LeBron James (l.) wurde bereits sechsmal ins All-NBA First Team gewählt © getty

Der Meister überrollt die Gegner. Die Playoff-Taktik nach Vorbild des Nowitzki-Entdeckers fruchtet. James glänzt in Magics Rolle.

Von Eric Böhm

München - Das deutliche Statement der Miami Heat hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Die 103:73-Klatsche gegen die Brooklyn Nets (Bericht) stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass die Meisterschaft auch in dieser Saison nur über den Titelverteidiger geht ( 635288 DIASHOW: Die Bilder der 2. Woche ).

Im Vorfeld der Spielzeit hatten Brooklyn und die gehypten L.A. Lakers "Miami Thrice" aus den Ruf als Glitzertruppe streitig gemacht, auf dem Court ist LeBron James' Team aber nach wie vor das Maß der Dinge.

"Wir sind die Champions. Nach der Niederlage gegen die Knicks spielen wir auch wieder so. Wer an die Spitze will, muss an uns vorbei", tönt Dwyane Wade.

Selbstlos zum Startrekord

In ihrer 25-jährigen Geschichte starteten die Heat noch nie mit vier Heimsiegen in Folge. Vor allem der Angriff funktioniert derzeit noch besser als im Meisterjahr.

In drei von vier Partien gelangen mindestens 119 Punkte. Durch die Verpflichtungen der Routiniers Ray Allen und Rashard Lewis gibt es plötzlich mehr gefährliche Werfer aus der Distanz.

So kann vor allem James seine Übersicht noch besser zur Geltung bringen. Mit durchschnittlich 25,4 Assists liegen die vermeintlichen Ego-Shooter ligaweit auf Rang vier.

"Bei uns schert sich niemand nur um das Scoring. Wir suchen immer den besser postierten Mitspieler", bestätigt James dem "Miami Herald".

Lob von Johnson

Gepaart mit der den Kontrahenten ohnehin fast immer überlegenen individuellen Klasse ist das eine tödliche Kombination.

Dabei hilft vor allem der taktische Kniff aus den vergangenen Playoffs. In Ermangelung eines tauglichen Centers spielt seitdem Chris Bosh in der Mitte. James rückte auf die Position des Power Forward und lenkt von dort das Spiel.

"Sie dominieren dich. LeBron spielt einen Point Forward. Er setzt Wade und die Schützen ein. Sie schneiden blitzartig zum Korb und passen noch schneller", erklärt Brooklyns Coach Avery Johnson.

In Johnson Fußstapfen

James glänzt also in der Rolle, die Don Nelson - der Small-Ball-Erfinder - einst für Dirk Nowitzki vorgesehen hatte und Magic Johnson in den 80er Jahren bei den Lakers so exzellent ausfüllte.

Dass er deshalb nicht zwangsläufig die erste Scorer-Option ist, nimmt dem MVP den Druck und damit seine einzige Schwäche.

Stattdessen nutzt er Matchup-Lücken gegen größere Kontrahenten, gehört zu den zehn besten Reboundern der NBA und kratzt Abend für Abend an einem Triple-Double.

"Jeder sagt, wir seien zu klein und bräuchten einen Big Man. Das haben wir schon gehört und dann eine Meisterschaft gewonnen. Andere Teams sind vielleicht länger, aber nicht größer", meint LBJ.

Verteidigung wird besser

Gegen die aufstrebenden Nets zeigte sich, dass Small-Ball mit Athleten wie James und Bosh auch in der Abwehr funktionieren kann (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Brooklyns Gigant Brook Lopez kam nur auf acht Punkte. Phoenix' polnischem Center Marcin Gortat erging es kaum besser.

Statt Erick Dampier, Zydrunas Ilgauskas oder auch Joel Anthony mit durchzuschleppen setzt Coach Erik Spoelstra voll auf die Physis seiner "Big Three".

Auch Wade kann jederzeit einen Center spektakulär abräumen. Neben Lopez machten diesen Erfahrung bereits die Nuggets Kosta Koufos und JaVale McGee.

Battier entlastet LBJ

Mit so viel Speed verhindert Miami auch Schnellangriffe der Gegner und kommt selbst in den Fast-Break.

"Wir wollen sie zermürben. Gegen all die starken Center kannst du nicht in ihrer Geschwindigkeit spielen, du musst sie zum Laufen zwingen. Das ist unser Plan", sagt Bosh.

In der Verteidigung nimmt sich James häufig den besten Scorer vor - Shooting Guard oder Small Forward. Shane Battier entlastet ihn gegen die Power Forwards.

"Ich bin in jedem Spiel kleiner, aber dafür beweglicher. Ich mag meine Chancen gegen jeden Forward der NBA. Schreibt das so", fordert der Schattenmann des Starensembles.

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