Chris Kaman (r.) wurde 2003 als sechster Spieler im NBA-Draft ausgewählt © getty

Die Rückkehr des Centers in Dallas' erste Fünf erweist sich gegen die Wizards als Glücksgriff. Carlisle empfiehlt eine TV-Rolle.

Von Eric Böhm

München - Chris Kaman war so heiß, da hatte selbst die übliche Politik der Geheimhaltung keine Gültigkeit.

Eigentlich geben die Dallas Mavericks ihre Startformation erst kurz vor Spielbeginn bekannt. Der ehemalige deutsche Nationalspieler plauderte seinen Einsatz beim 107:101-Erfolg (Spielbericht) über die Washington Wizards jedoch bereits nach dem Abschlusstraining am Mittag aus.

"Wenn er in einer TV-Serie mitspielen würde, hätte er zwei Szenen: Eine Jagd und ein Verhör, bei dem er zusammenbrechen würde", scherzte Coach Rick Carlisle ( 638852 DIASHOW: Die Bilder der 3. Woche )

"Hätten mit 25 oder 30 gewinnen müssen"

Seine gute Laune war nicht zuletzt Kamans herausragender Leistung zu verdanken. Der deutsche Olympiateilnehmer von 2008 verbuchte 23 Punkte und traf zehn von zwölf Versuchen aus dem Feld.

Vor allem in der Schlussphase verhinderte der 30-Jährige gegen die einzig sieglose NBA-Truppe eine weitere Blamage im Stile der Niederlagen in Charlotte (Spielbericht) oder gegen Minnesotas Verlegenheitsteam (Spielbericht).

"Wir hätten mit 25 oder 30 Punkten gewinnen müssen. Ich bin froh, dass wir gewonnen haben, aber es gibt uns kein Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben", ärgerte sich Kaman.

Einbrüche plagen Mavs

Beinahe hätte Dallas im letzten Viertel noch einen 18-Punkte-Vorsprung verspielt. Ein 15:0-Lauf und 34 Punkte der Wizards zeigen, wo erneut die Schwächen lagen.

"Es ist offensichtlich, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Uns unterlaufen in der Abwehr immer wieder solche chaotischen Phasen", kritisierte Carlisle.

Kaman ging sogar noch einen Schritt weiter: "Wir hatten es eigentlich nicht verdient zu gewinnen. Wir müssen endlich einmal 48 Minuten konzentriert durchspielen."

Jones und James überzeugen

Ohne die Führungsspieler Dirk Nowitzki (Reha nach Knie-OP) und Shawn Marion (Innenbanddehnung) hatte Carlisle die angekündigten Änderungen vorgenommen.

Neben der überfälligen Hereinnahme von Kaman machten zwei Kniffe die Verteidigung zumindest über die ersten drei Viertel deutlich sattelfester.

Defensivspezialist Dahntay Jones stand zum ersten Mal in der ersten Fünf, zudem erhielt Rookie Bernard James als Backup-Center Einsatzminuten.

"Er lässt sich unter dem Korb nicht unterbuttern. Er hält körperlich dagegen. Das ist extrem wichtig", lobte Carlisle den ehemaligen Air-Force-Soldaten.

Brand zeigt Reaktion

Indirekt durfte sich da Brandan Wright angesprochen fühlen. Der drahtige Big Man rutschte aus der Startaufstellung und musste über die komplette Spielzeit auf der Bank schmoren.

Auch Elton Brand zeigte nach seiner Kritik wegen zu wenig Spielzeit an der Seite seines einstigen Clippers-Kollegen Kaman eine Reaktion. Er lieferte mit einem Double-Double und acht Offensiv-Rebounds sein bisher bestes Spiel im Mavs-Trikot ab.

Nach seiner Degradierung steuerte Neuling Jae Crowder von der Bank zwölf Punkte bei und zeigte sich als wertvoller weiterer Scorer neben Kaman und Topscorer O.J. Mayo, da Darren Collison (9 Zähler) diesmal nicht so auffällig agierte.

Ende der Auswärtsmisere?

Der Point Guard und Jones treffen nun in Indiana (Sa., ab 1 Uhr LIVESCORES) auf ihr ehemaliges Team. Bei den Pacers gibt es die Gelegenheit auf ein Erfolgserlebnis in der Fremde.

Schließlich ist der Coup zum Auftakt bei den L.A. Lakers der bisher einzige Auswärtssieg auf dem Konto des Meisters von 2011. Eventuell kann sogar Marion zurückkehren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Die Form der ersten drei Viertel gegen Washington lässt hoffen. Speziell Kaman gab Mitspielern und Halle einen Kick.

"Der Junge ist ein verdammt guter Spieler. Er hat effizient gepunktet. Das war fantastisch", lobte Carlisle.

Startgarantie für Kaman?

Nach dem guten Startdebüt gegen Portland musste Kaman wieder in eine Reservistenrolle schlüpfen. Nicht zufällig setzte es drei Pleiten.

Der All-Star von 2010 ist auch emotional ein ganz wichtiger Faktor und dürfte nun gesetzt sein. Carlisles Aufstellungspoker ist dann auch nicht mehr nötig.

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