Stephan Baeck gratuliert MJ bei SPORT1 zum 50. Dabei erinnert er sich an VHS-Kassetten, ein Schuh-Verbot und sein Duell 1992.

Vielen Dunk, Michael Jordan!

Glückwünsche zum 50. Geburtstag an einen, der immer noch über allen anderen thront und unser aller Leben beeinflusst und verändert hat.

Meine ersten Erinnerungen an Michael Jordan gehen zurück in die Zeit, als NBA- oder College-Spiele nur über einen amerikanischen Videoversand erhältlich waren.

Man konnte jede Woche zwei Spiele der jeweiligen Lieblingsmannschaften per Post bekommen. Ich erinnere mich noch, wie ich jeden Freitag den Postboten herbeigesehnt habe, der das kleine Päckchen mit den damals bei Basketballfans so begehrten VHS-Kassetten brachte.

Nach Erhalt wurden sofort die besten Kumpels und Weggefährten angerufen, und die Spiele wurden mit großer Begeisterung zusammen geschaut und analysiert. Danach ging es raus auf den Freiplatz oder zum Training, und es wurde jeder neue Move probiert...

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Basketball war damals in Deutschland ein Sport für einige wenige, die neben dem Fußballspiel auch noch auf der Suche nach etwas Besonderem, Exotischem, aber auch Abwechslungsreicherem waren.

Es war die Zeit von Moses Malone, Kareem Abdul-Jabbar, Julius "Doctor J" Erving, Larry Bird und meinem Lieblingsspieler Magic Johnson.

Michael Jordan schickte sich gerade an, diesen Superstars den Rang abzulaufen.

Niemand konnte sich vorstellen, wie dieser Spieler den Sport revolutionieren und ohne Übertreibung die ganze Welt verändern sollte. Kaum in der NBA angekommen, stellte er Rekorde über Rekorde auf, zeigte Bewegungen und Würfe, die man sich nur schwer im Traum vorstellen konnte.

Er schien zu fliegen, in der Luft zu stehen und die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft zu setzen. Jeder wollte so sein wie Michael Air Jordan!

Er war der Erste, der mit seinem Ausrüster einen eigenen Schuh kreierte, der so außergewöhnlich daherkam, dass die NBA ursprünglich untersagte, diesen Schuh in einem offiziellen Spiel zu tragen - heute unvorstellbar.

Natürlich musste ich diesen Schuh haben, und mit mir so viele andere.

Damit war der Anfang gemacht.

Michael Jordan wurde erst zur Ikone des Basketballsports und bald darauf zum größten Star auf unserem Planeten und nach Spacejam auch in unserer Galaxie.

1992 wurde für mich ein Traum wahr.

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Wir qualifizierten uns mit der Deutschen Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele in Barcelona, ein einmaliges Erlebnis für mich. Doch damit nicht genug, hatten wir die Chance, gegen das einzig wirkliche Dream Team zu spielen, das jemals existierte.

Larry Bird, Charles Barkley, Karl Malone, Magic Johnson, um nur einige zu nennen, und vor allem eben Michael Jordan begeisterten mit diesem Team nicht nur die Basketballer, sondern die gesamte Sportwelt. Der Rummel, der um dieses Team gemacht wurde, war unglaublich, andere Superstars wurden zu Randnotizen.

Im Spiel gegen dieses Team gibt es für jeden von meinen damaligen Mitspielern unzählige Geschichten und Anekdoten zu erzählen, und ich werde niemals auch nur eine davon vergessen.

Für uns ging es darum möglichst gut auszusehen im Wettbewerb mit diesen Überspielern, dafür sorgte schon unser Coach Svestislav Pesic. Es war einfach überwältigend, und am Ende war ich zum ersten und einigsten Mal nach einer Niederlage froh, Teil dieses Spiel gewesen zu sein.

Vielen Dunk MJ, du warst immer eine Inspiration für mich, und du bist und wirst für alle Kobes und LeBrons auf dieser Welt noch lange Zeit unerreicht bleiben!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 47, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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