Nur in Dirk Nowitzkis ersten beiden Spielzeiten verpassten die Mavericks die Playoffs © imago

Nach langer Pause freut sich Dirkules auf Dallas. Sein Trainer spricht schon vom Titel. Auf Kaman singt Nowitzki das Hohelied.

Von Michael Spandern

München - Nach der längsten Basketballpause seiner Karriere ist Dirk Nowitzki wieder bereit für Großtaten mit den Dallas Mavericks. "Mir hat es jetzt unheimlich gut getan, mal drei Monate lang nicht rumzuhüpfen", sagt der deutsche All-Star.

Ein bewegter Sommer liegt dennoch hinter Dirkules: Zunächst wanderten zwei meisterliche Mitstreiter von 2011, Jason Kidd und Jason Terry, ab. Dann sagten auch noch die Free Agents Steve Nash und vor allem Deron Williams, den die Mavs unbedingt als Spielmacher der Zukunft holen wollten, ab.

"Ich war schon frustriert", erzählt Nowitzki. "Wir haben alles gegeben, um Deron zu holen, aber in Brooklyn hat der Besitzer richtig Geld rausgetan und auch andere Stars verpflichtet."

Kaman soll Lücke unterm Korb schließen

All das bekam der Würzburger erst nachträglich mit, da er gerade in Kenia weilte und seine Hochzeit mit Jessica Olsson feierte.

"Aber dann haben wir uns als Organisation gut erholt und interessante Leute geholt", freut sich Nowitzki auf fünf Neue, unter anderem auf Ex-All-Star Chris Kaman, mit dem er bei Olympia 2008 und bei der EM 2011 gemeinsam für Deutschland auflief.

"Chris ist offensiv der beste Center, mit dem ich bislang in Dallas zusammengespielt habe", singt er das Hohelied auf den Waffennarren, der den Weggang von Tyson Chandler nach dem Titelgewinn 2011 endlich vergessen machen soll und mit 30 Jahren "jünger ist, als er aussieht", wie Trainer Rick Carlisle scherzt.

Mayos Zusage "aus dem Blauen"

Zudem verpflichteten die Mavs mit Darren Collison einen jungen Spielmacher, Außenspieler Dahntay Jones und mit Elton Brand einen zweimaligen All-Star, der Nowitzki Verschnaufpausen verschaffen soll.

Und dann "sagte auch noch O.J. Mayo zu, der kam total aus dem Blauen", war auch Nowitzki überrascht vom Wechsel des in Memphis zuletzt zum Sorgenkind gewordenen Nummer-3-Draftpicks von 2008.

Bereits einen Monat vor Trainingsstart am 29. September fand sich der Combo-Guard, der angeblich auf Geld verzichtete, um beim Carlisle-Team anzuheuern, in Dallas ein, um sich an die Stadt und den Trainerstab zu gewöhnen.

"Hier spielt man immer um den Titel"

"Ich glaube, wir haben jetzt eine schlagkräftige Truppe, mit der man schon ins Playoff kommen muss", meint Nowitzki. "Was dann passiert, weiß keiner. Wenn die Chemie stimmt, ist wieder alles möglich."

Team-Besitzer Mark Cuban ist froh, die überfällige Verjüngung des Kaders hinter sich zu haben: "Wir wussten, dass irgendwann die Zeit für den Umbruch da sein würde. So schmerzlich das war, es musste sein." (Mavericks-Boss sät Zweifel an Super-Lakers)

Coach Carlisle ahnt aber, dass dies die Erwartungen keineswegs dämpft: "Dies ist Dallas. Hier spielt man immer um den Titel, so einfach ist das." Nach der Pre-Season, welche die Texaner am 6. Oktober in Berlin gegen ALBA eröffnen, kommt es gleich zum Auftakt am 30. Oktober bei den Los Angeles Lakers zur Reifeprüfung. (DATENCENTER: NBA-Spielplan)

Schinderei mit Geschwindner

"Ich hoffe, dass wir eine lange NBA-Saison haben", träumt auch Nowitzki von einem zweiten Meistercoup: "Es wäre toll, das Gefühl nochmal zu haben."

Nachdem er im Sommer gemeinsam mit seienr Frau Trainerstunden im Tennis nahm, steht derzeit die freiwillige Schinderei mit seinem Privattrainer Holger Geschwindner auf dem Programm.

"Ich bin fit, habe keine Knieprobleme, und das ist schon einmal die halbe Miete", meint Deutschlands Sportler des Jahres, für den auch am Ende seines Vertrages 2014 nicht Schluss sein soll: "Ich werde das ein oder andere Jahr dranhängen und es dann langsam ausklingen lassen."

Nowitzki bescheinigt DBB-Team Persepektive

Ob er jedoch währenddessen ein Comeback im Nationalteam gibt, lässt er weiterhin offen. Zumindest zeigte er sich von der perfekten EM-Qualifikation seiner Landsleute beeindruckt. "Es hat Spaß gemacht, da zuzuschauen. Die Jungs haben alle mit Selbstvertrauen angepackt. Das hat auf jeden Fall Perspektive", sagt er dem "Bayerischen Fernsehen".

Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro will Nowitzki zwar nicht ausdrücklich ausschließen, er schränkt allerdings ein: "Dann wäre ich 38. Ich weiß nicht, ob das nicht ein bisschen zu weit weg ist."

Geschwindner hingegen klingt im Magazin "BIG - Basketball in Deutschland" optimistischer: "Falls Dirk fit ist, gesund bleibt und gebraucht wird: Rio wäre durchaus noch eine Versuchung wert."

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