Ray Allen hat in seiner Karriere die meisten Dreier der NBA-Geschichte verwandelt © getty

Der beste Schütze aller Zeiten bewahrt Miami vor einer Pleite in Cleveland. Der Schweizer Sefolosha macht den Thunder-Sack zu.

Von Eric Böhm

München - Dafür haben sie ihn geholt: Ray Allen hat die Miami Heat vor einer peinlichen Pleite bewahrt.

Der erfolgreichste Dreierschütze aller Zeiten setzte beim 110:108 (48:59) des Meisters gegen die Cleveland Cavaliers 18 Sekunden vor Schluss den entscheidenden Distanztreffer.

Damit verhinderte Allen (17 Punkte) eine Niederlage von LeBron James (30 Punkte, 6 Rebounds) gegen sein ehemaliges Team ( 641649 DIASHOW: Die Bilder der 4. Woche ).

"Ich bin für ihn ständig Tom Brady. Aus irgendwelchen Gründen habe ich in diesen Situationen immer den Ball und finde Ray. Das war 'Big Time'", verglich sich James mit dem Star-Quarterback der New England Patriots.

Daheim weiter unbesiegt

Es ist kein Geheimnis, dass sich der MVP in den entscheidenden Momenten als Passgeber wesentlich wohler fühlt. Vor ein paar Wochen klappte die Kombination bereits gegen Denver.

"Wir sind schon gut abgestimmt. Er ist ein großartiger Passer. Er attackiert, ohne die Mitspieler aus den Augen zu verlieren. Ich muss mich nur bereithalten", sagte Allen.

Im Duell mit den ungeheuer ausgeglichenen Cavaliers - acht Spieler punkteten zweistellig - brauchte es einen 9:0-Endspurt, um auch im sechsten Heimspiel die weiße Weste zu wahren.

Scott kritisiert "idiotische Fehler"

Chris Bosh (23) und Dwyane Wade (18) steuerten ihre gewohnten Punktausbeuten bei. Cleveland deckte aber auch ohne seinen Star Kyrie Irving (Fingerprellung) große Lücken in der Heat-Abwehr auf.

Nahezu über die gesamte Spielzeit lagen sie vorn. Rookie Dion Waiters (16 Punkte) und der Israeli Omri Casspi (15 Zähler, 4 Dreier) nutzten von außen ihre Freiräume.

In der Zone hielten der brasilianische Center Anderson Varejao (10 Punkte, 15 Rebounds) und Tristan Thompson, dem 13 Zähler gelangen, dagegen.

"Wir haben viel Herz, aber die kleinen Dinge bringen uns regelmäßig um den Lohn. Am Ende haben wir es ihnen mit idiotischen Aktionen sehr leicht gemacht", ärgerte sich Clevelands Trainer Byron Scott.

Wade räumt Pargo ab

Nach Allens Dreier hatte seine junge Mannschaft sogar noch eine Chance auf den Konter, aber Irvings Verterter Jeremy Pargo wurde von Wade geblockt.

"Ich hatte mir schon eine gute Chance ausgerechnet, ihm den Wurf zumindest so schwer wie möglich zu machen", erzählte "Flash".

Allen war es danach vorbehalten, von der Freiwurflinie den Endstand herzustellen. Insgesamt gelangen dem 37-Jährigen 15 Punkte im letzten Viertel.

"Das zeigt, dass wir viele Wettkampftypen im Team haben. Sie sind Zocker. Sie lieben diese Situationen. Das kann für den Gegner sehr gefährlich sein", bilanzierte Coach Erik Spoelstra.

Battier verletzt sich

Ein kleiner Wermutstropfen war für Miami die Knieverletzung des Starters Shane Battier. Wie lange der Small Forward ausfallen wird, steht noch nicht fest.

"Er fühlt sich jetzt schon wieder besser. Wir sollten jetzt aber schnell aufbrechen, bevor sie noch ein paar Sekunden auf die Uhr geben", beendete Spoelstra die Pressekonferenz mit einem Lacher.

SPORT1 fasst das weitere Geschehen aus der NBA zusammen:

Philadelphia 76ers - Oklahoma City Thunder 109:116 n.V.

Die Oklahoma City Thunder hatten mit den Philadelphia 76ers beim 116:109 (98:98, 50:49) nach Verlängerung mehr Mühe als erwartet.

Superstar Kevin Durant gelangen nach insgesamt acht Fehlwürfen beider Teams zum Ende der regulären Spielzeit fünf seiner 37 Punkte zum Start der Overtime (STATISTIK: Die Tagesbesten der NBA).

Nach Dreiern durch Russell Westbrook (30 Zähler), Kevin Martin und des Schweizers Thabo Sefolosha zum 112:104 war die Partie entschieden.

"Mir hat gefallen, wie die Jungs trotz der Fehlwürfe nicht ihr Vertrauen ineinander verloren haben. Du musst dem Kollegen zutrauen, dass er den nächsten Wurf versenkt", sagte Trainer Scott Brooks.

Rätsel um Bynum

Thaddeus Young gelangen 29 Punkte und 15 Rebounds für Philly. "Wir haben großartig gekämpft und am Ende kaum etwas zugelassen, aber unsere Versuche wollten nicht fallen. In der Overtime waren wir mental und physisch fertig", erklärte Coach Doug Collins.

Unmittelbar vor dem Spiel stellte sich zudem heraus, dass Center Andrew Bynum nach vier gescheiterten Anläufen wegen seiner Knieprobleme nun auf unbestimmte Zeit ausfällt.

Washington Wizards - Charlotte Bobcats 106:108 n.V.

Die Washington Wizards bleiben auch nach ihrem elften Saisonspiel das einzig sieglose Team der NBA (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Gegen die Charlotte Bobcats mussten sie sich nach zweimaliger Verlängerung 106:108 (99:99, 92:92, 51:50) geschlagen geben.

Zweimal hatte Chris Singleton die Siegchance. Am Ende des vierten Abschnitts vergab er einen Korbleger. In der ersten Verlängerung wurde der Forward mit der Schlusssirene bei einem Dreier gefoult, traf aber nur zwei Freiwürfe zum Ausgleich.

"Es ist der nächste Schlag in die Magengrube", gestand Washingtons bester Scorer Martell Webster (21 Punkte.

Bobcats verbessern sich

Zum schlechtesten Start der NBA-Geschichte fehlen noch ein paar Partien. Die Nets begannen 2009 mit 18 Pleiten.

Charlotte erreichte dagegen mit dem siebten Saisonsieg bereits die Ausbeute der kompletten vergangenen Saison - damals wurden sie zur Mannschaft mit der schwächsten Erfolgsquote aller Zeiten.

Center B.J. Mullens erzielte 27 Zähler. Aufbauspieler Kemba Walker (12 Punkte, 8 Assists) war an den letzten sieben Zählern direkt beteiligt.

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