Trainer Rick Carlisle (M.) übernahm die Dallas Mavericks 2008 © getty

Die Pleite gegen die Lakers nimmt Dallas Illusionen. Das Manko wird auch Nowitzkis Comeback nicht lösen. Carlisle fordert Härte.

Von Eric Böhm

München - Die Szenerie sprach für sich: Geknickte Mavericks und ein schockierter Dirk Nowitzki im Anzug mussten in der fast leeren Arena Lakers-Sprechchöre ertragen.

Das Superteam aus L.A. hat Dallas bei der 115:89-Klatsche (Spielbericht) eindeutig die Grenzen ohne den in Zivil leidenden Superstar aufgezeigt (BERICHT: Nowitzki scharrt mit den Hufen).

Statt die Auswärtsmisere der Lakers zu verlängern, ergab sich der Meister von 2011 von Beginn an seinem Schicksal und führte nur ganze 15 Sekunden.

"Es liegt nicht nur an ein oder zwei Jungs. Wir alle sind jetzt gefordert. Das Team muss dringend härter werden. In der Defensive muss endlich besser gearbeitet werden", wetterte Coach Rick Carlisle.

World Peace deckt Schwächen auf

Sein Team wurde von einer betagten Mannschaft lächerlich gemacht, die ihr viertes Spiel in fünf Tagen absolvierte und bis dato vor fremder Kulisse ständig versagt hatte.

Gegen die viertschwächste Abwehr der NBA wirkte selbst Metta World Peace wie Michael Jordan und entlarvte im Anschluss Carlisles Dilemma ( 641649 DIASHOW: Die Bilder der 4. Woche ).

"Sie haben O.J. Mayo auf mich angesetzt. Der ist nicht meine Gewichtsklasse. Bei den Dreiern stand ich völlig frei, was hätte ich sonst tun sollen", fragte der Veteran, der im ersten Viertel 16 Punkte sammelte.

Mayo und Kaman entlarvt

Weil Shawn Marion wie gewohnt auf Kobe Bryant traf, rieb sich der defensivschwache Mayo auf und büßte so seine Gefährlichkeit im Angriff ein.

Im Meisterschaftsjahr konnte Carlisle in einer solchen Situation auf DeShawn Stevenson setzen. Den diesmal völlig offenen Weg in die Zone riegelte dann Tyson Chandler ab.

Der deutsche Ex-Nationalspieler Chris Kaman ist von Natur aus eher ein Offensiv-Center und bekommt gegen physisch überlegene Kontrahenten wie Dwight Howard Probleme.

"Sie haben uns den Hintern versohlt. Wenn Leute auf geradem Weg zum Korb kommen, nützt dir auch das ausgeklügeltste System nichts", kritisierte Marion.

Mehr Zeit für James

Carlisles Wechselspiele auf den großen Positionen verpuffen wirkungslos. Diesmal kam Kaman von der Bank, sah aber gegen Howard kein Land.

In 24 Minuten standen bei dem 30-Jährigen vier Punkten und einer indiskutablen Quote (2 von 12 aus dem Feld) sechs Fouls gegenüber.

Elton Brand ist nur noch ein Schatten früherer Jahre. Brandan Wright fehlt bei aller Athletik neben Masse und Aggressivität auch die Cleverness in der Zone.

Einzig Ex-Soldat Bernard "Sarge" James deutet derzeit bei spärlichen Einsätzen die von Carlisle verlangte Einstellung an. Ihm winkt in Philadelphia (Mi., ab 1 Uhr LIVESCORES) mehr Spielzeit.

Medien bringen Gortat ins Spiel

Nicht umsonst wird von polnischen Medien über Interesse an dem in Phoenix unzufriedenem Center Marcin Gortat (einstmals in Köln aktiv) spekuliert.

Dallas holt im Schnitt fünf Rebounds weniger pro Partie als der Gegner - nur Boston ist derzeit noch schlechter.

Umso besorgniserregender ist, dass dieser gewaltige Nachteil - gegen die Lakers hieß es diesbezüglich 39:61 - auch durch Nowitzkis Rückkehr nicht verschwinden wird.

Marion hofft noch

Zu Hoffen bleibt für die Mavs lediglich, seine große Präsenz möge neben den herausragenden Offensiv-Qualitäten den Kollegen in der Abwehr einen Schub verleihen.

Bis Mitte Dezember muss sich der aktuelle Tabellensiebte der Western Conference mindestens noch ohne den Kapitän durchschleppen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Für mehr reicht offenbar die Qualität nicht aus. Die Illusionen des überraschenden Saisonstarts - vier Siege aus fünf Spielen - sind passe.

"Das glaube ich nicht. Wir haben zu Saisonbeginn gezeigt, dass wir es besser können. Der Einsatz muss da sein, hat aber heute gefehlt. Wir müssen den Schalter wieder umlegen", forderte Marion.

Cuban wird gleichgültig

Selbst in der verkorksten vergangenen Saison stellte Dallas noch die statistisch viertbeste Abwehr der NBA. Carlisle muss jetzt seine Reputation als Defensivspezialist beweisen.

Gegen die Lakers fühlte man sich unweigerlich an die Demontage des damaligen Titelverteidigers in den Playoffs 2011 erinnert.

Damals endete Phil Jacksons Ära in einem Dreierfestival der Mavs. Diesmal drehten Kobe Bryant und Co. den Spieß eindrucksvoll um.

Eigner Mark Cuban verlor an dem ernüchternden Abend sogar die Lust, seinen Lieblingsfeind zu attackieren: "Ich sage zu den Lakers nichts mehr. Du kriegst nur tonnenweise Twitter-Drohungen. Das ist es nicht wert."

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