Miamis Superstar ist in Topform. Seine Effizienz stellt Jordan in den Schatten. Nach der Blockade fallen immer mehr Rekorde.

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Von Eric Böhm

München/Miami - Die Szenerie hatte Symbolwirkung: Der abgekämpfte Kobe Bryant gratulierte dem kaum schwitzenden LeBron James.

Die Wachablösung als Speerspitze der NBA-Superstars war zwar schon mit der Meisterschaft 2012 abgeschlossen, aber in der aktuellen Saison legte der MVP der Miami Heat noch eine Schippe drauf.

Beim Sieg über Bryants L.A. Lakers (Bericht) schaffte James zum fünften Mal mindestens 30 Punkte bei einer fantastischen Wurfquote von über 60 Prozent (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

"Wir wissen, was LeBron kann. Er ist jetzt an einem Punkte seiner Karriere, an dem er jede weitere Saison und jedes Training wertschätzt. Das hat ihn auf ein neues Level gehoben", schwärmte Bryant vom Konkurrenten.

"Nicht von dieser Welt"

Knapp zwei Monate nach seinem 28. Geburtstag gab James einmal mehr eine beeindruckende Kostprobe seiner wohl leistungsfähigsten Jahre, die ja gerade erst begonnen haben.

Die Kombination aus einer nie zuvor gesehenen athletischen Vielseitigkeit und der Effizienz einer hochentwickelten Maschine übersteigt für einige Beobachter bereits das Irdische.

"Er ist nicht von dieser Welt! Er ist nicht mehr der beste Basketballer des Planeten. Darüber ist er hinaus. Er ist irgendwo anders und phänomenal", meinte Dwyane Wade unlängst.

Fantastische Quoten

Neben den absoluten Zahlen, die sich Spiel für Spiel in der Nähe eines Triple-Doubles bewegen, nötigt vor allem die Steigerung der Wurfquote Respekt ab.

Nach mehr als einem Drittel der Saison bei über 56 Prozent zu stehen, ist für einen Topspieler mit vielen teils schweren Versuchen aus dem Feld herausragend ( 671572 DIASHOW: Die Bilder der 15. Woche ).

Michael Jordan oder Kobe Bryant konnten selbst in ihren Glanzzeiten davon nur träumen. Obwohl er nie als Dreierspezialist gelten wird, trifft er aktuell 42 Prozent seiner Distanzwürfe.

"Ich bin auch physisch in der Form meines Lebens. Ich vertraue einfach meinen Instinkten und weiß sehr gute Mitspieler um mich herum", erklärte James sein Erfolgsrezept.

Wade: LeBron ist lockerer

Der viele Jahre vergeblich gejagte Meistertitel hat den "King" mental befreit. Inzwischen stiehlt er sich auch in der Crunch Time nicht mehr aus der Verantwortung.

Was früher undenkbar war, kann man jetzt regelmäßig bei Heat-Spielen beobachten. James spielt Doppelpass mit einem Fan oder feiert ausgelassen einen Gewinnspiel-Sieger.

Auch der Spießrutenlauf nach der Inszenierung seines Wechsels aus Cleveland ist schon lange abgeebbt.

"LeBron ist sicher viel lockerer geworden. Das bringt eine Meisterschaft mit sich. Ich glaube, er konnte danach endlich einmal befreit durchatmen", vermutete Wade.

Große Vielsetigikeit

Als bester Spieler der Gegenwart ist "LBJ" größtenteils anerkannt. Mittlerweile nimmt er aber auch den Olymp der Legenden ins Visier.

Im Januar wurde der dreimalige MVP mit 28 Jahren und 17 Tagen zum jüngsten Spieler aller Zeiten, der die Marke von 20.000 Punkten erreichte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Zudem kann James durch sein großes physisches Talent von Point Guard bis Center nahezu jede Position spielen und verteidigen - ähnlich vielseitig war vielleicht nur der junge Magic Johnson.

Noch viel vor

Beim Aufwärmen liefert der neunmalige All-Star regelmäßig Dunking-Shows. Im Dezember nahm er an einem Wohltätigkeits-Radrennen teil und schenkte Brooklyn einen Tag später fast ein Triple-Double ein.

Die extreme Verbissenheit, es den Kritikern unbedingt zeigen zu wollen, ist nach den starken Playoffs und der dominanten Finalserie nur noch eine verblasste Erinnerung.

"Ich habe ja schon vor der letzten Saison gesagt, dass ich den Spaß auf dem Court wiederfinden möchte. Da helfen in erster Linie Siege. Ich spiele jetzt frei auf und mein Hunger ist noch lange nicht gestillt", bestätigte James.

Mehrere Rechnungen har er noch offen. Bei der berüchtigten Vorstellung in Miami vor zweieinhalb Jahren war schließlich von fünf, sechs oder sieben Titeln die Rede gewesen.

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