahr, die wenig zimperlichen Medien in Chicago und der öffentliche Streit seines Bruders mit den Bulls setzten "D-Rose" zu.

Dass ihm in seiner Heimatstadt fehlender Biss und eine absichtlich verschleppte Rückkehr vorgeworfen wurden, traf den Point Guard "sehr unvorbereitet. Dieses Echo hatte ich nicht erwartet".

Rose im Angriffsmodus

Nicht zuletzt deshalb ist Rose noch heißer auf den Saisonstart am 30. Oktober. Auf den Kracher bei Titelverteidiger Miami arbeitet der immer noch erst 25-Jährige hin. (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan)

Er will es den Kritikern zeigen: "Ich bin wieder da und aggressiver als je zuvor. Wer sich mir in den Weg stellt, wird gekillt. Das könnte sogar meine Mutter sein - das wäre mir egal."

Rose wählt diese martialischen Worte bewusst, denn er muss das skeptische Umfeld wieder zurückgewinnen. Mit offenen Armen empfängt ihn die "Windy City" nicht gerade zurück.

Erklärung für Playoff-Abstinenz

Zu allgegenwärtig sind in der Stadt, die nicht zuletzt im Sport speziell die Arbeitstiere schätzt, die Erinnerungen an den großen Kampf der größtenteils angeschlagenen Bulls in den Playoffs 2013.

Joakim Noah, Luol Deng und Co. schleppten sich zum Überraschungserfolg über die neureichen Brooklyn Nets, während Rose seit Monaten nur mittrainierte.

"Ich hatte das Gefühl, nicht gegen eine Doppelbewachung anzukommen. Das wäre in den Playoffs aber nötig gewesen, um dem Team zu helfen. Deswegen musste ich mich so entscheiden", erklärte Rose seinen Verzicht mit einigen Wochen Abstand.

Viele Höhen und Tiefen

Dabei sollte der jüngste MVP aller Zeiten den sechsmaligen Meister zu alter Größe der Ära Michael Jordans führen, stattdessen droht nun der "Threepeat"der ungeliebten Heat.

Rose weiß, dass ihn wohl nur eine Meisterschaft zum großen Liebling machen wird. "Das ist es, was mich antreibt. Das ist das einzige, was in meinem Lebenslauf noch fehlt", bestätigt der Weltmeister von 2010.

In der Tat hat kaum ein Spieler in diesem Alter schon so viel erlebt: High-School-Phänomen, College-Titel mit Memphis in letzter Sekunde verpasst, akademische Ungereimtheiten, Heilsbringer in der Geburtsstadt, gehypter Jordan-Erbe, jüngster MVP, Werbe-Ikone der fränkischen drei Streifen, Buhmann für das Playoff-Aus 2011 und die Verletzungssaga - die Liste ist scheinbar endlos.

Distanzwurf verbessert

Diese Erfahrungen halfen Rose im schwierigen Kampf um den Neustart seiner Karriere: "Alles passiert aus einem bestimmten Grund. Die Kritik und Zweifel kann ich nicht aufhalten, sondern nur mit Leistung verstummen lassen."

Die Zwanspause hat der dreimalige All-Star intensiv genutzt, um an seinem Distanzwurf zu arbeiten. "Da hat er große Fortschritte gemacht und eine neue Waffe im Arsenal", sagt Thibodeau. Auch seine Hoffnung heißt: Rose reloaded.

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