Mike D'Antoni (r.) wurde unter die 50 besten Euroleague-Spieler aller Zeiten gewählt © getty

Der Eigner-Sohn gewinnt den Machtkampf und installiert Nashs Favorit. Jackson Forderungen kann selbst Kobe nicht durchboxen.

Von Eric Böhm

München - Die Los Angeles Lakers haben Trainerlegende Phil Jackson völlig überraschend einen Korb gegeben.

Stattdessen übernimmt Mike D'Antoni die Zügel in Hollywood und erhält einen Vierjahresvertrag, Jacksons exorbitante Forderungen - volle Management-Kontrolle, Schwänzen von Auswärtsspielen - waren zu hoch.

Wenige Stunden nach dem 103:90 (57:48)-Erfolg über die Sacramento Kings bestätigte das Team die Verpflichtung auf seiner Homepage ( 635288 DIASHOW: Die Bilder der 2. Woche ).

"Es ist offiziell. Die handelnden Personen waren sich alle einig, dass Mike D'Antoni der beste Coach für das Team in der jetzigen Situation ist", sagte Pressesprecher John Black.

Besitzer und Bryant überstimmt

Ob die Entscheidung tatsächlich so einstimmig war, darf bezweifelt werden. Schließlich gelten Eigentümer Jerry Buss und sein Superstar Kobe Bryant als glühende Anhänger Jacksons.

Bryant hatte in den Tagen nach der plötzlichen Entlassung des glücklosen Mike Brown kräftig die Werbetrommel für seinen Mentor und elfmaligen NBA-Meistertrainer gerührt.

"Jeder weiß, wie ich zu ihm stehe. Es hat mich immer genervt, dass ich ihm damals keinen besseren Abgang bescheren konnte. Das würde ich gern korrigieren", hatte "Black Mamba" betont.

Jim Buss setzt sich durch

Offenbar setzten sich bei den internen Ränkespielen aber erneut Manager Mitch Kupchack und Eigner-Sohn Jim Buss durch.

Der Teampräsident und Bruder von Jacksons Dauerfreundin Jeanie Buss galt schon 2011 als scharfer Kritiker und Grund für den Rückzug des "Zen-Meisters".

Gegen den Wunsch von Bryant und anderen Spielern holten Jim Buss und Kupchack dann Brown und beförderten nicht Jacksons Assistent Brian Shaw zum Chef.

D'Antoni als Schnäppchen

Dass ihnen nun Jackson als De-facto-Manager und Trainer, der sich seinen Nachfolger aufbauen wollte, vor die Nase gesetzt werden sollte, stieß dem Duo sauer auf.

In Verbindung mit den Gehaltsvorstellungen in der Größenordnung von zwölf Millionen Dollar pro Jahr - etwa das geschätzte Gesamtvolumen von D'Antonis Vierjahresvertrag - ließ den Deal letztlich platzen.

Nash euphorisch

Nun darf sich also D'Antoni mit dem vor der Saison immens verstärkten Starensemble versuchen. Vor allem der aktuell verletzte Steve Nash kann sich freuen.

Der Point Guard erlebte unter D'Antoni in Phoenix seine besten Jahre und wurde damals zweimal zum MVP gewählt.

"Ich glaube, jeder weiß, wie sehr ich ihn liebe. Es wäre für mich und das Team fantastisch", hatte der 38-jährige Kanadier schon am Wochenende gesagt.

Guter Draht zu Bryant

Immerhin ist D'Antonis Beziehung zu Bryant so gut, dass der größte Fisch im See der Westküstenmetropole kein Veto einlegte.

Die beiden kennen sich seit Jahren von der US-Nationalmannschaft. Der 2011 bei den Knicks wegen Erfolglosigkeit gefeuerte 61-Jährige assistierte bei großen Turnieren regelmäßig Mike Krzyzewski - zuletzt beim Olympiasieg in London.

Sein auf Angriff und Distanzwürfe ausgelegtes Hochgeschwindigkeitssystem bietet Bryant genug Möglichkeiten, um zu glänzen.

Bickerstaff gibt Bewerbung ab

Zuletzt erholte sich D'Antoni von einer Knieoperation und hat noch Reiseverbot, er wird also erst in einigen Tagen zum Team stoßen. Ob Interimscoach Bernie Bickerstaff zu seinem Stab gehören wird, wurde noch nicht entschieden.

Er saß beim Sieg gegen Sacramento zum zweiten Mal als Chef auf der Bank und wird das wohl auch noch beim West-Gipfel gegen San Antonio (Mi., ab 4.30 Uhr LIVESCORES) noch tun.

Mit zuletzt zwei Siegen wurde der schwache Saisonstart bereits größtenteils korrigiert (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Gegen die Kings tat sich Dwight Howard dank 23 Punkten und 18 Rebounds besonders hervor.

Wie reagiert Howard?

Der Center ist möglicherweise nicht so angetan von der neuen Entwicklung. Denn D'Antonis Spiel läuft in der Regel nicht sonderlich stark über einen kraftvollen Big Man.

In New York scheiterte der siebenmalige italienische Meister - fünfmal als Spieler - nicht zuletzt an seiner Unfähigkeit, um Carmelo Anthony und Amare Stoudemire ein funktionierendes Kollektiv zu entwickeln.

"Superman" ist zudem der einzige Lakers-Star, dessen Vertrag nach der Saison endet. Wenn es nicht wie gewünscht läuft, könnten andere Teams wie Dirk Nowitzkis Mavericks Schlange stehen.

Neuer Stil notwendig

Die Anpassung an seinen Kader wird D'Antonis wichtigste Aufgabe sein. Es wimmelt bei den Lakers nicht gerade vor schnellen Spielern und Scharfschützen nach seinem Geschmack.

In seiner einzigen vollen Saison in Phoenix kam Center-Schwergewicht Shaquille O'Neal im Herbst der Karriere unter ihm immerhin auf durchschnittlich 18 Punkte pro Partie.

Brown wollte die Individualisten in ein passorientiertes Konzept pressen und versagte. D'Antoni wird nach seiner Knicks-Erfahrung diesen Fehler wohl nicht wiederholen.

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