Der Wurf, der die Finals 1998 entschied: Michael Jordan lässt Russell alt aussehen © getty

SPORT1-Kommentator Manfred Winter gratuliert Air Jordan, kürt dessen größten Wurf und meint, es hätte sein letzter sein sollen.

Happy Birthday, MJ!

Der größte Basketballer aller Zeiten feiert Geburtstag - und erhält beim All-Star Game in Houston die passende Bühne.

Im Südwesten der USA hätte seine Karriere als Spieler auch enden sollen, meine ich. 1998 - nach seinem größten Wurf und dem sechsten NBA-Titel.

Ich durfte damals die Finals gegen die Utah Jazz kommentieren und somit auch die entscheidende Szene in Spiel 6, in der Jordan sich seines Gegenspielers Bryon "Don?t call me Byron" Russell entledigte und dann per Sprungwurf vollstreckte.

Mit den Basketball-Handwerkern aus Utah und den glamourösen Chicago Bulls prallten ja Gegensätze aufeinander.

"Air" Jordan ragte aus Chicagos Starensemble noch mal heraus. Und das, obwohl er ganz normal, ohne Arroganz auftrat, so wie ich es erlebt habe.

Aber auf dem Feld war er der souveräne Herrscher, bei dem ich immer das Gefühl hatte, dass er alles im Griff hatte.

Ihm eilte eine unvorstellbare Aura voraus. Eindrucksvoll erlebt habe ich das beim All-Star Weekend 1997, seinem zweiten nach seiner zweijährigen Baseball-Pause.

Nach einem öffentlichen Training waren zunächst die All-Stars des Westens 15 Minuten lang für die Journalisten zu sprechen, dann kamen die des Ostens - angeführt von Jordan - hinzu.

Schlagartig brachen alle, wirklich alle ihre Interviews ab, um sich auf MJ zu stürzen.

Es war eine regelrechte Hysterie. Ich dachte: Die überrennen den jetzt. Aber er ist ganz entspannt geblieben und hat die Fragen beantwortet, bis die Ordner nach Ablauf der Zeit die Traube auflösen mussten.

Bis heute verkörpert Jorden all das, was man unter einem Idol versteht. Der Slogan "Be like Mike" wurde damals ja von einer ganzen Generation verinnerlicht.

Jordan war für mich der perfekte Basketballer: Hätte man diesen kreieren wollen, wäre an Athletik, Eleganz, Spielverständnis und Siegeswillen genau MJ herausgekommen.

LeBron James traue ich nicht zu, an Jordans Status heranzureichen. Athletisch ja, aber die Mismatches und Lücken in einer Abwehr kann er nicht so erkennen und ausnutzen, wie es Jordan tat.

Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Jordan sich sein zweites Comeback 2001 erspart hätte. Damit hat er sich keinen Gefallen getan, schließlich konnte er den Abschluss mit dem Gamewinner in Utah nicht mehr toppen!

Auch konnte er die Maßstäbe, die er unendlich hoch gesetzt hat, athletisch nicht mehr erfüllen mit 38 Jahren - auch wenn die Gegner ihm noch immer ehrfurchtsvoll gegenüberstanden.

Auch als Manager konnte er den immensen Erwartungen nicht gerecht werden - weder bei den Washington Wizards noch bei den Charlotte Bobcats.

Sein Draft-Fehlgriff von 2001, als er mit dem ersten Wahlrecht Kwame Brown rekrutierte, ist ja legendär geworden.

Ich wünsche ihm für die Zukunft auch als Macher Erfolg. Allerdings ist Jordan dabei von so vielen Menschen und so vielen Faktoren abhängig, dass er ein dickes Fell braucht und noch einige Rückschläge verkraften muss.

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