Die Nets sind das erste Profiteam in Brooklyn seit den Dodgers, die 1957 abwanderten © getty

Die Nets holen gegen Toronto ihren verschobenen Einstand nach. Chris Boshs 40er und der eiskalte Ray Allen retten Miami.

Von Eric Böhm

München - Nach 55 Jahren hat auch die zusätzliche Wartezeit wegen Hurricane Sandy die Vorfreude auf Profisport in Brooklyn nicht bremsen können.

Die Baseballer der Dodgers hatten sich 1957 an die Westküste verabschiedet. Mit ihrem 107:100 (60:52)-Auftakterfolg über die Toronto Raptors sind die Nets nun die neuen Lieblinge des New Yorker Stadtteils.

Im ausverkauften Barclays Center brandeten schon zu Beginn vor den Augen von Teilhaber Jay-Z und dessen Ehefrau Beyonce die langgezogenen "Brook-lyn"-Rufe auf ( 633022 DIASHOW: Die Bilder der 1. Woche ).

"Davon habe ich Gänsehaut bekommen. Die Fans sind heiß auf Basketball. Sie wollen von uns eine gute Show sehen", sagte der neue Shooting Guard Joe Johnson.

Johnson fühlt sich wohl

Eigentlich hätte das Debüt schon zwei Tage zuvor gegen den Lokalrivalen New York Knicks über die Bühne gehen sollen, doch der verheerende Sturm machte dem Plan einen Strich durch die Rechnung.

Center Brook Lopez war dank 27 Punkten Topscorer des Teams. Point Guard Deron Williams steuerte 19 Zähler sowie neun Assists bei. Der Name auf der Front des Trikots war aber deutlich wichtiger.

"Brooklyn macht einen großen Unterschied. Die Halle war nicht nur voll, sondern die Leute haben auch Stimmung gemacht. Das war ein tolles Gefühl", gab Coach Avery Johnson einen Seitenhieb auf die oftmals trostlose Stimmung in New Jersey.

Lopez macht den Sack zu

Brooklyn übernahm durch ein herausragendes zweites Viertel (33:17) die Kontrolle und überstand auch die knifflige Schlussphase.

Torontos bester Schütze Kyle Lowry (28 Punkte) verkürzte 76 Sekunden vor Schluss auf 95:97. Ein Drei-Punkte-Spiel von Lopez und nervenstarke Freiwerfer sicherten danach den Heimsieg.

"Wir haben gegen Indiana und die Nets lange dagegengehalten und hatten gegen zwei der besten Teams im Osten die Siegchance. Das gibt uns Selbstvertrauen", meinte der nach Lowrys Ankunft zum Backup degradierte Jose Calderon.

Chaotische Bedingungen

Eine chaotische Woche nahm für die Nets also das erhoffte Ende. Ihre Trainingshalle steht noch in New Jersey, wurde von Sandy jedoch unter Wasser gesetzt.

Also übte die Mannschaft in ihrer neuen Heimstätte. Einige Spieler mussten wegen Stromausfällen zudem ihre Wohnungen verlassen und in Hotels umziehen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Es war für die ganze Stadt nicht einfach, aber wir haben seit dem Ende der letzten Saison auf diesen Moment gewartet. Endlich konnten wir loslegen", bestätigte Lopez.

SPORT1 fasst das weitere Geschehen aus der NBA zusammen:

Miami Heat - Denver Nuggets 119:116

Titelverteidiger Miami Heat schüttelte die Pleite bei den Knicks (Bericht) ab und gewann die enge Partie gegen die Denver Nuggets 119:116 (64:66).

Der überragende Mann des Starensembles war diesmal Chris Bosh. Der Power Forward markierte 40 Punkte - mehr waren ihm für Miami noch nie geglückt.

"Gute Teams finden einen Weg. Wir wissen, dass uns in der Abwehr noch viel fehlt, umso wichtiger war es, heute zu überleben", sagte Bosh.

Allen zeigt alten Killerinstinkt

LeBron James (20 Zähler, 11 Assists, 9 Rebounds) schrammte hauchdünn am ersten Triple-Double der Saison vorbei. Dwyane Wade sammelte 14 Punkte.

Neuzugang Ray Allen trug 23 Zähler bei. Sein Vier-Punkte-Spiel brachte die Heat 6,7 Sekunden vor dem Ende der dramatischen Partie in Front. Trotz Foul versenkte der beste Dreierschütze aller Zeiten seinen Distanzwurf nach James' Anspiel.

"Uns hat er solche Dinger auch schon eingeschenkt. Wir sind froh, dass er das jetzt für uns macht", erklärte Cheftrainer Erik Spoelstra.

Galinari erlebt gebrauchten Tag

Kenneth Faried und Andre Iguodala konnten trotz jeweils 22 Punkten die dritte Schlappe der noch sieglosen Nuggets nicht verhindern.

Danilo Galinari "krönte" seinen miserablen Tag (3 von 17 aus dem Feld) per Fahrkarte, die mit der Schlusssirene den Ausgleich hätte bringen können.

"Wir brauchen dringend einen Sieg. Das wäre ein wichtiger Big Point gewesen, der diesen Trip gerettet hätte", haderte Denvers Cheftrainer George Karl.

Chicago Bulls - New Orleans Hornets 82:89

Die New Orleans Hornets gewannen auch ohne Super-Rookie Anthony Davis (Gehirnerschütterung) überraschend bei den Chicago Bulls mit 89:82 (46:44).

Aufbauspieler Greivis Vasquez war dank 18 Punkten ihr auffälligster Akteur. "Das ist eine Stärke des Teams. Wir können Ausfälle kompensieren", sagte Center Robin Lopez.

In der Endphase behielt die junge Truppe von der Freiwurflinie die Nerven. Chicagos Marco Belinelli verpasste innerhalb der Schlussminute den 80:81-Anschluss.

Thibodeau meckert

Der Ex-Bamberger Brian Roberts kam bei den Hornets in sechs Minuten auf zwei Zähler sowie drei Rebounds. Für die Bulls traf Luol Deng (19) am besten.

Die schwache Dreierquote (3 von 17) und ein verblüffender Rebound-Nachteil (41:44) besiegelten das Schicksal des sechsmaligen Champions.

"Uns hat das letzte Feuer gefehlt. Vorn gab es zu viele Layup-Versuche. Die Arbeit nach hinten war zu lasch", kritisierte Coach Tom Thibodeau.

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