An Michael Jordans 50. Geburtstag bedankt sich Steffen Hamann über SPORT1 bei "His Airness". Ein Brief an Michael Jordan.

Hey Mike,

dass Du tatsächlich schon 50 Jahre alt bist, kann ich fast nicht glauben. Du warst mein ganz großes Idol, und ich wünsche Dir alles Gute!

Das Bild, wie Du mit rausgestreckter Zunge zum Ring hochsteigst, hat sich auf jeden Fall ins Gedächtnis eingebrannt.

Angefangen hat für mich alles mit dem Tape "Michael Jordans Playground". Das habe ich rauf und runter geschaut und versucht, mich anzuziehen wie Du, meine Socken genauso zu tragen, Kaugummi gekaut wie Du - einfach "wie Mike" zu sein. Die Videokassette habe ich heute noch.

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Auch mein erster Basketball-Schuh musste ein Jordan sein. Der hat damals 300 Mark gekostet. Meine Mutter ist mir aufs Dach gestiegen, aber ich habe solange nicht locker gelassen, bis ich die Sneaker bekommen habe. Ich hatte einen Chicago-Bulls-Trainingsanzug, eine Bulls-Winterjacke - das volle Programm.

Dir habe ich es zu verdanken, dass ich so basketballverrückt bin, mich für die NBA interessiere und beim Basketball geblieben bin.

Aber: Dein zweites Comeback fand ich nicht so geil. Du warst für mich einfach ein Chicago Bull, und dass Du dann nach Washington gegangen bist, fand ich schade. Jordan und die Bulls - diese Dynastie war etwas ganz Besonderes. Auch heute: Wenn man die Bulls sieht, denkt man immer als erstes an Dich. Die Episode bei den Wizards hättest Du Dir sparen können.

Deinen Ruf hast Du damit aber nicht beschädigt - ganz im Gegenteil. Du bist und bleibst der Größte.

Dein bester Move aller Zeiten war für mich der Switch in Spiel 2 der Finals 1991 gegen die Lakers: Dieser Wechsel, den Ball im Flug von der rechten in die linke Hand zu nehmen und per Korbleger abzuschließen - das habe ich selber tausendmal probiert.

So wie Du den Basketball geprägt hast - das ist unerreicht. Nur Muhammed Ali im Boxen hatte eine ähnliche Bedeutung.

Leider habe ich nie die Möglichkeit gehabt, Dich live zu sehen, geschweige denn, gegen Dich zu spielen. Aber dass ich chancenlos gewesen wäre, ist auch so völlig klar. Du warst ja nicht nur ein exzellenter Offensiv-Spieler, sondern hast auch verteidigt wie ein Teufel.

Die Faszination Michael Jordan kann man mit Worten gar nicht beschreiben. Man muss einfach Deine überragenden Leistungen auf dem Feld sehen oder die Quadratkilometer von Kinderzimmerwänden, die mit deinen Postern zugepflastert waren.

Du könntest auch jetzt noch in der NBA mithalten, da bin mir sicher. Da bin ich mir übrigens mit meinen Bayern-Teamkollegen Yotam Halperin und Desmond Greene einig.

Auch ein zweitstelliger Punkteschnitt, wie Antawn Jamison ihn Dir zutraut, ist auf jeden Fall drin, mit dem Herz und der Leidenschaft, die Dich immer ausgezeichnet haben. Selbst mit 50 würdest Du noch ein paar Super-Spiele raushauen.

Drei Monate Vorbereitungszeit bräuchtest Du aber schon - so athletisch wie die Liga inzwischen geworden ist.

Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und hoffentlich habe ich in den nächsten 50 Jahren einmal die Gelegenheit, Dir die Hand zu schütteln.

Du wirst immer mein Idol bleiben!

Dein Steffen

Steffen Hamann, 31, absolvierte 131 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Mit den Brose Baskets Bamberg wurde er 2007 Deutscher Meister. Seine Karriere begann er beim Brose-Baskets-Vorgänger GHP Bamberg. Nach Stationen bei Climamio Bologna, erneut in Bamberg und ALBA Berlin wechselte er 2010 zum FC Bayern München.

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