Der Superstar brilliert, fordert von sich wegen Dallas' Endspurt-Schwäche aber Perfektion. In Memphis will O.J. Mayo helfen.

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Von Eric Böhm

München - Auf den ersten Blick ist es ein Paradoxon: Dirk Nowitzki hat seine gewohnte Form gefunden, die Dallas Mavericks taumeln aber weiter durch die Saison.

Beim ernüchternden 90:95 gegen Milwaukee (Bericht) gelang dem 34-Jährigen sein erstes Spiel seit zehn Jahren mit mindestens 20 Punkten und 20 Rebounds.

Die überdeutlichen Schwächen des aktuellen Kaders kann aber auch der wiedererstarkte Finals-MVP von 2011 nicht übertünchen.

"Dirk macht seinen Job. Es ist offensichtlich, dass wir ihm helfen müssen", bestätigt O.J. Mayo, der diesen Worten zuletzt nur bedingt Taten vorangehen ließ.

Nowitzki übt Selbstkritik

Beim Gastspiel in Memphis (ab 2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) hat der Shooting Guard noch eine Rechnung offen. Im Dezember kam er im ersten Duell mit seinem Ex-Team nur zu zehn Punkten.

Die besten Partien einer insgesamt ordentlichen Saison lieferte Mayo jedoch noch vor Nowitzkis verspätetem Saisoneinstand. In der "Crunch Time" taucht der 25-Jährige zudem regelmäßig ab.

"Die letzten zwei, drei Minuten sind meine Zeit. Daran messe ich mich. In so einem Spiel wie heute, muss ich dann perfekt sein. Das war ich nicht", erklärt Nowitzki (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

Fehlender Killerinstinkt

Der Führungsanspruch des Würzburgers ist aufgrund vergangener Heldentaten logisch, trotzdem wäre etwas Unterstützung vonnöten, um doch noch einmal in das Playoff-Rennen eingreifen zu können.

Gegen die Bucks und L.A. Lakers (Bericht) fehlte es für Nowitzki in den Schlussminuten an Anspielstationen im statischen Angriff - vom einen oder anderen wichtigen Treffer ganz zu schweigen ( 680723 DIASHOW: Die Bilder der 18. Woche ).

"Es ist eine der größten Enttäuschungen dieser Saison, dass wir es immer wieder schaffen, knappe Spiele zu verlieren", betont Coach Rick Carlisle.

Zu wenige Häuptlinge

Die Abgänge der coolen Führungsspieler Jason Terry oder Jason Kidd wurde zwar vom Standpunkt des Talents ersetzt, aber ihre mentale Stärke und hervorragende Abstimmung mit Nowitzki fehlt (SERVICE: Der SPORT1-Nowitzki-Watch).

Ballverluste wie der desaströse Fehlpass ins Publikum, der die Pleite gegen Milwaukee krönte, sind die logische Folge.

"Statistiken bedeuten bei einer Niederlage nichts. Ich war heute am Ende nicht sehr gut. Ich muss einen Weg finden, solche Spiele zuzumachen", übt "Dirkules" Selbstkritik.

Rückstand wird nicht kleiner

In den vergangenen drei NBA-Partien kam der zukünftige Hall-of-Famer auf durchschnittlich 25,3 Punkte und 13,3 Rebounds pro Partie bei einer Wurfquote von über 55 Prozent.

Dennoch verliert Dallas (25 Siege - 31 Niederlagen) immer mehr Boden auf die letzten Playoff-Ränge, die von Utah (31:26) und Tim Ohlbrechts Houston Rockets (31:27) belegt sind.

Es muss schon ein kleines Wunder oder Nowitzkis selbstbeschworene Perfektion her. Ansonsten müssen sich die Mavericks erstmals seit zwölf Jahren die K.o.-Runde von der heimischen Couch aus anschauen.

Schwache Bilanz in Memphis

Dass bei den Grizzlies der Auftakt zu einer Siegesserie gelingt, ist äußerst unwahrscheinlich. Keiner der letzten vier Auftritte in Tennessee wurde gewonnen.

Auch Nowitzki fühlt sich dort nicht sonderlich wohl. In den vergangenen drei Gastspielen gelangen ihm insgesamt nur ganze 25 Punkte.

Memphis (37:18) setzt seinen Aufwärtstrend der letzten Jahre auch ohne Mayo und den kürzlich abgegebenen Topscorer Rudy Gay fort. Dem Vierten der Western Conference winkt der achte Sieg in Folge (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Der Schlüssel ist für uns immer die Abwehr. Da haben wir noch einmal einen Schritt nach vorn gemacht", erklärt Cheftrainer Lionel Hollins das Erfolgsrezept.

Krasser Gegensatz

Die letzten drei Kontrahenten kamen im Schnitt nicht über 79 Zähler hinaus. Das dynamische Big-Men-Duo Marc Gasol und Zach Randolph wurde noch durch Ed Davis ergänzt.

Tayshaun Prince (aus Detroit) brachte neben exzellenter Verteidigung auch ein gehöriges Stück Playoff- sowie Meisterschaftserfahrung mit.

Als gewachsene und punktuell ergänzte Einheit stellen die Grizzlies in vielerlei Hinsicht den Gegenentwurf zu den aktuellen Mavs dar.

Dallas' notdürftig zusammengeflickte Haufen aus ordentlichen Einzelspielern steuert so oder so dem nächsten Umbruch im Sommer entgegen.

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