Tim Ohlbrecht kommt von den Rio Grande Valley Vipers zu den Rockets © Reibert

Tim Ohlbrecht erhält bei den Rockets einen langfristigen Vertrag. Die Schinderei lohnt sich. Das erste Duell mit Nowitzki winkt.

Von Eric Böhm

München/Houston - Urplötzlich ist das einstige Supertalent wieder in aller Munde: Tim Ohlbrecht hat sich seinen Traum von der NBA erfüllt.

Der Center erhielt inklusive der laufenden Saison einen Dreijahresvertrag bei den Houston Rockets und wird nach Dirk Nowitzki und Chris Kaman zum dritten Deutschen in der besten Liga der Welt (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Nach Kurzzeitverträgen in der Beko BBL und Arbeitslosigkeit bis November 2012 trumpfte Ohlbrecht mit Topleistungen im Farmteam der Rockets auf und schaffte es sogar zum All-Star in der Developmental League.

"Ich habe es geschafft! Kann es kaum glauben. Mein Traum ist jetzt Realität. Danke an alle, die mich auf meinem Weg unterstützt haben!", schrieb Ohlbrecht auf der Internet-Plattform Instagram.

Potenzial wieder ausgeschöpft

Statt sich in Deutschland im Zuge der 6+6-Regelung zum nächsten gut dotierten Engagement als Bankdrücker zu hangeln, wählte Ohlbrecht den schweren Weg.

Der Nationalspieler ging für ein Taschengeld in die Entwicklungsliga der NBA und landete bei den Rio Grande Valley Vipers (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

Dort spielte der immer noch erst 24-Jährige die Qualitäten aus, die ihm einst Vergleiche mit Vorbild Dirk Nowitzki einbrachten. Trotz einer Größe von 2,10 Meter ist Ohlbrecht sehr beweglich, dynamisch und mit einem guten Händchen aus der Mitteldistanz ausgestattet. Auch krachende Dunkings gehören zu seinem Repertoire.

"Es zeugt von großem Willen und Ehrgeiz, den harten Weg durch die D-League zu gehen. Er musste sich richtig durchbeißen und sich jeden Tag beweisen - und das in einem Team, in dem eigentlich jeder Spieler nur für seine Statistiken spielt", lobte Bundestrainer Frank Menz.

Harte Arbeit mit Privattrainer

Im System der Vipers - das auch Coach Kevin McHale bei den Rockets praktiziert - kam der Wuppertaler durchschnittlich auf 13,4 Punkte sowie 7,4 Rebounds in etwas mehr als 26 Minuten pro Partie.

Das mehr auf Athletik ausgerichtete Spiel kommt Ohlbrecht im Vergleich zum taktischen Stil in Europa sehr stark entgegen.

Zudem zahlt sich nun die Schufterei der Sommer 2011 und 2012 aus. Angesichts einer ungewissen Zukunft hatte er damals auf eigene Kosten einen Privattrainer engagiert und unter anderem in New Jersey täglich bis zu 1200 Würfe abgegeben.

"Ich bin mental stärker und gebe jeden Tag 100 Prozent", hatte der Olympiateilnehmer von 2008 schon damals sein größtes Handicap erkannt.

Aufeinandertreffen mit Nowitzki

Starke Auftritte - wie bei seinem 50. Länderspiel gegen Finnland oder dem Allstar Game der Beko BBL 2008 - wurden häufig von phlegmatischen Spielen im Liga-Alltag überlagert.

Die nötige Aggressivität und Konstanz fehle, lautete oftmals das Expertenurteil. Im Herbst 2011 holten ihn die Fraport Skyliners zunächst sogar nur auf Bewährung.

Am Sonntag tritt er nun mit den Rockets gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks an (ab 1 Uhr LIVESCORES). Vorher tritt Houston in der Nacht auf Donnerstag (ab 2 Uhr LIVESCORES) gegen Milwaukee an.

Dabei wird Ohlbrecht das Trikot mit der Nummer 14 überstreifen und möglicherweise als insgesamt achter deutscher Akteur zum NBA-Einsatz kommen.

Uwe Blab, Christian Welp, Detlef Schrempf und Frido Frey waren vor der aktuellen Generation die einzigen Basketball-Exporte. Hüne Shawn Bradley war wie Kaman einst eingebürgert worden. "Glückwunsch, Tim Ohlbrecht! Lebe deinen Traum", gratulierte DBB-Kollege und Bayern-Spieler Jan-Hendrik Jagla via Twitter.

Spielzeit winkt

Ein Vertragsangebot der Boston Celtics über zehn Tage hatte er unlängst noch abgelehnt. Nun darf er bis Saisonende bei den Rockets auf sich aufmerksam machen ( 678317 DIASHOW: Die Bilder der 17. Woche ).

Die Jahre zwei und drei sind einseitige Teamoptionen. Spielzeit winkt dem 84-maligen Nationalspieler durchaus, denn die Rockets gaben zuletzt einige Big Men ab.

Ohlbrecht wird sich wohl vor allem mit Greg Smith um Spielzeit hinter dem türkischen Starter Ömer Asik duellieren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Tim hat in der D-League großartige Leistungen gezeigt", war Manager Daryl Morey voll des Lobes.

"Ganz neue Erfahrung"

Mit einer Limousine wurde Ohlbrecht von seinem Hotel zum medizinischen Check-Up und der folgenden Vertragsunterzeichnung chauffiert. Das Vertrauen der Rockets ist da.

"Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Der Coach stimmt Spielzüge auf mich ab und ich werde nach einer schlechten Aktion nicht sofort ausgewechselt", bestätigte Ohlbrecht unlängst bei "Draftexpress.com".

Diese Wertschätzung hatte er in Bamberg, Bonn, Frankfurt oder auch im Nationalteam selten erfahren. Der Glaube an die eigene Stärke kann offenbar in der Tat Berge versetzen.

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