Elias Harris, Dennis Schröder und Tim Ohlbrecht (v.l.) wollen sich in der NBA etablieren © getty

Es gibt so viele Deutsche wie nie in der NBA. Nur wenige packen es direkt. Der DBB-Trainer plädiert für die heimische Ausbildung.

Von Martina Farmbauer

München - Alle Wege führen nach Rom, heißt es ja bekanntlich. Und manche Wege führen in die NBA.

So schwer der Weg in die beste Liga der Welt auch sein mag, von Oktober an werden womöglich fünf deutsche Spieler dort vertreten sein . Außer All- und Altstar Dirk Nowitzki sind dies Chris Kaman sowie die Neulinge Tim Ohlbrecht, Dennis Schröder und Elias Harris. So viele waren es noch nie (Bericht).

Aber die wenigsten haben es auf dem deutschen Weg geschafft, ohne in den USA für sich zu werben. Das deutlichste Beispiel hierfür ist Tim Ohlbrecht, dessen Träume nach sieben Jahren in der Beko BBL bereits geplatzt zu sein schienen, bevor er sich im NBA-Unterbau präsentierte.

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Menz verteidigt Europa

Von den Dreien, die in der NBA Fuß fassen wollen, ist allerdings nur Dennis Schröder den gerade zu klassischen Weg über die Jugend- und Reserveteams in die erste Mannschaft der Phantoms Braunschweig gegangen. Doch auch er musste erst beim "Hoop Summit" in den USA auf sich aufmerksam machen, um das Interesse eines NBA-Klubs zu wecken.

Während international der Trend hin zum College - wie ihn auch Harris vor vier Jahren an der Gonzaga University einschlug - geht, ist ein Wechsel in das US-System für Bundestrainer Frank Menz nicht der Königsweg in Nowitzkis Fußstapfen.

Man könne sich in Europa genauso gut oder sogar besser präsentieren. "In der Euroleague oder in der Nationalmannschaft Leistung zu bringen, ist das Gütesiegel Nummer eins", betont Menz bei SPORT1 - nicht ohne Harris und Ohlbrecht einen Seitenhieb zu verpassen: "Und wertvoller als im College oder in der D-League zu spielen."

Kaum Einsatzzeit auf Topniveau

Dennoch fällt auf, dass sich deutsche Talente - nicht zuletzt wegen mangelnder Einsatzzeiten bei den Spitzenteams - in der heimischen Liga nur schwer weiterentwickeln können. Ohlbrecht ist dafür das klassische Beispiel.

Seine BBL-Minuten nahmen immer weiter ab und mündeten 2011 in Arbeitslosigkeit, ehe er erfolgreich den Umweg über die Rio Grande Valley Vipers in der Development-League nach Houston nahm.

Die Rolle des Deutschen Basketball Bundes (DBB) bei der Ausbildung sieht Menz naturgemäß anders.

"Wir entwickeln Spieler so gut wir es können für die Nationalmannschaft und für das höchste europäische Niveau. Dann, wenn sie höchstes europäisches Niveau haben, haben sie die Chance, in die NBA zu kommen", sagt Menz.

Geschwindner: "Amiland" der einzig richtige Weg

Dirk Nowitzki war vor Schröder aber der bisher letzte, dem der Sprung aus dem deutschen Ligasystem direkt in die NBA gelungen ist. Nachdem er die DJK Würzburg in die BBL geführt hatte, wurden Scouts auf Nowitzki aufmerksam - und die Dallas Mavericks verpflichteten ihn.

Aber Nowitzki hatte auch Mentor Holger Geschwindner quasi als Personal Coach zur Seite, der ihn förderte.

An die US-Härte müssen sich junge Spieler aus dem Ausland bisweilen erst einmal gewöhnen. Und durch die enge Taktung - zum Teil stehen in den USA drei Spiele in vier Tagen an - entsteht eine viel höhere Belastung - aber auch eine Abhärtung für das Profigeschäft.

"Jeder, der etwas werden will, muss nach Amiland gehen. Da erzähle ich ja nichts Neues", sagte Geschwindner bei SPORT1, als bekannt wurde, dass Ohlbrecht einen Dreijahresvertrag von den Rockets bekommen hatte.

Technische Unterschiede

Das europäische Spiel selbst ist allgemein technischer als das US-amerikanische. Dieses wiederum ist schneller, athletischer und körperbetonter.

"Generell ist zu beobachten, dass die Spielweise eher weniger teamorientiert ist und wichtige Aspekte des europäischen Spiels wie Pick-and-Roll-Verhalten kaum eine Rolle spielen", sagte Frank Menz nach dem ersten NCAA-Spiel in Europa im vergangenen November.

Je länger sich ein Spieler dagegen hier in einer Spitzenmannschaft ausbilden lasse, umso mehr profitiere er später. Andererseits ist aber auch klar: "Wenn man wie Dennis einen Zwei-Jahres-Vertrag in der NBA unterschreiben kann, braucht man nicht darüber nachzudenken. Mit den besten Spielern der Welt zu trainieren und zu spielen, macht besser."

Kein generelles Rezept

Unabhängig davon, steckt hinter einem Wechsel meistens eine individuelle Entscheidung, in die mehrere Faktoren einfließen. So gehen viele Jugend-Nationalspieler in die USA, weil sie dort Familie haben oder denken, dass sie Studium und Basketball besser verbinden können.

Der DBB versucht, dem gezielte Programme für die Jugend entgegenzusetzen. Fast alle Bundesligaklubs sind inzwischen bestrebt, einen Unterbau zu haben sowie Kooperationen mit Schulen einzugehen.

Damit noch mehr Spieler Dennis Schröders Weg in die NBA nehmen.

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