Robinson (l.) spielte bereits für New York, Boston, Oklahoma City und Golden State © getty

Ohne Aufbau Rose irrt Chicago durch die NBA. Wirbelwind Robinson rettet sich in Galgenhumor, Noah widerspricht Coach Thibodeau.

Von Florian Pertsch

München - Vor nicht allzu langer Zeit galten die Chicago Bulls als Kandidat auf die NBA-Meisterschaft, als eine Macht in der überschaubar starken Eastern Conference.

Doch der Erfolgsfaden ist gerissen, so wie das Kreuzband von Franchise Player und Aufbauspieler Derrick Rose im April 2012.

Von einem Moment auf den anderen, ist aus dem stolzen Team der "Windy City" eine kopflose Bullenherde geworden, die in der Central Division nach elf Spielen nur fünf Siege aufweist.

Dreierquote rauscht in den Keller

Ohne den MVP der Saison 2010/11 drohen die Bulls hinter den Milwaukee Bucks und den Indiana Pacers in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Ohne Taktgeber Rose gingen die letzten drei Spiele verloren, die Dreierquote, welche ohnehin nie besonders furchteinflößend war, rauscht immer tiefer in den Keller.

28,5 Prozent von Downtown bedeuten Platz 29 in der NBA und lassen den Frust im Team mit jedem Tag weiter wachsen.

Robinson verliert gute Laune

Sogar Neuzugang Nate Robinson, der sich für keinen Blödsinn zu schade ist und zum Beispiel bei den Celtics mit Shaqs Riesenschuhen einen Linienpendel absolvierte, verfällt zunehmend in Zynismus ( 641649 DIASHOW: Die Bilder der 4. Woche ).

"Alle Teams finden einen Weg zu gewinnen, nur wir finden einen Weg zu verlieren", schimpfte der 1,76 Meter große Mini-Bulle (12,5 Punkte im Schnitt) nach der letzten Niederlage gegen die Houston Rockets: "Wir müssen gegen den Frust ankämpfen und zusammenhalten."

Unter Coach Tim Thibodeau wurden noch nie drei Spiele in Folge verloren und folglich erkennt auch der Trainer den Ernst der Situation an: "Es könnte in Zukunft Änderungen in der Starting Five geben. Wir müssen das Spiel wieder auf die richtige Art und Weise spielen."

Noah widerspricht Thibodeau

Der Frust wächst, das vertrauen sinkt, und so formiert sich sanfter Widerstand gegen Thibodeau. Center Joakim Noah hält nichts von einer Änderung der Startformation.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Unterschied machen würde, aber letztlich kann ich diese Dinge nicht beeinflussen", erklärte der Sohn von Ex-Tennis-Profi Yannik Noah:

"Wir müssen uns auf dem Feld wieder mehr Vertrauen. Der Abschluss war in der Vergangenheit immer unsere Stärke, doch momentan stehen wir immer am falschen Fleck."

"Kryptonate" überdreht gerne

Am falschen Fleck und mit verstelltem Visier (2 von 16 Dreier gegen Houston) kommen im Aufbau schlechte Entscheidungen hinzu, die in der vergangenen Saison mit Rose und dem getradeten C.J. Watson weniger passierten (STATISTIK: Die Tagesbesten der NBA).

Wo einst Rose den Taktstock mit kühlem Kopf führte, wirbelt nun Robinson durch die Offense, wobei der Grad zwischen Genie und Wahnsinn bei "Kryptonate" extrem schmal ist.

"Jeder muss seine Aufgabe im Angriff erfüllen und ruhig bleiben. Die Spieler müssen verstehen, was ein guter Distanzwurf ist und was nicht. Das Raumaufteilung muss passen, damit die zweite und dritte Wurfoption gefunden werden kann", mahnt der Bulls-Coach Thibodeau.

"Lasst uns Basketball spielen"

Aushilfsaufbau Robinson zieht einen etwas anderen Lösungsansatz vor und spiegelt so seine unstete Karriere und auch die aktuelle Misere der Bulls wieder.

"Wir denken zu viel. Wir versuchen immer, alles perfekt zu machen, dabei müssen wir das Spiel einfach nur laufen lassen. Was passiert, passiert, lasst uns Basketball spielen", verkündet der NBA-Wandervogel und torpediert Thibodeaus Ansatz.

Die nicht gerade trainerfreundliche Aussage dürfte die Sehnsucht nach Taktmeister Rose weiter wachsen lassen. Immerhin hat die Reha des Point Guards bereits begonnen.

Rose-Comeback im März

Vor einem der letzten Bulls-Spiele wagte sich der Star sogar wieder auf den Court und warf vorsichtig ein paar Bälle, doch bis zu seiner Rückkehr im Bulls-Trikot wird es wohl noch bis März dauern.

Den nächsten kleinen Machtkampf zwischen Coach und Aufbau gibt es in der Nacht auf Sonntag, wenn die Bulls gegen Division-Spitzenreiter Milwaukee (ab 3 Uhr LIVESCORES) antreten.

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