Die Mavericks liefern in Memphis ein Spiegelbild der verkorksten Saison. Nowitzki ist konsterniert und schreibt den Rasierer ab.

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Von Eric Böhm

München/Memphis - Die blauen Trikots hingen nach der Schlusssirene wie nasse Säcke an den Dallas Mavericks.

Zum dritten Mal in Folge hatte der Ex-Meister um Dirk Nowitzki eine schmerzhafte Niederlage erlitten. In Memphis (Bericht) reichte auch ein gewaltiger 25-Punkte-Vorsprung nicht aus (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Am Ende war es wie so oft in dieser verkorksten Saison: Starke Phasen machen sich die Mavs mit unfassbaren Ballverlusten, haarsträubender Wurfauswahl und lethargischer Verteidigung wieder kaputt.

"Oh Gott, es sind mittlerweile so viele Tiefpunkte. Ich weiß nicht einmal, ob das heute wirklich der tiefste ist", stöhnte ein sichtlich entgeisterter Nowitzki.

Nowitzki pessimistisch

Der 34-jährige MVP von 2007 erweckt nach dem neuerlichen Debakel trotz aller Durchhalteparolen den Eindruck, er habe die 13. Playoff-Teilnahme in Folge endgültig abgehakt.

Dabei wiegen die unfassbaren Aussetzer der im Eilverfahren notdürftig zusammengestellten Truppe wesentlich schwerer als die nackten Zahlen.

"Wenn wir nicht einmal diese Teams aus dem Osten schlagen, brauchen wir nicht von den Playoffs zu sprechen", hatte Nowitzki bereits nach der Pleite gegen Milwaukee (Bericht) gesagt (SERVICE: Der SPORT1-Nowitzki-Watch).

Kaum Hoffnung

Bei noch 25 ausstehenden Partien wäre Dallas (25 Siege - 32 Niederlagen) im Normalfall durchaus zuzutrauen, den Rückstand auf die letzten Playoff-Plätze der Western Conference noch aufzuholen.

Denn Utah (31:27) und Tim Ohlbrechts Houston Rockets (31:28) sind ebenso wenig übermächtig, wie die ebenfalls hinterherhinkenden L.A. Lakers (28:30).

Allein es fehlt der Glaube: Die Mavs sind die drittschwächste Abwehr der NBA und schafften bisher ganze neun Auswärtssiege (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Müssen perfekt sein"

Im Zuge der stetigen Verwässerung des Meisterkaders von 2011 ging zudem die größte Stärke des magischen Laufes hin zum Titel verloren.

Von 19 Partien, die in der Verlängerung oder mit höchstens fünf Punkten Unterschied entschieden wurden, gewannen die Texaner nur fünf ( 680723 DIASHOW: Die Bilder der 18. Woche ). Der Killerinstinkt fehlt.

Selbst der sonst so nervenstarke Nowitzki ließ sich - auch durch seinen späten Saisonstart und den langsamen Formaufbau - von der kollektiven Schwäche in der "Crunch Time" anstecken.

"Unser Spielraum für Fehler ist extrem klein. Wir müssen alle perfekt sein. Die Ballverluste und Konzentrationsschwächen kriegen wir einfach nicht in den Griff", haderte Coach Rick Carlisle.

Ohlbrecht: Debüt gegen Mavs?

Den aus deutscher Sicht wenig erfolgreichen Tag machte Tim Ohlbrechts Nicht-Debüt bei den Houston Rockets perfekt (GESCHWINDNER: Ohlbrecht zeigt, wo's langgeht).

Für den 24-jährigen Center wird es nun in der täglichen Arbeit darum gehen, Coach Kevin McHale von sich überzeugen. Vielleicht kommt es am Wochenende im Duell mit den Mavs (ab 1 Uhr LIVESCORES) zum Einstand.

Zumindest um den aktuelle Position in der Tabelle dürfte sein großes Vorbild Ohlbrecht beneiden. Denn auch die Bart-Aktion der Mavs - keine Rasur, bis die Sieg-Niederlagen-Bilanz ausgeglichen ist - trägt keine Früchte.

"Wir werden uns wohl an sie gewöhnen müssen. Uns fehlen sieben Siege auf eine ausgeglichene Bilanz. Gefühlt sind es noch mehr", verabschiedete sich "Dirkules" gedanklich vom Rasierer (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

Ernüchternde Bilanz

Der Auftritt gegen die zu einem schlagkräftigen Team zusammengewachsenen Grizzlies war gleichzeitig Spielgelbild und Krönung frustrierender Monate.

Nur dreimal in der Teamgeschichte wurde ein größerer Vorsprung verspielt. Im dritten Viertel gab es mehr Ballverluste (7) als Punkte (5).

Ob es fehlendes Vertrauen von Carlisle oder schlicht mangelnde Klasse ist, sei dahingestellt. Aber: Darren Collison ist nicht die Zukunft auf der Spielmacherposition.

Kaman entlarvt

Auch das Start-Experiment mit dem Duo Chris Kaman und Nowitzki sollte aufgrund eklatanter Abwehrschwächen endgültig der Vergangenheit angehören.

Zach Randolph und Marc Gasol deckten die Schwächen unter dem Korb schonungslos auf.

Eigner Mark Cuban und Teampräsident Donnie Nelson sollten schon jetzt den Blick auf den Sommer richten, um mit der vollen Kriegskasse wieder ein erfolgversprechendes Team zu bauen.

Ansonsten drohen Nowitzkis letzte gute Jahre zu einer sportlichen Farce mit nur noch statistischer Bedeutung zu verkommen.

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