O. J. Mayo wurde 2008 im Tausch für Kevin Love nach Memphis geschickt © getty

Der offensivstarke Guard beweist beim Coup gegen die Knicks seinen Wert. Selbst Nowitzki lobt. Cuban zückt schon das Scheckbuch.

Von Eric Böhm

München - Im Duell mit dem Mann, der an seiner Verpflichtung schuld war, hat O.J. Mayo einmal mehr seinen Wert für die Dallas Mavericks unterstrichen.

Bei dem starken wie überraschenden 114:111-Heimsieg über die New York Knicks (Spielbericht) glänzte der Shooting Guard erneut in der Rolle des Topscorers und stoppte Dallas' Negativtrend.

Dabei wäre das Schnäppchen (Jahresgehalt: 4 Millionen Dollar) mit All-Star-Potenzial fast nicht in Dallas gelandet, nämlich wenn Neu-Knickerbocker Jason Kidd geblieben wäre ( 641649 DIASHOW: Die Bilder der 4. Woche ).

"Ich musste lange auf die Chance warten. Jetzt will ich den Mavericks jeden Abend das Vertrauen zurückzahlen", sagte der 25-Jährige.

Zahltag deutet sich an

In Memphis hatte es zuletzt für den ehemaligen Top-Drei-Draftpick nicht mehr geklappt.

Die Grizzlies degradierten Mayo zum Sixth Man und waren im Sommer über seinen Abgang nicht allzu traurig.

Die Mavs suchten dagegen händeringend nach einem Scorer: Entsprechend hungrig trat Mayo schon Monate vor Vorbereitungsbeginn in Texas an und absolvierte mit Coach Rick Carlisle Sondertraining.

"Er kann von draußen werfen und zieht unglaublich aggressiv zum Korb. Er ist immer gefährlich. Ich will ihn nicht zu sehr loben, immerhin könnte er im Sommer aus seinem Vertrag aussteigen", lobte Eigentümer Mark Cuban.

Vorfreude bei Nowitzki

Mayo hat die Option, nach der Saison wieder Free Agent zu werden. So wie er aktuell auftrumpft, besteht daran kein Zweifel. Mit 22,2 Punkten pro Partie ist er siebtbester Scorer der NBA.

Cuban kündigte mit einem Lächeln und Blick auf die gescheiterten Verhandlungen mit Deron Williams schon an, der TV-Show "Shark Tank", die ihn von den Gesprächen mit Williams abhielten, im Juli 2013 nicht zur Verfügung zu stehen.

Mayo hat nicht nur Mavericks-Ikone Jason Terry vergessen lassen, sondern die Truppe ohne Dirk Nowitzki (Reha nach Knie-OP) auch über Wasser gehalten.

"Es ist nicht auszudenken, wo wir ohne ihn stehen würden. Ich freue mich auf unser Zusammenspiel", bestätigte "Dirkules".

Einzige Konstante

Der Tabellensechste der Western Conference (sieben Siege - sechs Niederlagen) hält hauptsächlich seinetwegen den Kontakt zu den Playoff-Konkurrenten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Denn wegen Blessuren oder der Umstellung auf Carlisles System fehlt den anderen designierten Leistungsträgern Chris Kaman, Darren Collison, Shawn Marion oder Elton Brand noch Mayos Konstanz.

Bis Mitte Dezember muss der Scharfschütze das Mavericks-Schiff noch auf Kurs halten, dann hofft Nowitzki, wieder dazuzustoßen (BERICHT: Nowitzki scharrt mit den Hufen).

"O.J. ist bei Pick-and-Roll-Anspielen sogar noch besser als Jet (Jason Terry, Anm. der Red.). Er wird Dirk sehr gut einsetzen. Sie können ein neues Traum-Duo werden", spekulierte Cuban.

Fans feiern Kidd

Dabei hatte er im Sommer noch den Trade für Collison und die Verlängerung mit Kidd auf der Prioritätenliste über dem Topscorer eingestuft.

Erst Kidds plötzliche Kehrtwende verschaffte dem Champion von 2011 den nötigen finanziellen Spielraum für den Mayo-Deal.

Das befürchtete Pfeifkonzert und eine mediale Schlammschlacht blieb Kidd bei seiner Rückkehr ins American Airlines Center im Übrigen erspart. Die Fans bejubelten sogar seine und Tyson Chandlers Vorstellung.

"Ich liebe Dallas. Was wir als Team erreicht haben, wird mir immer besonders in Erinnerung bleiben. Aber jetzt bin ich in New York", meinte J-Kidd.

Angriff läuft

Beide Mavs-Meisterspieler lieferten starke Leistungen ab, konnten den Big Point der Gastgeber jedoch nicht verhindern.

Es offenbarten sich erneut die großen Stärken und Schwächen von Carlisles Truppe. In der Offensive läuft es bis auf wenige Ausnahmen sehr gut.

Mit durchschnittlich 101,8 Punkten pro Partie steht aktuell NBA-Rang vier zu Buche. Die Abwehr offenbarte aber auch gegen das beste Team der Liga eklatante Schwächen.

Nur drei Teams verteidigen derzeit noch schlechter. "Wir müssen in der Zone und an der Dreierlinie noch aggressiver sein", forderte Defensivspezialist Carlisle.

Marion kommt in Fahrt

Anlass zur Hoffnung gibt die ansteigende Formkurve von Marion, der nach seiner Innenbanddehnung langsam wieder in den Rhythmus kommt.

All-Star Carmelo Anthony (7 Ballverluste, Wurfquote unter 50 Prozent) hatte er trotz 23 Punkten recht gut im Griff. Melos potenziellen Siegtreffer verhinderte "The Matrix" ebenfalls.

"Wir haben für diese Situationen keinen besseren Spieler. Auch für ihn sind die freien Tage wichtig. Wir können jetzt an einigen Dingen arbeiten", sagte der Coach.

Wie gut das funktioniert, wird sich in der Nacht auf Sonntag beim nächsten Kracher gegen die L.A. Lakers (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) herausstellen.

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