Dennis Schröder wurde 1993 in Braunschweig geboren
Dennis Schröder war 2013 Most Improved Player der Beko BBL © getty

Im zweiten NBA-Test setzt Dennis Schröder den Siegtreffer. Die Kollegen sind begeistert. Formt ihn der Coach zum nächsten Parker?

Von Eric Böhm

München/Asheville - Ein dynamisches Dribbling, verknotete Beine bei Gegenspieler Jannero Pargo und eine Bogenlampe mit etwas Glück: Dennis Schröder hat sein erstes NBA-Highlight hingelegt.

Das deutsche Ausnahmetalent bescherte den Atlanta Hawks im Vorbereitungsspiel bei den Charlotte Bobcats mit seinem Treffer 2,1 Sekunden vor Schluss den Sieg.

"Während des Spiels hatte ich nicht gut getroffen. Ich wollte den letzten Wurf unbedingt nehmen und war sehr selbstsicher", sagte Schröder im Anschluss.

Lob vom Coach

Genau dieses Selbstvertrauen gepaart mit seinen exzellenten physischen Voraussetzungen machten den 20-Jährigen zum ersten deutschen Top-20-Draftpick seit Dirk Nowitzki.

"Das war für Dennis großartig. Er hat immer weitergemacht und attackiert. Dass er diese Chance genutzt hat, zeigt seinen Glauben an sich selbst", lobte Coach Mike Budenholzer.

Der ehemalige Assistent bei den San Antonio Spurs ist eines der Mitglieder der immer größer werdenden Fangemeinde Schröders - selbst Nowitzki folgt ihm schon bei Twitter. (780356DIASHOW: Die überbezahltesten NBA-Profis)

Gute Chance auf Backup-Rolle

Bereits während der Summer League überschlugen sich Experten und Lokalzeitungen ob des gigantischen Potenzials ihrer Neuerwerbung.

Der ehemalige Braunschweiger wird schon, wie nahezu jeder bekannte Dennis im englischsprachigen Raum, in Anlehnung an den gleichnamigen Comic "Dennis the Menace" genannt.

Eine Bedrohung stellt Schröder neben den Gegenspielern in erster Linie für die Hawks-Guards Royal Ivey und Shelvin Mack dar, die im Kampf um die Backup-Position hinter Starter Jeff Teague schlechte Karten haben.

Aufstieg wie Parker?

Schließlich formte Budenholzer in San Antonio gemeinsam mit Gregg Popovich schon Spielmacher Tony Parker zum All-Star.

Schröder bringt ähnliche Anlagen mit. Vor allem die im jungen Alter schon sehr ausgeprägte mentale Stärke beeindruckt auch die Teamkollegen.

"Da gehört als Rookie schon etwas dazu. Nach einigen Fehlwürfen dieses Ding reinzumachen, wird ihn noch selbstbewusster machen. Ich freue mich sehr für ihn", sagte Neuzugang Elton Brand, der in der vergangenen Saison noch mit Nowitzki in Dallas spielte.

Distanzwurf als Schwäche

Abgesehen von seiner Dynamik mit dem Ball arbeitet er auch in der Verteidigung sehr hart. Durch die große Spannweite hat er gegenüber vielen Point Guards einen entscheidenden Vorteil.

Vor allem der Wurf aus Mittel- und Langdistanz bedarf aber noch Verbesserung. Bei Michael Jordans Bobcats verfehlte Schröder vor seinem Game-Winner elf von 14 Versuchen aus dem Feld.

Nur einer von sieben Dreiern fiel. Das Verhältnis von Assists zu Ballverlusten (7:5) macht zudem deutlich, dass ihm auf diesem Level noch die nötige Erfahrung und Ruhe fehlen. Am Sonntag kann er beim nächsten Test gegen die New Orleans Pelicans weiter dazulernen.

Baustein für die Zukunft

Dennoch: Die Hawks halten große Stücke auf ihr Juwel.

Der Sprung aus einem Mittelklasse-Team der Beko BBL in die NBA und in ein völlig neues Spielsystem ist ihm schon jetzt besser gelungen, als die Verantwortlichen zu hoffen wagten.

Mit den erfahrenen Teague, Al Horford, Lou Williams und Paul Millsap soll Schröder zu einem Team wachsen, das mittelfristig in der Spitze der Eastern Conference mitmischen kann. Dann würde Dennis auch für Miami, Chicago und Co. zu "The Menace".

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