Allen Iverson stand insgesamt achtmal in einem All-NBA Team © getty

Der 37-jährige Ex-Superstar wirbt geläutert um ein NBA-Comeback. Neben sportlichem Ehrgeiz treiben A.I. auch Geldsorgen an.

Von Eric Böhm

München - Im Spätsommer grüßt regelmäßig das Murmeltier: Eine Meldung über ein mögliches NBA-Comeback von Allen Iverson geistert jährlich durchs Internet.

Der siebenmalige All-Star ist immer noch ein großer Name, hat seit Februar 2010 aber nicht mehr in der besten Liga der Welt gespielt.

Dennoch trainiert der 37-Jährige in Atlanta, um für den ersehnten Anruf eines Managers bereit zu sein. An Selbstvertrauen mangelt es Iverson nach wie vor nicht.

"Ich will definitiv noch einmal in die NBA zurückkehren. Ich habe es noch drauf. Wenn es nicht klappt, dann ist China sicher eine Option", sagt "The Answer".

Immer noch Big in China

Ob er seinen über die Jahre zahlreich gewordenen Kritikern noch eine letzte Antwort auf der großen Bühne geben kann, ist äußerst fraglich.

Denn sein Ausflug in die Türkei zu Besiktas Istanbul endete nach ordentlichem Beginn und nur zehn Spielen in einem Fiasko sowie einer schweren Wadenverletzung.

Zuletzt tauchte er in China bei einem All-Star-Spiel an der Seite seines alten Widersachers Stephon Marbury auf - dort ist das Enfant terrible nach wie vor eine große Nummer.

"Gebt mir eine komplette Vorbereitung, dann kann ich überzeugen. Wenn mich irgendein Team braucht, kann ich helfen", wirbt Iverson für sich.

Große Vergangenheit

In seiner Glanzzeit war der MVP von 2001 ein unwiderstehlicher Scorer, der wie kein zweiter den Status eines NBA-Superstars mit der Hip-Hop-Kultur verband (DATENCENTER: NBA-Spielplan).

Damals führte er die Philadelphia 76ers mit durchschnittlich 31,1 Punkten pro Partie in die Finals. Gegen die L.A. Lakers um Shaquille O'Neal und Kobe Bryant gelang aber nur ein Sieg.

In den folgenden Jahren sank Iversons Stern jedoch immer weiter. Nächtliche Ausschweifungen und Ärger mit diversen Coaches taten ihr Übriges.

Nur in Philadelphia läuft es

Seine schon legendäre Trainingsfaulheit - erinnert sei nur an seine "Practice-Tirade" von 2002 - entnervte die Sixers letztlich so sehr, dass sie ihn nach Denver abgaben.

Seine alte Klasse ließ der einst pfeilschnelle Aufbauspieler nach Stationen in Detroit und Memphis erst wieder im guten, alten Philly aufblitzen.

Im Dezember 2009 gab er sein umjubeltes Comeback und kam nach kurzer Anlaufzeit in 25 Spielen immerhin auf durchschnittlich 13,9 Punkte pro Partie.

Die schwere Krankheit seiner damals vierjährigen Tochter Messiah zwang Iverson zum erneuten Rückzug.

Finanzielle Schwierigkeiten

Das fortgeschrittene Alter und die nachlassende Spritzigkeit sprechen gegen den körperlich ohnehin benachteiligten und nur 1,83 Meter großen Guard.

Dass er nach wie vor von einer Rückkehr in die NBA träumt, hat neben der Basketball-Leidenschaft des besten Rookies von 1997 auch mit finanziellen Problemen zu tun.

Bereits 2010 kamen Gerüchte auf, Iverson stünde kurz vor der Pleite, obwohl er in seiner NBA-Karriere allein 150 Millionen Dollar an Gehältern verdient hatte. Auch mit seinem Schuhausrüster besteht ein Vertrag auf Lebenszeit.

Glücksspiel, Drogen, eine teure Scheidung, Unterhalt für fünf Kinder und die letztlich nicht erfolgreichen Rap-Versuche verschlangen Unsummen.

"Kann etwas beitragen"

Jahrelang wehrte sich Iverson mit Händen und Füßen gegen eine Rolle als Reservist, im Spätherbst seiner Karriere präsentiert er sich nun geläutert.

"Vielleicht habe ich einige Leute mit Aussagen und Verhaltensweisen vor den Kopf gestoßen. Die Aufgabe im Team spielt für mich keine große Rolle mehr. Ich kann aber etwas beitragen", bestätigt der viermalige Scoring-Champion.

Kritikern hat er im zurückliegenden Jahrzehnt mehr als genug Munition geliefert, aber auf dem Court gab er immer alles und spielte, als wäre es sein letzter Auftritt.

Für Aufsehen würde die Rückkehr in jedem Fall sorgen. Die 76ers haben viele Guards abgegeben...

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