Dirk Nowitzki wurde 2007 als erster Europäer zum MVP der NBA gewählt © getty

Dallas' Star will Mitte Dezember wieder spielen. Wegen des 2016-Plans gilt: Kein Risiko. Den Mavs fehlt sein Killerinstinkt.

Von Eric Böhm

München/Dallas - Langsam verliert er seine Besonnenheit: Dirk Nowitzki brennt auf sein Saisondebüt, muss sich aber weiter gedulden.

Trotz harter Arbeit nach seiner Knie-Arthroskopie hat sich die Hoffnung auf ein früheres Comeback für den Star der Dallas Mavericks nicht erfüllt.

Stattdessen muss der 34-Jährige die ursprünglich veranschlagten sechs Wochen nun doch komplett ausschöpfen. Mitte Dezember kristallisiert sich als frühestmöglicher Rückkehr-Termin heraus.

"Ja, das ist mein Ziel. Wichtig ist, dass die Schwellung komplett weggeht. Dann kann ich wieder auf den Court gehen. Davon sind wir aber noch ein Stück entfernt", sagte Nowitzki.

In 14 Tagen auf den Court

Erstmals nach zweiwöchiger Funkstille - unterbrochen von einem Einsatz als Co-Kommentator - äußerte sich Nowitzki nach einer intensiven Reha-Einheit.

Die erste Operation seiner Karriere setzt dem Finals-MVP von 2011 enorm zu. Schließlich musste er in 15 Jahren nie so lange zuschauen. Aktuell quält er sich beim Aquajogging und auf dem Fitnesstrainer.

"In zwei Wochen kann ich wohl mit Basketball-spezifischem Training beginnen. Das wären genau die ursprünglichen sechs Wochen. Dann bräuchte noch eine Woche, um halbwegs in Form zu kommen", skizzierte Nowitzki seinen Plan.

Nowitzki denkt langfristig

Vielleicht hatte der elfmalige All-Star die Operation und die folgende Rehabilitation auch unterschätzt. In seinem Alter braucht der Körper mehr Zeit zur Regeneration.

Auch wenn es ihm extrem schwerfiel, ein übereiltes Comeback wie im Januar 2011 - damals verpasste er nur neun Spiele wegen einer anderen Knieverletzung - war diesmal von vornherein ausgeschlossen.

"Das war keine Option. Ich spiele erst wieder, wenn ich hundertprozentig bereit bin. Denn ich hoffe, nach Ablauf meines Vertrages noch zwei Jahre dranhängen zu können", betonte Nowitzki.

Mavs fehlt Konstanz

"Dirkules" will also noch bis 2016 das Mavericks-Trikot überstreifen, aktuell muss er sich aber noch mit Anzug und einem Platz hinter der Reservebank begnügen.

Sein Leiden wird durch die schwankenden Leistungen der Mannschaft noch verstärkt. Sechs Siegen stehen sechs Niederlagen gegenüber.

Starke Auftritte - bei den L.A. Lakers, gegen Portland - wechseln sich mit haarsträubenden Blamagen - in Charlotte oder Indiana - ab. Letztlich steht NBA-Mittelmaß zu Buche (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Wir wussten, es würde ohne Dirk schwierig werden. Wir können aber auch mit dem jetzigen Kader deutlich besser spielen. Unerklärliche Aussetzer haben uns einige Siege gekostet", analysierte Coach Rick Carlisle.

Marion fordert Abwehrstärke

Während Ex-Nationalspieler Chris Kaman sowie die neuen Guards Darren Collison und speziell O.J. Mayo durchaus überzeugen, bleibt vor allem Elton Brand hinter den Erwartungen zurück.

Der erfahrene Forward sollte eigentlich die Abwehr stabilisieren und Präsenz unter den Körben zeigen. Mit durchschnittlich 6,2 Punkten und 5,8 Rebounds pro Partie liefert er aktuell die schwächsten Zahlen seiner Karriere ab.

"Die Abwehr war auch beim Titel unsere Grundlage. Da müssen wir wieder hinkommen", forderte Shawn Marion, der nach seiner Innenbanddehnung dabei eine Schlüsselrolle einnehmen muss.

Nowitzkis Coolness fehlt

Neben der eklatanten Rebound-Schwäche macht sich Nowitzkis Fehlen in den entscheidenden Situationen bemerkbar ( 641649 DIASHOW: Die Bilder der 4. Woche ).

Seine Fähigkeit, gegnerische Zwischenspurts zu unterbrechen oder in der Crunch Time Verantwortung für den letzten Wurf zu übernehmen, geht den Mavs ab.

Zuletzt scheiterte Vince Carter in solchen Situationen in Charlotte und gegen Golden State. In Utah oder bei den Knicks besiegelten minutenlange Durststrecken ohne Treffer das Schicksal des Meisters von 2011.

Schwere Brocken

Erschwerend kommt hinzu, dass der bisher recht moderate Spielplan jetzt deutlich anzieht. Nach dem Duell mit den stark aufspielenden New York Knicks (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) kommen die L.A. Lakers (So., ab 2.30 Uhr LIVESCORES) nach Texas.

Es folgen Auswärtsspiele in Philadelphia, Chicago und bei den L.A. Clippers. Nach jetzigem Stand könnte Nowitzki am 18. Dezember beim Heimspiel gegen die 76ers debütieren.

"Bis dahin müssen wir durchhalten und nicht den Anschluss an die Konkurrenten verlieren", meinte Marion. Der zwölf Jahre andauernde Playoff-Lauf wackelt.

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