In der vergangenen Saison konnte Randolph (l.) nur in 28 Partien für Memphis auflaufen © getty

Ohne Superstars, aber mit Rebound-Biest "Zebo" dominiert Memphis die Liga. Co-Eigner Timerlake rührt fleißig die Werbe-Trommel.

Von Florian Pertsch

München - Champion Miami klar abserviert, den Finals-Gegner aus Oklahoma ebenfalls zerpflückt und die weiße Weste der New York Knicks Spielbericht hängt in Fetzen.

Die Memphis Grizzlies zeigen der NBA die Krallen und sind momentan mit einer Bilanz von acht Siegen und nur einer Niederlage das beste Team der Liga (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Zu erwarten war der jetzige Höhenflug nicht wirklich, allenfalls zu erahnen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Keine Chance in Kanada

Kanada ist Eishockey-Land, darüber gibt es keine zwei Meinungen - eigentlich.

Die NBA sah das 1995 anders und stampfte in Vancouver die Grizzlies aus dem Boden.

Gegen die bärtigen Kufencracks der örtlichen Canucks gelang aber kein Stich, und so zog die Liga mit Commissoner David Stern die Notbremse.

Thunder als Vorbild

Die komplette Franchise wurde nach Memphis verfrachtet, und was bei den Oklahoma City Thunder, die vor ein paar Jahren noch in Seattle beheimatet waren, im Zeitraffer geschah, tritt nun auch mit etwas Verzögerung in Elvis-Town ein.

Die Grizzlies beginnen in Tennessee Wurzeln zu schlagen und profitieren vom neuen Besitzer Robert Pera.

Der 34-jährige Internet-Milliardär hat einen Narren am Team gefressen, 377 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt und gleichzeitig bekannte Celebritys ins Eigner-Boot geholt.

Milliardär Pera erfüllt sich seinen Traum

"Besitzer eines NBA-Teams zu sein, war mein absoluter Traum", gab Pera bei einer Pressekonferenz zu, erklärte aber auch, dass er nicht unbedingt in die Fußstapfen von Mavs-Besitzer Mark Cuban treten möchte.

"Ich halte ebenfalls viel von Marketing, aber ich kann gut damit leben, im Hintergrund zu arbeiten", kommentierte der schwerreiche Mitdreißiger den Vergleich mit dem extrovertierten Dallas-Eigner.

Justin Timberlake, Ex-Magic-Legende Penny Hardaway und Ashley Manning, die Frau von Quarterback-Star Peyton Manning, sind an der Franchise beteiligt und sorgen zusätzlich für Publicity ( 638852 DIASHOW: Die Bilder der 3. Woche ).

Den Erfolg der Grizzlies feiert Musiker Timberlake fleißig via Twitter: "Ja Leute, die Grizzlies sind der Hammer. M-Town steh auf!"

Playoff-Gehversuche

Das erste Aufbäumen dauerte aber ein bisschen, denn in den ersten neun Jahren im Memphis verpasste das Team sechs Mal die Playoffs, doch in der vergangenen Saison deutete das Team von Trainer Lionel Hollins an, wozu es fähig ist.

Mit den Clippers lieferten sich die Grizzlies in der ersten Runde der Playoffs eine Sieben-Spiele-Schlacht, doch dann war Endstation.

Die Hoffnung, dass der Profi-Sommer 2012/13 etwas länger dauert, ist größer denn je.

"Jail Blazers"-Zeiten sind vergessen

Double-Double Maschine Zach Randolph ist gesund und hat seine turbulenten "Portland Jail Blazers"-Zeiten hinter sich gelassen.

Auch wenn "Zebo" nur mit äußerster Mühe auf eine Tageszeitung springen kann, so ist er doch der beste Rebounder der NBA (13,9 im Schnitt, dazu 17,2 Punkte) und ein wahres Biest unter dem gegnerischen Korb.

Unterstützt wird die Schreckensherrschaft von Marc Gasol, dem jüngeren Bruder von Pau Gasol. Zwar schnappt sich Marc nicht so viele Abpraller wie der Lakers-Star, doch der spanische Grizzlie hat das deutliche bessere Auge für den Mitspieler.

Im Schnitt findet er fast fünf Mal pro Partie den freien Kollegen und bestraft so jedes Doppel des Gegners. Zusätzlich sorgt der All-Star für 15 Punkte und 7,3.

Gay komplettiert das Star-Trio

Doch damit nicht genug, denn Memphis besitzt mit Rudy Gay noch einen dritten Spielentscheider.

Der Flügelspieler, der in der vergangenen Saison auch nicht zu 100 Prozent fit war, erzielt jeden Abend fast 20 Punkte und bildet mit Mike Conley jr. und Tony Allen einen brandgefährlichen Backcourt.

Mit den Bankspielern Wayne Ellington, Jerryd Bayless, und Quincy Pondexter wurde auch die schwache Dreierquote bearbeitet und so verfügt das Team von Coach Hollins über einen der ausgeglichensten Kader überhaupt in der Liga.

Das nächste Team, das die Krallen der Grizzlies zu spüren bekommen wird, sind die Denver Nuggets (Di., ab 2 Uhr LIVESCORES).

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