Darren Collison wurde 2010 ins All-Rookie Team der NBA gewählt © getty

Darren Collison bringt den Mavericks im Stil seines Mentors eine ganz neue Qualität. Hinter dem Point Guard drückt der Schuh.

Von Eric Böhm

München - Der Trostpreis entpuppt sich als Glücksgriff: Statt Deron Williams oder Steve Nash haben die Dallas Mavericks im Sommer "nur" Darren Collison nach Texas lotsen können.

Bereits nach zwei Spielen ist die Notlösung aus der Mannschaft des momentan verletzten Dirk Nowitzki nicht mehr wegzudenken ( 633022 DIASHOW: Die Bilder der 1. Woche ).

Bei der Niederlage in Utah (Spielbericht) spielte der Point Guard erneut stark. Erst als er im dritten Viertel eine Pause brauchte, verloren die Mavericks den Anschluss.

Denn entgegen der Befürchtungen vor Saisonbeginn drückt der Schuh nicht nur unter den Körben. Plötzlich sind vor allem die Alternativen im Backcourt rar gesät.

"Wir hatten vor der Pause einen guten Rhythmus. Dann haben wir das Gas etwas weggenommen. Das hat Utah geholfen. Wir hätten weiter attackieren müssen", sagte Collison.

Wertschätzung von Carlisle

Das ist eigentlich die größte Stärke des 25-Jährigen, der aus Indiana kam. Er ist ein sehr guter Passer und Werfer, aber die große Dynamik macht ihn für die Gegner so gefährlich.

"Das ist mein Job. Ich gehe raus und versuche, so viel Spaß wie möglich zu haben. Ich soll immer aufs Tempo drücken", bestätigte Collison.

Der mit Lob für einzelne Spieler in der Regel sparsame Coach Rick Carlisle ist froh, ihn zu haben: "Er hat zwei gute Spiele abgeliefert. Und er wird noch besser werden."

Anschauungsunterricht bei Paul

In beiden Spielen markierte der gebürtige Kalifornier 17 Punkte und übertraf damit die höchste Ausbeute seines Vorgängers Jason Kidd aus der vergangenen Saison (15).

Nachdem er UCLA - dort spielte er mit den NBA-Größen Kevin Love, Russell Westbrook, Jrue Holiday oder Arron Afflalo - zweimal ins College-Final-Four geführt hatte, kam er zu den New Orleans Hornets.

Dort verdingte er sich als Lehrling Chris Pauls und vertrat den zweimal länger verletzten Superstar sehr erfolgreich. Dessen furchtlose, aber doch kontrollierte Drives und das fantastische Ballhandling beeinflussten Collisons Entwicklung.

Auch an der Einstellung seines Mentors orientiert er sich: "Ich muss mich weiter steigern, denn ich bewerte mich anhand unserer Bilanz. Ich bin noch kein fertiges Produkt."

Kein Backup

Zum Saisonauftakt bei den Lakers (Spielbericht) stellte er sogar jenen Nash in den Schatten, der eigentlich vor ihm auf der Wunschliste stand (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Vor allem seine Athletik erlaubt es Carlisle, wesentlich aggressiver spielen zu lassen, als es mit dem betagten Veteranen Kidd möglich war.

Genau darin liegt jedoch das Problem. Weil Delonte West kurzfristig gefeuert wurde (Bericht), gibt es aktuell keinen auch nur ansatzweise gleichwertigen Ersatz für Collison.

Beaubois gibt Rätsel auf

Roddy Beaubois entnervt zu Beginn seiner vierten NBA-Saison auch die letzten Fürsprecher mit seiner Inkonstanz.

Das Versprechen des famosen 40-Punkte-Spiels im Frühjahr 2010 konnte der 24-jährige Franzose nie einlösen. In den Playoffs 2011 kam er auf dem Weg zum Titel überhaupt nicht zum Einsatz.

Auch wegen Beaubois sehen sich die Mavs auf dem Transfermarkt nach Spielmacher-Alternativen um.

DoJo auf dem Abstellgleis

Ähnliches gilt für den einst sogar von Nowitzki als wesentliche Verstärkung angekündigten Dominique Jones.

Der Combo-Guard sollte Jason Terrys Erbe werden, machte aber nur durch herausragende Auftritte in der Summer League von sich reden - im Winter wurde es dann regelmäßig still um ihn.

Es überrascht nicht, dass die Mavs die Frist zur vorzeitigen Vertragsverlängerung verstreichen ließ, schließlich versuchten sie zuletzt vergeblich, ihn einzutauschen.

Mayo setzt sich unter Druck

Bei den Shooting Guards sieht es nicht viel besser aus: Rookie Jared Cunningham braucht Zeit. Vince Carter ist im fortgeschrittenen Alter nicht mehr als eine solide Option von der Bank. Bei den Mavs herrscht also Notstand bei den Kleinen.

Denn auch O.J. Mayo sucht noch seine Topform. Der Neuzugang aus Memphis markierte zwar zum Start zweimal zwölf Punkte, traf aber nur knapp 32 Prozent seiner Würfe.

"Ich will mich hier neu beweisen. Es war bisher ganz ordentlich, aber ich kann und werde noch deutlich stärker spielen", versprach der 24-Jährige für das erste Heimspiel gegen die Charlotte Bobcats (So., ab 1.30 Uhr LIVESCORES) Besserung.

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