Rajon Rondo (M.) wurde 2012 ins All-NBA Third Team berufen © getty

Alles läuft im zweiten Ost-Finale für die Celtics, trotzdem reicht es in Miami nicht. Ein Veteran nimmt kein Blatt vor dem Mund.

Von Eric Böhm

München - Es hätte sein Abend sein müssen: Stattdessen musste sich Rajon Rondo nach seiner historischen Gala gegen mitleidige Schulterklopfer wehren.

Der Point Guard hatte mit 44 Punkten, zehn Assists sowie acht Rebounds eines der individuell besten Playoff-Spiele aller Zeiten geliefert. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

Trotzdem setzte es für seine Boston Celtics eine bittere 111:115-Pleite nach Verlängerung bei den Miami Heat (Bericht), die nach der 2:0-Führung in der Best-of-Seven-Serie schon fast für die NBA-Finals planen können.

"Er hat sich die Seele aus dem Leib gespielt. Er hat uns im Angriff getragen und alles gemacht, was wir verlangen konnten. Dieses Ende hat er nicht verdient", entschuldigte sich Kapitän Paul Pierce bei seinem Teamkollegen.

Einsamer Playoff-Rekord

In den Playoffs gelang diese Saison keinem Spieler außer Le Bron James (40 Punkte, 18 Rebounds und neun Assists gegen Indiana) ein solcher Auftritt. In der Geschichte erreichten nur fünf weitere Spieler ein 40-10-8-Spiel: Tracy McGrady, Charles Barkley, Clyde Drexler, Jerry West und Oscar Robertson.

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass die 44 Zähler eine persönliche Bestmarke und einen Rekord für die K.o.-Runde 2012 darstellen. ( 565181 DIASHOW: Die Conference Finals )

"Er ist ein Maestro. Er ist ein unglaublicher Wettkampftyp. Ich habe keine Ahnung, wie du ihn stoppen kannst. Er hat ein tolles Spiel gemacht", sagte Miamis Trainer Erik Spoelstra.

Beste Leistung nicht gut genug

"Rajzilla" stand zum ersten Mal in seiner Karriere jede Sekunde auf dem Court. Er versenkte sogar zehn von zwölf Würfen aus der Mitteldistanz oder von jenseits der Dreierlinie - eigentlich gilt das als seine große Schwäche. (SERVICE: Die Tagesbesten der Playoffs)

Dazu kam für Boston ein komfortabler 15-Punkte-Vosprung im zweiten Viertel, Miamis Star Dwyane Wade wartete bis ins dritte Viertel auf seinen ersten Treffer, selbst der angeschlagene Ray Allen (13 Zähler) fand sein Händchen wieder.

Es hätte für den Rekordmeister also kaum besser laufen können. Genau deshalb ist die knappe Pleite in dem phasenweise hochklassigen und jederzeit spannenden Duell so bitter.

"Wir haben ein großartiges Spiel gemacht und großen Kampfgeist gezeigt. Es ist demoralisierend, nicht die Früchte zu ernten - speziell für Rajon", bilanzierte Coach Doc Rivers.

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Rondo geknickt

Es drängt sich die Frage auf, ob solch ein Rückschlag nicht bereits vor Spiel drei in der Nacht auf Samstag (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) in Boston einen vorentscheidenden, psychologischen Knacks verursacht.

Wenn die Celtics selbst so ein Spiel gegen Miami nicht gewinnen können, fällt es schwer, ihnen vier Siege aus den fünf folgenden Partien zuzutrauen.

Das weiß auch Rondo, der seine fantastische Nacht auf der Pressekonferenz völlig konsterniert abtat: "Es spielt keine Rolle. Wir haben verloren. So einfach ist das."

Allen meckert

In der Verlängerung ließen dann auch noch die Schiedsrichter den tragischen Helden in Grün im Stich.

Beim Stand von 105:105 wurde er bei einem Korbleger-Versuch von Wade gefoult, der Pfiff bleib jedoch aus, und Miami kam per schnellem Gegenangriff zur Führung, die sie nicht mehr abgaben.

Rondo äußerte sich nur sehr zurückhaltend zu der Szene. Seine Teamkollegen nahmen trotz möglicher Sanktionen kein Blatt vor den Mund.

"Ich habe kein Problem damit, es auszusprechen. Wir haben alle gesehen, dass er getroffen wurde", beschwerte sich Allen.

Viele Pfiffe für Miami

Die Celtics wurden insgesamt 33-mal zurückgepfiffen. Drei Spieler schieden mit sechs Fouls vorzeitig aus. Die Heat bekamen 47 Freiwürfe. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Allein LeBron James (34 Punkte, 10 Rebounds) durfte fast so häufig an die Linie wie der komplette Kader der Gäste (24:29).

"Boston hat uns alles abverlangt"

Letztendlich war für diese Diskrepanz aber speziell nach der Pause die Klasse und Aggressivität des tödlichen Duos James und Wade verantwortlich.

Seit Chris Bosh (Bauchmuskelzerrung) verletzt fehlt, zwingen die beiden All-Stars den Konkurrenten ihren Willen auf und sind häufig nicht einmal mit Fouls zu bremsen.

Wade gelangen trotz harten Körperkontakts einige spektakuläre Körbe. Sein Drei-Punkte-Spiel zum 105:100 erwies sich knapp eine Minute vor Schluss nicht zufällig als Schlüsselmoment.

"Das Spiel hat uns richtig ausgezehrt. Boston hat uns wirklich alles abverlangt, aber wir haben uns dennoch durchgesetzt", sprach Wade beim "Miami Herald" die schmerzliche Wahrheit aus Celtics-Sicht aus.

Kaum noch Hoffnung

Letztlich spricht nun kaum noch etwas für Boston. Seit 1969 holten sie keinen 0:2-Rückstand mehr auf. Dies gelang in der NBA-Geschichte überhaupt nur 14 Teams.

"Wir hatten viele Möglichkeiten zum Sieg, waren aber nicht immer besonders clever. Ich glaube, das können wir korrigieren", gibt Rivers die Hoffnung noch nicht auf.

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