O. J. Mayo spielte am College für die USC Trojans in Los Angeles © getty

Dallas beweist gegen Portland erneut, dass auch ohne Nowitzki Potenzial in der Truppe steckt. Carlisles "Flow" biegt Mayo hin.

Von Eric Böhm

München/Dallas - Von wegen Überlebensmodus: Die Dallas Mavericks haben ohne Dirk Nowitzki einen erstaunlich guten Saisonstart hingelegt.

Drei Siege aus vier Spielen hatten die wenigsten Experten der völlig umgekrempelten Truppe zugetraut - immerhin fällt die Galionsfigur noch mindestens bis Ende November aus.

Dabei beeindruckt die Spielweise der Mavericks weit mehr als nur die bloßen Ergebnisse. Auch beim überzeugenden Sieg gegen Portland (Spielbericht) zelebrierten sie ein flüssiges Angriffsspiel.

"Die Jungs haben vom ersten Tag fantastisch mitgezogen und an sich gearbeitet. Die Vorbereitung war mit einigen Verletzungen nicht optimal, aber unser Potenzial ist sehr groß", sagt Rick Carlisle.

Mayo macht Carlisle Spaß

Der Coach hat großen Anteil an den guten Leistungen. Er hat sich von den geplatzten Transfer-Coups Deron Williams, Steve Nash oder Dwight Howard nie entmutigen lassen.

Stattdessen arbeitete er schon vor dem offiziellen Vorbereitungsbeginn im Einzeltraining mit O.J. Mayo, um den in Memphis zum Sechsten Mann abgerutschten Jungstar wieder hinzubiegen.

Der zahlt das Vertrauen nun zurück. Zum ersten Mal seit seiner Rookie-Saison 2008/2009 gelangen ihm wieder zwei Spiele mit mindestens 30 Punkten in Folge ( 635288 DIASHOW: Die Bilder der 2. Woche ).

"Er macht mir sehr viel Spaß. Er saugt wie ein Schwamm jeden Hinweis auf und arbeitet täglich daran, sich zu verbessern", lobt Carlisle.

Duo profitiert vom System

Der neue Shooting Guard fühlt sich im sogenannten "Flow"-System des Meistertrainers extrem wohl und schöpft endlich sein All-Star-Potenzial aus.

"Wir spielen organisierten Streetball. Wir sind unberechenbar, lesen die Defense und spielen einfach drauf los", beschrieb Mayo das Erfolgsrezept.

Der Angriff ohne feste Spielzug-Ansagen von der Bank kommt kreativen Akteuren wie Mayo und dem neuen Point Guard Darren Collison extrem entgegen.

Gute Mischung

Die Unberechenbarkeit führt zu viel Platz für die gefährlichen Schützen und einer bisher überragenden Dreierquote (über 51 Prozent).

Gegen die Toronto Raptors (Do., ab 2.30 Uhr LIVESCORES) kann der nahezu optimale Start - in Utah führte ein schwaches Viertel zur Pleite - weiter veredelt werden.

So sehr Carlisle neben dem Court auf Disziplin achtet, das zeigt nicht zuletzt Delonte Wests Schicksal(Bericht), hält er seine Spieler auf dem Feld an der langen Leine.

Lob von Coaches

In dieser Hinsicht können die Niederlage im Nash-Poker sowie die Wechsel von Jason Kidd und Jason Terry als Glücksfälle gewertet werden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Im Gegensatz zu den betagten Routiniers passt das neue Guard-Duo viel besser zu Carlisles Vorstellung von aggressivem und dynamischem Spiel, das dem Gegner keine Zeit zum Atmen lässt.

"Dallas hat in der zweiten Hälfte seinen Angriff lehrbuchhaft umgesetzt. Der Ball lief hervorragend", lobte Portlands neuer Coach Terry Stotts.

Vorteil ohne Nowitzki?

Charlottes Mike Dunlap hatte Dallas zuletzt sogar zum Vorbild für sein junges Team erklärt. Der langjährige Mavs-Assistent Stotts sieht sogar Nowitzkis Fehlen positiv.

"Ohne Dirk haben die neuen Spieler die Chance, zusammenzuspielen und sich richtig kennenzulernen. Und wenn Dirk dann zurück kommt, werden sie noch besser sein", vermutet der 54-Jährige.

Denn plötzlich gibt es auch unter dem Korb Alternativen, die Dirkules als Scorer entlasten können. Die dunklen Zeiten von Erick Dampier, Rael LaFrentz oder Brendan Haywood sind endgültig beendet.

Kaman kommt in Fahrt

Nowitzkis Nationalmannschaftkumpel Chris Kaman ist speziell in der Verteidigung kein All-Star mehr, gehört aber nach wie vor zu den besseren Offensiv-Centern der NBA.

In den ersten beiden Auftritten für Dallas versenkte der 30-Jährige 16 von 19 Versuchen aus dem Feld und zeigte nach auskurierter Wadenzerrung erstaunliche Moves.

Dass Kaman von der Bank an seine hundertprozentige Fitness herangeführt werden kann, liegt an den Aushilfsstartern Elton Brand und Brandan Wright.

Wright legt zu

Während sich Schnäppchen-Neuzugang Brand in der Defensive als erhoffter Anker entpuppte, machte Wright den nächsten Schritt in seiner Entwicklung.

Der immer noch sehr drahtige 25-Jährige hat im Sommer Muskelmasse zugelegt und kann seine große Athletik nun auch gegen schwere Center deutlich besser ausspielen.

Spektakuläre Dunkings machten den ehemaligen Top-Ten-Draftpick schnell zum Publikumsliebling - jetzt ist er mit einer Wurfquote von fast 79 Prozent auch noch effizient.

"Er ist viel stärker und selbstbewusster geworden. Brandan hat sich zu einer Stütze gemausert", bestätigt Carlisle. Nicht einmal der Perfektionist findet derzeit ein Haar in der Suppe.

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