In den letzten fünf Spielen kommt Anthony (r.) auf 30,5 Punkte im Schnitt für New York © getty

New Yorks Superstar erlebt in Brooklyn eine Gala-Nacht, doch in Overtime dreht der neue Stadtrivale auf und ärgert die Knicks.

Von Florian Pertsch

München/Brooklyn - Die Rückkehr in sein Heimatviertel hatte sich New Yorks Superstar Carmelo Anthony sicher anders vorgestellt.

In Brooklyn mussten sich die Knicks mit 89:96 (47:45, 84:84) nach Verlängerung geschlagen geben und gleichzeitig die Führung in der Atlantic Division der NBA an den neuen Stadtrivalen abgeben ( 641649 DIASHOW: Die Bilder der 4. Woche ).

Die Frage, ob das Stadt-Derby zu einer echten Rivalität werden könnte, dürfte bereits nach dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams geklärt sein. Eigentlich sollte die Partie zum Auftakt der NBA-Saison stattfinden, wurde aber wegen des Hurrikan Sandy verschoben werden.

"Das ist der Beginn einer Rivalität"

"Jedes Mal, wenn die Knicks-Fans ihr Team anfeuerten, setzte unser Anhang noch eins drauf und war viel lauter", freute sich Nets-Coach Avery Johnson über die Unterstützung in der neuen Halle.

Auch Melos Gala-Nacht mit 35 Punkte und 13 Rebounds änderten nichts daran.

"Sie kamen über die Brücke des Hudson River und sind jetzt in unserer Stadt. Jetzt spielen die Nets in Brooklyn, zusammen mit uns in einer Division. Ich glaube, das ist der Beginn einer Rivalität", erklärte Anthony die neue Situation mit den Nets, die in den letzten Jahren in der Bedeutungslosigkeit des Ligabetriebs vor sich hindümpelten.

Kidd fehlt mit Rückenproblemen

Zwar bekam der in Brooklyn geborene Knickerbocker von Ex-Maverick Tyson Chandler, der starke 28 Punkte und zehn Rebounds ablieferte, Unterstützung, doch ohne den am Rücken verletzten Point Guard Jason Kidd reichte es nicht zum Sieg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Im entscheidenden Moment versagten Melo die Nerven. Vier Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit verpasste er einen Mitteldistanzwurf zur möglichen 86:84-Führung. Auch von der Freiwurflinie verlief der Abend mit zehn von 16 verwandelten Würfen nicht nach Plan.

Wurfquote von Felton unterirdisch

Ein komplett gebrauchten Tag erwischte Raymond Felton, der ohne Kidd das Spiel leiten musste und von seiner miserablen Wurfquote (3 von 19) maßlos enttäuscht war: "Ich bin so wütend auf mich. Das war ein ganz mieser Abend, und ich bin mindestens so wütend wie ein Fan."

In Brooklyn dagegen herrschten zufriedene Mienen, nachdem die Overtime klar mit 12:5 gewonnen wurde.

"D-Will" der klare Anführer

Routinier Jerry Stackhouse lieferte fünf seiner 14 Zähler in der Verlängerung ab, und auch Brook Lopez, der unter den Körben aufräumte und 22 Zähler und elf Rebounds einstreute, trug sich in den letzten fünf Minuten in den Spielberichtsbogen ein.

"Das war absolut fantastisch. Zwei starke Teams in der Stadt, ein tolles Duell. Die Fans sind die Gewinner dieses Duells", schwärmte Center Lopez.

Kopf des Derby-Triumphs war aber natürlich Point Guard und Eckpfeiler Deron Williams. Der Nets-Anführer überzeugte 16 Zähler und 14 Assists und verbesserte die Heimbilanz Brooklyns auf sieben Siege aus acht Spielen.

"Das war Playoff-Atmosphäre"

"Das komplette Gegenteil zur letzten Saison. Damals waren fast nur Knicks-Fans in der Halle, nur sie wurden angefeuert. Dieses Mal hatten wir einen echten Heimvorteil, das hat sich stark angefühlt", schwärmte "D-Will" von der neuen Erfahrung: "Das war Playoff-Atmosphäre, alle auf dem Feld haben es gespürt."

Auch Nets-Trainer Johnson befürwortete das innerstädtische Duell im "Big Apple".

"Es wird zwar noch keine Duke/North-Carolina-Rivalität, aber vielleicht wird es das in der Zukunft. Für uns als neues Kind auf dem Schulhof ist es einfach nur wichtig, ein bisschen am Thron der Knicks zu rütteln. Ich bin mir aber sicher, dass sie sich in den nächsten Spielen rächen wollen", so der ehemalige Trainer von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks.

Die Zeit für Rache liegt in nicht allzu weiter Ferne, denn in den kommenden dreieinhalb Wochen treffen die Teams drei Mal aufeinander.

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