Dwyane Wade (r.) führte die Marquette University 2003 ins Final Four der NCAA © getty

Miami setzt im zweiten Conference Finale auf das neue Verständnis zwischen LeBron und Wade. Rondo will wieder Celtics-Basketball.

Von Eric Böhm

München - Manchmal kann eine einzige Woche einen riesigen Unterschied ausmachen. Das beste Beispiel dafür haben die Miami Heat jüngst geliefert. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

Vor sieben Tagen standen sie in Indiana nach zwei Niederlagen und dem Ausfall ihres drittwichtigsten Spielers Chris Bosh (Bauchmuskelzerrung) in der zweiten Playoff-Runde mit dem Rücken zur Wand.

Vier überragende Auftritte von LeBron James und Dwyane Wade später fehlt Bosh zwar weiter, aber der Topfavorit könnte im zweiten Finale der Eastern Conference gegen die Boston Celtics (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) einen großen Schritt in Richtung NBA-Finals machen.

"Wir haben zwei Jahre lang alte Gewohnheiten bekämpft. Chris' Verletzung hat noch besseren Teambasketball notwendig gemacht. Wir spielen weniger Hero-Ball", erklärt Coach Erik Spoelstra dem "Miami Herald".

Wade und James so gut wie nie

In der Tat bilden James und Wade aktuell ein so starkes Duo wie nie zuvor in der "Miami-Thrice"-Ära.

Im ersten Spiel gegen Boston (Bericht) markierten sie gemeinsam 54 Punkte und waren durch effektives Zusammenspiel für den Großteil der insgesamt 19 Dunkings und Layups verantwortlich.

"Wir müssen disziplinierter auftreten, weil ein Spieler weniger für 20 Punkte gut ist. Wir müssen uns deshalb bessere Möglichkeiten erarbeiten", bestätigt Wade. ( 565181 DIASHOW: Die Conference Finals )

Wade weniger unter Druck

"Flash" profitiert besonders von Boshs Absenz. Für ihn werden nun mehr Würfe kreiert, und er muss sich nicht ausschließlich auf seine Einzelaktionen verlassen.

"Wir haben uns der Situation angepasst. Es gibt jetzt weniger Hero-Ball. Das Vertrauen in die Mitspieler ist größer. Die Bewegung macht es für den ballführenden Spieler leichter. Der Druck, allein einen Korb machen zu müssen, ist nicht mehr so groß", meint Wade.

In den vergangenen vier Partien sammelte er starke 121 Punkte, 25 Rebounds und 18 Assists. Seine Wurfquote war nie schlechter als 56,5 Prozent.

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James verteidigt hervorragend

Das Spielsystem wurde notgedrungen vereinfacht. Dadurch kann speziell James seine große Übersicht als Point-Forward noch besser ausspielen.

Auch die vermuteten Schwächen in der Abwehr gegen Bostons Big Men Kevin Garnett oder Brandon Bass traten in Spiel 1 nicht wie befürchtet zu Tage. James hielt gegen KG stand.

"Trotzdem hätten wir Chris gern schnellstmöglich wieder dabei. Wir zwingen es jetzt nicht mehr so stark. Im Angriff nehmen wir die Würfe aus dem Rhythmus heraus. Das wäre auch mit Chris so", ist sich James sicher.

Bosh trainiert wieder

Sein Wunsch wird ihm vielleicht schon in Boston zu Spiel 3 (Sa., ab 2.30 Uhr LIVESCORES) erfüllt. Denn Bosh macht in seiner Reha große Fortschritte. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

"Wenn man bedenkt, wie schlimm es war, ist er unglaublich weit. Wir müssen abwarten, aber es ist schön, ihn wieder in der Halle zu haben", sagte Spoelstra.

Rivers und Rondo fordern Feuer

Umso wichtiger wäre für die Celtics ein Ausgleich in Miami. Denn trotz aller Diskussionen würde Boshs Comeback ein weiteres Problem für den Rekordmeister darstellen.

Selbst ohne den Forward war die Mannschaft von Coach Doc Rivers in Abwehr und Angriff unterlegen.

"Sie haben uns mit ihren Dunkings vielleicht etwas vorgeführt, aber wir haben es zugelassen. Das wird sich nicht wiederholen. Die Jungs wollen sich im Videostudium nicht noch einmal 19 Layups in Folge anschauen", verspricht Rivers einen anderen Auftritt.

Point Guard Rajon Rondo stößt in das gleiche Horn: "Das war kein Celtics-Basketball. Wir müssen deutlich härter und aggressiver auftreten."

"Ray ist Ray"

Personell steht ein großes Fragezeichen hinter Ray Allen. Der erfolgreichste Dreierschütze aller Zeiten plagt sich nach wie vor mit Problemen am rechten Knöchel herum.

In Spiel 1 traf er nur einen seiner sieben Würfe und verfehlte vier Freiwürfe - das passierte ihm in 17 NBA-Jahren noch nie. In den Playoffs trifft er nur 27 Prozent seiner Dreier.

"Ray ist Ray. Wir werden ihn weiterhin einsetzen und sehen, was er bringt. Wir müssen ihm eine Chance geben, sich durchzukämpfen", stützt Rivers seinen Veteranen.

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