Tim Ohlbrecht (M.) gewann 2008 mit den Brose Baskets Bamberg die Deutsche Meisterschaft © getty

Nowitzkis Mentor lobt den NBA-Neuling bei SPORT1 für dessen Umweg über die D-League. Die Trainer in Deutschland kritisiert er.

Von Christoph Lother und Martin Hoffmann

München - Die Nachricht, dass sich Tim Ohlbrecht seinen Traum vom Sprung in die NBA erfüllt hat, verbreitete sich wie ein Lauffeuer (BERICHT: Rakete Ohlbrecht - Aus dem Nichts in die NBA).

Ob sein ehemaliger Teamkollege aus der deutschen Nationalmannschaft, Jan-Hendrik Jagla, oder Bundestrainer Frank Menz: alle freuten sie sich für den 2,10-Meter-Hünen.

Auch Dirk Nowitzki jubelte bei Twitter: "Gratulation an Tim Ohlbrecht. Sich durch die D-League zu kämpfen, ist verdammt schwer. Riesen Respekt. Willkommen in der NBA!"

Holger Geschwindner, Entdecker und langjähriger Mentor von Nowitzki, frohlockte bei SPORT1: "Das ist eine tolle Sache, da braucht man nicht darüber zu diskutieren."

Umweg über die Development-Liga

Die Tatsache, dass Ohlbrecht für seine überzeugenden Leistungen bei den Rio Grande Valley Vipers in der Development League belohnt und von den Houston Rockets nun mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet wurde, nötigt Geschwindner Respekt ab (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

"Er ist nach Amerika gegangen, hat es in der Development-Liga zum All-Star geschafft und hat nun die NBA-Chance", fasst er den schweren Weg des mittlerweile 24-jährigen Centers zusammen und betont: "So eine Chance muss man erstmal haben."

Von der Beko BBL aufs Abstellgleis

Es ist eine Chance, auf die Ohlbrecht lange hinarbeiten musste ( 680742 DIASHOW: Tim Ohlbrechts Karriere ).

Denn nach einigen mal mehr, mal weniger erfolgreichen Jahren bei den Brose Baskets Bamberg, den Telekom Baskets Bonn und den Fraport Skyliners landete der gebürtige Wuppertaler im Sommer 2012 plötzlich endgültig im Abseits.

Geschwindner: "Amiland" der einzig richtige Weg

Erst mit dem Draft zu den Springfield Armor im November vergangenen Jahres endeten für Ohlbrecht die ernüchternden Monate der Vereins- und Arbeitslosigkeit.

Ein Schritt, der nach Ansicht von Geschwindner der einzig richtige war: "Er hat es richtig gemacht: Jeder, der etwas werden will, muss nach Amiland gehen. Da erzähle ich ja nichts Neues", sagt er gegenüber SPORT1 und fügt hinzu: "Dirk hat es so ja auch geschafft und ist an allen vorbeigekommen." (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop)

An allen vorbeigekommen ist Ohlbrecht mit dem Aufstieg zum insgesamt achten deutschen NBA-Profi nach Frido Frey, Uwe Blab, Christian Welp, Detlef Schrempf, Shawn Bradley, Chris Kaman und eben Nowitzki zwar noch nicht, der Tausch von Springfield Armor zum Farmteam der Rockets erwies sich für ihn aber schon jetzt als Glücksfall.

Nowitzki-Mentor hinterfragt Trainer in Deutschland

Glück, das Ohlbrecht in der Heimat lange Zeit fehlte.

"In Deutschland wollte ihn keiner haben - da muss man sich schon überlegen, was die Trainer hier so treiben", kann sich Geschwindner einen entsprechenden Seitenhieb nicht verkneifen.

Die Verwunderung des 67-Jährigen ist nicht ganz unberechtigt, brachte es Ohlbrecht bei den Vipers doch immerhin auf durchschnittlich 13,4 Punkte und 7,4 Rebounds in etwas mehr als 26 Minuten pro Partie.

Duell mit Kaman und Nowitzki?

Was sein mögliches NBA-Debüt gegen die Milwaukee Bucks (ab 2 Uhr LIVESCORES) betrifft, wäre Ohlbrecht wohl auch schon mit deutlich weniger als 26 Minuten zufrieden.

Doch allein die Tatsache, dass bei der Partie zwischen den Rockets und den Dallas Mavericks am Sonntag (ab 1 Uhr LIVESCORES) mit Ohlbrecht, Kaman und Nowitzki gleich drei deutsche Athleten auf dem Parkett stehen könnten, dürfte hierzulande für Begeisterung sorgen.

Chance für den deutschen Basketball

Überhaupt könnte der Aufstieg des in Deutschland lange Zeit unter Wert gehandelten Ohlbrecht im Nachhinein auch Auswirkungen auf die Beko BBL haben.

"Es wird jetzt auch in Deutschland spannender, dadurch, dass Svetislav Pesic die Latte hochlegt", hofft jedenfalls Geschwindner und verweist auf die vielversprechende Arbeit des aktuellen Bayern-Trainers.

Damit spielt er auf die unter Pesic deutlich wichtigere Rolle der einheimischen Profis Robin Benzing, Jagla oder auch Steffen Hamann an. Offenbar kann man auch mit deutschen Akteuren vorn mitspielen.

Wenn sich diese Erkenntnis auch woanders durchsetzt, fallen vielleicht demnächst Talente wie Ohlbrecht nicht mehr durch den Rost.

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