Phil Jackson wurde 1996 zum bisher einzigen Mal zum Coach des Jahres gewählt © getty

Phil Jackson steht vor dem Comeback bei seinem Ex-Team. Bryant will ihn unbedingt. Der Coach will aber Auswärtsspiele schwänzen.

Von Eric Böhm

München - Der Paukenschlag deutet sich an: Phil Jackson steht vor der Rückkehr zu den Los Angeles Lakers.

Die Trainerlegende hat mit seinem ehemaligen Team Verhandlungen über ein Comeback auf der Bank aufgenommen ( 635288 DIASHOW: Die Bilder der 2. Woche ).

Nach der plötzlichen Entlassung des glücklosen Mike Brown (News) bestanden keine Zweifel daran, dass Jackson Wunschkandidat in Los Angeles ist. "ESPN" berichtet, der 67-Jährige hätte bereits konkrete Bedingungen gestellt.

"Jeder weiß, wie ich zu ihm stehe. Es hat mich immer genervt, dass ich ihm damals keinen besseren Abgang bescheren konnte. Das würde ich gern korrigieren", rührte Kobe Bryant bereits die Werbetrommel für seinen Mentor.

Unwürdiger Abgang

2011 hatte sich Jackson nach dem blamablen 0:4-Sweep in der zweiten Playoff-Runde gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks - den späteren Meister - in den Ruhestand verabschiedet.

Das bis dato letzte Spiel des "Zen-Meisters" wurde in Dallas zu einer denkwürdigen 36-Punkte-Schlappe. Danach zog sich Jackson auf seine Farm in Montana zurück und wollte nur noch meditieren.

"Er ist ein zu großartiger Coach, um so aufzuhören. Ich denke, es geht nur darum, ob er sich körperlich dazu in der Lage fühlt", sagte Bryant.

Zweites Comeback

Es wäre die zweite Rückkehr des elfmaligen Meistercoachs - fünf Titel mit den Lakers, sechs mit Michael Jordans Chicago Bulls.

Nach der Finals-Niederlage gegen Detroit 2004 hatte es heftig zwischen Jackson und Bryant gekracht. In seinem Buch hatte der Coach die "Black Mamba" als untrainierbar bezeichnet.

Nachdem L.A. im Jahr darauf ohne ihn die Playoffs verpasste, zum einzigen Mal in der Bryant-Ära, kroch der Spieler zu Kreuze. Jackson ließ sich breitschlagen.

Bryant als Schlüssel

Nun könnte er seinen in L.A. ohnehin nie geliebten Nachfolger Mike Brown beerben. Bryant und die anderen Spieler hatten sich vor eineinhalb Jahren Jacksons langjährigen Assistenten Brian Shaw gewünscht.

Das Management holte Brown. Diesen Fehler werden Eigentümer Jerry Buss und Manager Mitch Kupchack nicht wiederholen. Trotz seiner 34 Jahre gibt Bryant nach wie vor den Takt in Hollywood an.

Seine Beweggründe sind klar: Unter dem Hobby-Philosophen und wohl besten Motivator der NBA-Historie sieht der 14-malige All-Star die beste Chance mit Michael Jordans sechs Meisterschaften gleichzuziehen.

"Es wird wohl klappen"

Wie "ESPN" berichtet ging es in den Gesprächen am Samstagabend bereits um die Gehaltsvorstellungen, die auf der Grundlage seines alten Vertrages in der Größenordnung von zwölf Millionen Dollar liegen dürften.

Jackson verlange zudem offenbar mehr Entscheidungsgewalt und eine Beschränkung seiner Reisen. Der 67-Jährige würde demnach nicht zu jedem Auswärtsspiel mitfahren.

"Sie werden sich in ein paar Tagen wieder treffen, aber es wird wohl klappen. Phil fühlt sich gut und findet das Team sehr reizvoll", zitiert "ESPN" eine anonyme Quelle aus Jacksons Umfeld.

Bereits Kontakt zu Assistenten?

Im März wurde dem Coach ein künstliches Kniegelenk eingesetzt, das seine Mobilität wieder deutlich verbessert hat.

Angeblich geht es um einen Zweijahresvertrag. Jackson habe sogar bereits Kontakt zu möglichen Co-Trainern aufgenommen. Er wolle seinen Erben diesmal selbst auswählen und aufbauen.

Das Experiment mit Browns neuem passorientierten Angriff war trotz der qualitativ hochwertigen Neuzugänge Dwight Howard und Steve Nash mit nur einem Sieg aus zwölf Partien (inklusive Vorbereitung) kolossal gescheitert.

Neues Dreieck

Die von Kontrahenten oft kopierte, aber unerreichte Triangle-Offense verspricht mit Howard, Bryant und Nash als magischem Dreieck viel Potenzial. Zudem gilt Jackson als Fan seiner Ex-Spieler Pau Gasol und Metta World Peace.

Durch seine regelmäßigen Besuche bei Dauerfreundin Jeanie Buss (Tochter des Eigners) hatte der Hall-of-Famer ohnehin nie den Kontakt zum Team verloren.

"Er hat sich ständig über die Lakers und die Liga auf dem Laufenden gehalten. Ihn reizt die Möglichkeit auf einen zwölften Titel", wird die Quelle weiter zitiert.

Trio aus dem Rennen

Interimscoach Bernie Bickerstaff wird auf jeden Fall noch gegen Sacramento (ab 3.30 Uhr LIVESCORES) und eventuell San Antonio (Mi., ab 4.30 Uhr LIVESCORES) am Spielfeldrand stehen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Die anderen Kandidaten für den vakanten Job - Mike Dunleavy, Mike D'Antoni und Jerry Sloan - scheinen aus dem Rennen zu sein.

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