James Harden wurde nach der vergangenen Saison zum besten sechsten Mann gewählt © getty

James Harden ist der Mann der 1. Woche. Befreit von Durants Schatten steht er an der Schwelle zum Superstar und tritt nach.

Von Eric Böhm

München - Wilt Chamberlain und Michael Jordan: Wenn sich ein Spieler in den Sphären dieser NBA-Legenden bewegt, muss er Herausragendes geleistet haben.

Auf James Harden trifft das in jedem Fall zu. Der Olympiasieger hat bei den Houston Rockets einen grandiosen Start hingelegt - daran änderte auch die Niederlage nach Verlängerung gegen Portland nichts.

Mit 82 Punkten in seinen ersten beiden Spielen im Trikot der Texaner übertraf Harden Chamberlains Bestmarke aus dem Jahr 1959 ( 633022 DIASHOW: Die Bilder der 1. Woche ).

"Der Unterschied ist, dass ich nicht mehr von der Bank komme. Hier ist der Angriff auf mich zugeschnitten. Die Umstellung ist groß, aber das ist mein Job", sagt der gefeierte Neuzugang.

Lob von Wilkins

Die Oklahoma City Thunder wollten ihrem dritten Topstar keinen langfristigen Vertrag geben, stattdessen lockten die Rockets mit einem 80-Millionen-Dollar-Angebot.

Den famosen 37- und 45-Punkte-Auftritten ließ er beim Heimdebüt gegen die Trail Blazers - trotz einiger Fahrkarten - immerhin 24 Zähler folgen.

"Er hat so einen schnellen ersten Schritt und ist extrem explosiv beim Zug zum Korb. Er zeigt, dass er jeden Penny der 80 Millionen Dollar wert ist", lobt der frühere All-Star Dominique Wilkins schon jetzt.

Führungsrolle statt dritte Geige

Dabei hatten Harden nicht wenige Experten eine schwierige Eingewöhnungsphase prophezeit. Immerhin steht er nun zum ersten Mal ohne Kevin Durant und Russell Westbrook im Fokus.

Ähnliches gilt für die neuen Mitspieler Jeremy Lin oder Ömer Asik, die bei den völlig umgekrempelten Rockets ihre Klasse erst einmal über einen längeren Zeitraum beweisen müssen.

Trotz seiner erst 23 Jahre übernimmt Harden die Führung der Mannschaft. "Ich kann ihn nicht genug loben. James reißt das gesamte Team mit. Er macht dir das Spiel leicht", sagt Lin.

Duett mit Lin

Das Phänomen der vergangenen Saison kann sich an Hardens Seite auf den Aufbau konzentrieren und macht weniger Fehler als noch in New York.

"Mit ihm ist es wirklich leicht. Er kann punkten und seine Mitspieler bedienen. Deshalb passen wir so gut zusammen. Das sind auch meine Stärken", erklärt Harden.

Sein Charisma und der charakteristische Rauschebart lösten in Houston eine seit den Meisterjahren der Olajuwon-Ära nicht mehr gesehene Euphorie aus (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Bart-Hype wird immer größer

Die unausweichlichen Bart-Attrappen bleiben in Texas somit auch nach Halloween ein begehrtes Utensil.

Immerhin hat das seit 2009 munter vor sich hin wachsende Kunstwerk sogar eine eigene Facebook-Seite und ein Twitter-Account.

"Der Bart sorgt zwar für Schlagzeilen, aber man sollte sich nicht von dem witzigen Aussehen täuschen lassen. James ist ein knallharter Arbeiter", sagt Coach Kevin McHale.

Mehr als nur Punkte

Nur Chamberlain und Jordan erzielten jemals mehr Punkte zum Start einer Saison. Von den Ketten des Daseins als sechster Mann befreit, ist Harden aber kein bloßer Scorer mehr.

Bisher kommt er durchschnittlich auf 6,3 Rebounds, 6,3 Assists und 1,7 Steals. Unter McHale widerlegt er die Zweifler, die ihm seine Klasse in der Verteidigung absprechen.

"Ihm zuzusehen ist unglaublich. Wir alle müssen uns zwingen, aktiv zu bleiben und nicht einfach in Ehrfurcht daneben zu stehen", betont Lin.

"Trade hat mich verletzt"

Nach Berühmtheit als Metta World Peace' Ellbogenopfer, Vize-Meisterschaft, Sixth-Man-Award und Olympiasieg bringt der Wechsel offenbar den nächsten Entwicklungsschritt.

Nach der Emanzipation von Durant steht Harden, den einst die großen Colleges seiner Heimatstadt Los Angeles verschmähten, an der Schwelle zum Superstar.

Das Risiko der Rockets, ihren kompletten Backcourt - Goran Dragic, Kyle Lowry, Courtney Lee und Kevin Martin gingen - auszutauschen, scheint sich auszuzahlen.

"Houston hatte das Vertrauen in mich. Das möchte ich jetzt zurückzahlen. Der Trade hat mich verletzt. Nach allem, was wir erreicht haben, gaben sie mir nur eine Stunde für eine Entscheidung", tritt Harden gegen OKC nach.

Den 28. November hat sich Harden wohl schon im Kalender angestrichen - dann steht das Gastspiel bei den Thunder an.

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